Stand: 18.05.2026 • 11:58 Uhr
Die Baugenehmigungen sind hierzulande zuletzt kräftig gestiegen. Das ist ein Lichtblick im Kampf gegen Wohnungsmangel - doch hält der Aufschwung?
In den ersten drei Monaten des Jahres sind die Baugenehmigungen in Deutschland kräftig gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt heute mit. Im Neubau zogen die Genehmigungen danach besonders bei Zweifamilienhäusern (plus 23,2 Prozent) und bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (14,9 Prozent) deutlich an.
Aber auch die Bewilligung für Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden sind den Wiesbadener Statistikern zufolge gestiegen: Im ersten Quartal wurden 63.500 Wohnungen in neuen und alten Gebäuden genehmigt. Das waren 14,6 Prozent mehr als von Januar bis März 2025. Allein im März wurden 21.800 Wohnungen bewilligt, 11,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
"Die Zahl der neu erteilten Baugenehmigungen im März zeigt, dass die deutsche Bauwirtschaft im ersten Monat des Iran-Kriegs eine robuste Dynamik aufgewiesen hat", sagt Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.
Allerdings drohten steigende Zinsen und Kosten im Zuge des Kriegs den Aufschwung auszubremsen. So seien seit Anfang März die Zinsen auf zehnjährige Immobilienkredite um 0,3 Prozentpunkte gestiegen, was den Wohnungsbau verteuere. Zudem wirke sich die gestiegene Inflation aus. "Wenn die Menschen wegen gestiegener Energiepreise weniger Kaufkraft haben, bleibt auch weniger Spielraum zum Bau eines Eigenheims." Mittelfristig dürften die höheren Kraftstoff- und Energiekosten die Baukosten weiter steigen lassen.
Entsprechend pessimistisch blicken die Baufirmen aktuell auch in die Zukunft: Das Geschäftsklima - abgefragt durch eine Konjunkturumfrage im April durch das Münchner ifo-Institut - fiel nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte. Das ist der stärkste Rückgang seit April 2022. Die Stimmung in der Branche habe sich "massiv verschlechtert", heißt es seitens des ifo-Instituts.
"Die geopolitische Unsicherheit belastet inzwischen auch den Wohnungsbau in Deutschland", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. Dementsprechend würden die Erwartungen an die Geschäfte in den kommenden Monaten runtergeschraubt. Schon auf dem aktuellen Niveau der Baugenehmigungen werden laut Dullien nicht genug Wohnungen gebaut, um eine echte Entspannung am Wohnungsmarkt zu erreichen.
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) warnte ebenfalls davor, in Euphorie zu verfallen. "Wenn wir den Bedarf im Land decken wollen, müssten mindestens 10.000 Genehmigungen zusätzlich reinkommen - und das pro Monat", sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa und betont: "Eine Genehmigung ist noch kein Spatenstich und erst recht keine fertige Wohnung."
Die Baugenehmigungen sind ein wichtiger Indikator für den Wohnungsbau, der wegen gestiegener Zinsen und Baukosten in der Krise steckt: Was nicht genehmigt wird, wird später nicht gebaut. Vor allem in Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Die Bundesregierung will mit einem "Bau-Turbo" über schnellere Genehmigungen den Wohnungsbau voranbringen und hat Förderprogramme für energieeffizientes Bauen reaktiviert.
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