Es klingt nach vielen Begegnungen und Wiedersehensfreude. Kurz nach seiner Lungenkrebs-Operation bereist Papst Leo XIV. bei seiner bislang längsten Auslandsreise vom 6. bis zum 17. November drei Länder Lateinamerikas: Uruguay, Argentinien und Peru.

Für Leo, den US-Amerikaner mit peruanischem Pass, ist es einerseits auch eine Reise in die Heimat seines Vorgängers: Argentinien. Für ihn selbst ist es vor allem ein Wiedersehen mit der Kirche Perus, seiner Kirche. Als das Konklave im Mai 2025 den Ordensmann Robert Prevost zum Papst wählte, hielten ihn selbst einige US-Kirchenvertreter in Rom zuerst für einen gebürtigen Peruaner.

Nun kehrt er als Papst zurück. Gegen Ende der Reise übernachtet er sogar drei Mal in Chiclayo. Das ist jene Stadt, in der der Augustiner-Mönch Robert Prevost von 2015 bis 2023 Bischof war.

Mit der Reise nach Lateinamerika lenkt Leo den Blick auf die sogenannten jungen Kirchen in anderen Erdteilen, weg von Europa. Die Gesellschaften in den drei Ländern sind von starken sozialen Unterschieden, zum Teil auch von Armut geprägt. Im ersten Gastland, in Uruguay, besucht er beispielsweise die Bewohner eines sozial benachteiligten Wohnviertels.

Sehr deutlich werden die Unterschiede auch in Argentinien, das vom libertären und populistisch agierenden Präsidenten Javier Milei geführt wird. Der Argentinier Papst Franziskus (2013-2025), so hieß es stets, verzichtete auf einen Besuch in seinem Heimatland, damit es vor Ort nicht zu einer weiteren Verschärfung politischer Spannungen komme.

Vielleicht macht die Etappe in Argentinien am deutlichsten, wie Leo bei seinen Reisen Zeichen setzt. Er hat beschlossen, ein Zentrum für Menschen mit Behinderungen zu besuchen, eine der Bevölkerungsgruppen, die am stärksten von der Sparpolitik Mileis betroffen ist.

Es ist ein Termin nach dem Herzen eines Papstes. Im "Cottolengo Don Orione" in Claypole am südlichen Stadtrand von Buenos Aires leben über 400 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, weitere 220 besuchen das therapeutische Bildungszentrum und die Sonderschule. Die Einrichtung in kirchlicher Trägerschaft hat unter den massiven Mittelkürzungen durch die Regierung gelitten.

Nach Bekanntwerden der Besuchspläne von Papst Leo stoppte die Politik die Einschnitte und sagte eine Anpassung der Mittel zu. "Wir sind dankbar, dass der Papst kommt. Hoffen wir, dass, wenn er geht, nicht alles zurückkommt, nicht alles verschwindet", sagt Valentina Bassi, Mutter eines autistischen Kindes der DW.

In allen drei Ländern, die der Papst besucht, gehört die Mehrheit der Bevölkerung der katholischen Kirche an. Es ist ein Erbe der Kolonialzeit: Lateinamerika ist der Kontinent mit der größten Zahl an Katholiken. Mehr als 537 Millionen und damit über 40 Prozent aller getauften Katholiken leben nach Angaben des Vatikans in dieser Weltregion.

Allerdings schwindet der katholische Bevölkerungsanteil zum Teil deutlich. Dazu legte das Forschungsinstitut "Pew Research Center" Anfang des Jahres 2026 Zahlen vor. So sei im bevölkerungsreichen Brasilien der Anteil der katholischen Gläubigen von 61 auf 46 Prozent zurückgegangen. In Argentinien sank der Anteil - Franziskus hin oder her - von 71 auf 58 Prozent, in Peru von 76 auf 67 Prozent.

Als Ursache gilt maßgeblich das Erstarken und die engagierte Präsenz evangelischer Freikirchen, vor allem der Pfingstkirchen. "In manchen Gegenden haben sie längst die katholische Kirche abgehängt. Sie haben Finanzmittel aus den USA, und sie haben Personal", sagt der Augsburger Theologe Jörg Ernesti der DW. Sie haben mehr Personal als die katholische Kirche.

Nicht zuletzt das Problem des Priestermangels sorgte für die Einberufung der Amazonas-Synode im Oktober 2019 im Vatikan. Damals berichteten Teilnehmende aus den Weiten des Amazonasbeckens von Gemeinden, in denen einmal im Jahr ein Priester vorbeikomme - während bei nahen Pfingstkirchen Sonntag für Sonntag gefeiert werde. Da hofften manche, dass künftig vielleicht auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden könnten. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

Der Papst-Experte Ernesti verweist auf die große Bedeutung Lateinamerikas für die Päpste seit Mitte der 1960er Jahre, vor allem seit der 1967 veröffentlichten Enzyklika "Populorum progressio" (Fortschritt der Völker). Darin forderte Paul VI. (1963-1978) die Teilhabe der Menschen und der Länder des Südens an Entwicklungschancen.

Im Jahr darauf reiste er als erster Papst nach Lateinamerika, ins kolumbianische Bogota. Ernesti: "Die Wahrnehmung der südamerikanischen Realität hat für meine Begriffe bei den Päpsten einen echten Perspektivenwechsel hervorgerufen. Das bedeutete dann auch: weg vom Eurozentrismus früherer Zeiten."

Die drei Reiseziele von Papst Leo, Uruguay, Argentinien und Peru, standen zwischen 1982 und 1988 jeweils zwei Mal auf den Reiserouten von Papst Johannes Paul II. (1978-2005). Benedikt XVI. (2005-2013) kam nie in diese Region. Papst Franziskus (2013-2025) besuchte Anfang 2018 im Vorfeld der Amazonas-Synode Peru. Sein eigenes Herkunftsland besuchte der Argentinier Jorge Mario Bergoglio, wie Franziskus mit bürgerlichem Namen hieß, dagegen nie.

Am meisten und - so Ernest - "nachhaltig" verändert habe Johannes Paul II. die Kirche des Kontinents. Der polnische Papst habe dafür "massenweise" Mitglieder des sehr konservativen Opus Dei sowie Absolventen römischer Universitäten zu Bischöfen in der Region ernannt.

Papst Leo absolviert insgesamt 14 Flüge während der zwölftägigen Reise: von der Atlantikküste über die Pazifikküste bis ins rund 3400 Meter hoch gelegene Cusco in den peruanischen Anden.

Beim Start in Rom liegt seine Operation an der Lunge, die nach einem Krebsbefund kurzfristig anberaumt worden war, gerade einmal 25 Tage zurück, dreieinhalb Wochen.

Es gebe "keine medizinischen Gründe", warum der Papst die lange Reise nicht antreten sollte, sagte der leitende Operateur wenige Tage, nachdem Leo die römische Gemelli-Klinik wieder verlassen hatte.

Doch eins ist sicher: Die jeweiligen Gastgeber, die Gläubigen in den verschiedenen Regionen, die er besucht, und die Delegation des Papstes werden sehr aufmerksam und vielleicht auch nervös auf das Befinden des 71-Jährigen schauen.

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