Stand: 30.10.2026 • 12:14 Uhr

Ein wiedervereintes Korea - diese Hoffnung hat Kanzler Merz beim Besuch an Südkoreas Grenze geäußert. Angesichts Nordkoreas zunehmender Abschottung liegt dieses Ziel in weiter Ferne. Und das berge laut Merz auch für Europa eine Gefahr.

Zum Abschluss seiner Asienreise hat Bundeskanzler Friedrich Merz in Südkorea die sogenannte Demilitarisierte Zone an der Grenze zum Nachbarn Nordkorea besucht - und dabei auch an die Geschichte des eigenen Landes erinnert. Er sei während seines Aufenthaltes in Südkorea "sehr häufig auf die Erfahrungen angesprochen worden, die wir mit einem geteilten Land und einer Wiedervereinigung gemacht haben", sagte Merz. Und er sei dankbar, "dass wir eine solche Teilung in Deutschland seit 36 Jahren nicht mehr erleben müssen".

Der CDU-Politiker äußerte die Hoffnung, dass auch Süd- und Nordkorea eine friedliche Wiedervereinigung gelingen werde. Gerade dort - an der sogenannten Demarkationslinie - sei zu spüren, "wie sehr so ein Land an einer Teilung leidet und wie sehr auch der Wunsch besteht, jedenfalls in diesem Teil der koreanischen Halbinsel, wiedervereinigt zu werden", so Merz.

Die koreanische Halbinsel ist seit dem Koreakrieg geteilt. Nach wie vor befinden sich Nord- und Südkorea offiziell im Kriegszustand, da nach Ende des Koreakrieges 1953 lediglich ein Waffenstillstand vereinbart und kein offizieller Friedensvertrag geschlossen wurde. An der Grenze zwischen beiden Ländern sind auch Soldaten der Vereinten Nationen stationiert, unter ihnen auch Einsatzkräfte der Bundeswehr.

Eine UN-Mission soll die Einhaltung des Waffenstillstand zwischen Süd- und Nordkorea absichern.

Doch in den Jahren nach einem Treffen zwischen dem damaligen südkoreanischen Präsident Moon Jae und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un 2018 sind die Hoffnungen auf eine friedliche Wiedervereinigung zunehmend gesunken.

Anfang 2024 erklärte Kim das Ziel einer friedlichen Annäherung mit Südkorea für unmöglich. Das Nationale Komitee, dass Wege hin zu einer Wiedervereinigung finden sollte, wurde aufgelöst. Im vergangenen Mai wurde bekannt, dass sämtliche Bezüge auf eine mögliche Wiedervereinigung aus Nordkoreas Verfassung herausgestrichen wurden. Kim ließ sämtliche historischen Zug- und Straßenverbindungen zwischen den zwei Staaten sprengen und befestigt die ohnehin hochgerüstete Grenze mit Landminen und Barrikaden. Zuletzt wurden entlang der nordkoreanischen Grenze auch Panzerhaubitzen gesichtet.

Alle diplomatischen Bemühungen um Entspannung verlaufen derzeit dagegen im Sande. Erst vor einer Woche hatte die südkoreanische Regierung erneut vorgeschlagen, Gespräche mit Nordkorea aufzunehmen. Kim hat dazu bisher aber keine Bereitschaft signalisiert.

Der Kanzler machte bei seinem Besuch klar, warum der Konflikt auch Deutschland und Europa betrifft. Denn in seiner international weitgehenden Isolation sucht Nordkorea verstärkt den Schulterschluss mit Russland. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine lieferte Nordkorea große Mengen an Artilleriemunition und Raketen an Russland und entsandte nach Schätzungen des südkoreanischen Geheimdienstes etwa 15.000 Soldaten, die das russische Militär verstärken sollten.

Angesichts dieser Entwicklung haben Deutschland und Südkorea eine engere Kooperation und einen verstärkten Informationsaustausch über Sicherheit und Verteidigung vereinbart. "Koreas Sicherheit berührt Europas Sicherheit. Und Europas Sicherheit berührt auch die Sicherheit Koreas", sagte Merz dazu. "Die Welt ist eben klein - auch im Krieg."

Vor seinem Besuch in Südkorea hatte seine fünftägige Reise in den Indopazifikraum den Kanzler bereits nach Singapur und Japan geführt. Am Abend soll Merz zurück nach Deutschland reisen.

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