Stand: 30.10.2026 • 10:50 Uhr
Nach einem starken Halbjahr hat sich auch im Sommer die Erholung der deutschen Wirtschaft fortgesetzt. Dabei hatten viele Experten mit einer Stagnation gerechnet. Die privaten Ausgaben sind jedoch weiterhin verhalten.
Im Sommer hat in der deutschen Wirtschaft ein überraschendes Wachstum stattgefunden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Juli bis September um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt heute in einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten im Vorfeld überwiegend mit einer Stagnation gerechnet, allenfalls einem Mini-Plus von 0,1 Prozent.
Zwar brachte das Niedrigwasser im Sommer die Erholung der Wirtschaft etwas ins Stocken. In den ersten beiden Quartalen hatte sie zum Vorquartal noch um 0,4 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent zugelegt. Doch der befürchtete Rückgang der Wirtschaftsleistung im Sommer blieb aus, obwohl niedrige Pegelstände am Rhein die Binnenschifffahrt gebremst und Branchen wie Chemie und Stahl belastet haben.
Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte, entwickelten sich die Konsumausgaben gegenüber dem Vorquartal leicht positiv. Dagegen gingen die Investitionen laut den vorläufigen Erkenntnissen zurück. Die in der ersten Jahreshälfte noch sehr dynamische Entwicklung der Exporte schwächte sich im 3. Quartal merklich ab.
Insgesamt stehen in Deutschland die Zeichen zwar auf eine konjunkturelle Erholung, angeschoben vor allem durch mehr staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Experten und Bundesregierung erwarten 2026 mehr als ein Prozent Wachstum. Da die privaten Investitionen aber weiterhin verhalten sind, sprechen die meisten Ökonomen noch nicht von einem nachhaltigen und sich selbst tragenden Aufschwung.
"Dass die Wirtschaft das nächste Plus liefert, liegt vor allem am schuldenfinanzierten Fiskalpaket. Ohne diesen künstlich initiierten Impuls hätte die Wirtschaftsleistung wohl stagniert", sagte Alexander Krüger, Chefsvolkswirtschaft bei Bethmann HAL.
Zum Jahresende dürfte die Konjunktur nach Einschätzung des Berliner DIW-Instituts spürbar zulegen. "Die deutsche Wirtschaft startet offenbar einen Jahresendspurt, vor allem weil die Industrie nach Jahren der Schwäche endlich wieder Tritt fasst", sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik jüngst. "Von einem breiten Aufschwung sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt."
Getragen werde der Anstieg vor allem von der Industrie. Die privaten Haushalte hielten sich angesichts hoher Preise und eines schwachen Arbeitsmarkts dagegen weiter zurück. "Der Aufschwung steht damit bislang aber nur auf einem Bein - dem Staat", erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit Blick auf die Mehrausgaben der öffentlichen Hand.
Zuletzt war auch das wichtigste Barometer für die deutsche Konjunktur, der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts, zum sechsten Mal in Folge gestiegen. Die Wirtschaft arbeite sich kontinuierlich aus dem Tal heraus, sagte ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.
Die anhaltend hohe Inflation infolge gestiegener Energiepreise bremse aber weiter die Ausgabenfreude der Verbraucher. "Deutschland kämpft sich zurück, ist aber noch nicht wieder vorne dabei", betonte Wohlrabe.
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