Stand: 14.09.2026 • 17:42 Uhr

Der Schock an den Zapfsäulen ist zurück. Wegen der Eskalation im Nahen Osten steigen die Preise für Kraftstoffe, Heizöl und Gas deutlich. Auch die Politik ist wieder in die Debatte über mögliche Entlastungen eingestiegen.

Die anhaltende Unsicherheit im Nahen Osten hat die Spritpreise weiter nach oben getrieben. Zu Wochenbeginn zahlen Autofahrerinnen und Autofahrer Daten der ARD zufolge im Schnitt 2,25 Euro für einen Liter Superbenzin der Sorte E10 - ein Plus von elf Cent im Vergleich zu Ende August.

Ein Liter Diesel kostete heute Morgen 2,38 Euro pro Liter und damit 20 Cent mehr als vor zwei Wochen. Bis zum Mittag blieben die Preise im bundesweiten Schnitt stabil auf hohem Niveau. Das ergibt die SWR-Datenanalyse aller Kraftstoff-Preise der rund 15.000 deutschen Tankstellen.

Am Wochenende hatten die Spritpreise sogar ein neues Allzeithoch erreicht. Der Liter Super E10 kostete am Sonntag laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,273 Euro. Damit wurde der bisherige Höchstpreis von März 2022 übertroffen. Der Preis für Diesel stieg ebenfalls weiter an. Er erreichte am Sonntag laut ADAC 2,404 Euro pro Liter. Und ein Ende der Preisspirale in Deutschland ist nicht abzusehen.

Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten sorgt dafür, dass die Preise für Rohöl hoch bleiben - was die Autofahrer oder Käufer von Heizöl umgehend zu spüren bekommen. Schon in der Nacht zum Freitag war der Preis für ein Fass der Nordsee-Referenzsorte Brent in Richtung 110 Dollar gestiegen. Aktuell werden rund 107 Dollar bezahlt.

Daher rechnet auch der Tankstellen-Verband mit weiter steigenden Preisen. "Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir Spritpreise um drei Euro bekommen", sagte Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband (TIV) der Rheinischen Post. "Und wir haben sie an den Autobahnen ja schon." Der Experte kritisierte das Vorgehen der Mineralölkonzerne. "Es wird abkassiert. Und auch die Tankstellenbetreiber leiden unter den hohen Preisen."

Zwar seien die Blockade der Straße von Hormus und der Konflikt mit den Huthis um die Meerenge Bab al-Mandab ein Problem. Der Anteil des Öls hierzulande aus der Golfregion sei jedoch vergleichsweise gering. "Da in den USA die Spritpreise gerade niedrig gehalten werden, müssen die Konzerne woanders das Geld verdienen", erklärte Rabl. "Und das ist bei uns, das ist in Europa."

Der ADAC sieht dagegen "keine Anhaltspunkte dafür, dass Diesel im Tagesdurchschnitt die Marke von drei Euro je Liter erreichen wird". Ein neuer Höchststand bei Diesel sei aber nicht ausgeschlossen, wenn sich die geopolitische Lage weiter verschärfe.

Auch die aktuellen Preise reichen aber, um der Diskussion um einen Spritpreisdeckel neuen Schwung zu geben. So forderte Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil: "Die Abzocke auf dem Rücken der Autofahrerinnen und Autofahrer muss aufhören. Die Preise müssen sofort gesenkt werden, indem wir wie in anderen Ländern sofort einen Spritpreisdeckel einführen."

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) forderte ein solches Instrument nach Luxemburger Vorbild. Dort legt das Wirtschaftsministerium verbindliche Höchstpreise fest und passt sie an die Entwicklungen der internationalen Energiemärkte an.

Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder forderte neue Entlastungen. Auf welchem Weg und wie stark die Preise gesenkt werden sollten, sagte Söder nicht - es gebe "zig Möglichkeiten".

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht derzeit jedenfalls keinen Spielraum für einen erneuten Tankrabatt wie im Mai und Juni. Sie plädierte bei RTL/ntv für Direktzahlungen an Menschen mit geringeren Einkommen, die eine Möglichkeit seien "schnell zu entlasten, aber dies gezielt zu tun". Reiche forderte zudem, beim Emissionshandel, also dem CO2-Preis, anzusetzen.

Den Autofahrerinnen und Autofahrern in Deutschland bleibt vorerst nichts anderes, als zu versuchen, Preisschwankungen möglichst auszunutzen. Spritpreise dürfen nur einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöht werden. Oftmals sind die Notierungen am späten Vormittag kurz vor den neuen Preisen am günstigsten - ein kurzer Blick könnte sich also lohnen.

Zudem können die Preise auch regional stark abweichen. Aktuell ist Sprit in Süddeutschland - insbesondere in Bayern - ein gutes Stück günstiger, im Norden und besonders Ostdeutschland teurer, wie aus SWR-Daten hervorgeht. An den von Rabl angesprochenen Autobahn-Tankstellen ist Sprit zudem oft sehr viel teurer als abseits der Autobahnen. Eine ADAC-Untersuchung hatte zuletzt einen Abstand von mehr als 30 Cent ergeben.

Hintergrund des jüngsten Preisschubs beim Öl derweil ist der Krieg zwischen Saudi-Arabien und den jemenitischen Huthi-Rebellen, die Iran nahestehen - der geografisch also auf der anderen Seite der arabischen Halbinsel stattfindet. Um der Sperrung der Straße von Hormus auszuweichen, hat Saudi-Arabien die Verschiffung über seine Häfen am Roten Meer verstärkt und nutzt dazu die Ost-West-Pipeline quer durch das Land.

Diese wurde zuletzt von den Rebellen attackiert, was das Königreich erheblich unter Druck setzt. Saudi-Arabien ist einer der größten Ölproduzent der Welt.

Auch bei anderen Energieträgern macht sich die Krise bemerkbar. So war Heizöl nach Zahlen des Portals Heizöl24 um mehr als 30 Cent pro Liter teurer als Ende August. Von seinen Rekordständen aus dem Jahr 2022 war der Preis aber noch weit entfernt: Am Vormittag lag er um 1,66 Euro pro Liter. Damals war er vorübergehend auf mehr als zwei Euro geklettert.

Der Preis für europäisches Erdgas kletterte wegen Angebotssorgen durch Lieferausfälle aus den Fördergebieten am Persischen Golf heute ebenfalls deutlich. Der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat erreichte den höchsten Stand seit Ende 2022.

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