Stand: 03.11.2026 • 23:54 Uhr

Superwichtiger Sieg für den FC Bayern: Im gefürchteten Metropolitano, wo am 5. Juni 2027 das Finale der Champions League ausgetragen wird, wurde Atletico Madrid mit einem starken Auftritt mit 2:0 (0:0) geschlagen.

Lennart Karl (54.) brach mit dem 1:0 den Bann für den überlegen agierenden deutschen Meister. Gegen überraschend harmlose Madrilenen entschied Konrad Laimer in der 74. Minute mit seinem Treffer zum 2:0 die Partie. Damit haben die Bayern nach vier Spielen acht Zähler auf dem Konto und wieder beste Chancen auf einen Rang unter den besten acht Teams der Ligaphase, der den direkten Einzug ins Achtelfinale bedeuten würde.

Atletico hingegen bleibt bei vier Zählern stehen und steht in der europäischen Königsklasse nun richtig unter Druck. "Wir wussten, was wir können. Wir sind sehr überzeugt von unserem Kader, das haben wir über 90 Minuten gezeigt. Wir hätten noch mehr Tore schießen können. Dieser Sieg gibt uns Auftrieb für die nächsten Wochen", sagte ein glücklicher Laimer.

Atleticos Angreifer Alexander Sörloth räumte ein: "Bayern ist eine der besten Mannschaften der Welt. In der ersten Halbzeit haben wir gut verteidigt, wir hatten einige Chancen, uns fehlte aber der letzte Pass. In der zweiten Halbzeit ließen die Kräfte nach. Wir hatten keine Kraft mehr und Bayern hat getroffen."

Bayerns Sportvorstand Max Eberl war begeistert: "Das war ein Weltklasse-Auftritt einer Mannschaft, die von der ersten bis zur letzten Sekunde heute alles richtig gemacht hat."

Bayerns Interimstrainer Aaron Danks musste in Madrid mit einigen Ausfällen klarkommen, durfte sich aber über die Rückkehr von Manuel Neuer freuen. Zudem konnte Michael Olise starten, der Franzose hatte am vergangenen Wochenende gegen den BVB noch verletzt ausgewechselt werden müssen.

Die Bayern brauchen Olise - gerade in Spielen gegen derart defensivstarke Gegner wie Atletico. Die "Colchoneros" sind bekannt für ihre ausgezeichnete Abwehrarbeit - beste Disziplin und Raumaufteilung, dazu knallharte Zweikämpfe. Beinahe erwartungsgemäß lief das Spiel der Münchener zunächst gut und flüssig - aber nur bis etwa 25 Meter vor dem Tor - da war alles dicht.

Also ging es zunächst über rechts - über Olise. Der Franzose traf dort auf Alejandro Grimaldo, den ehemaligen Leverkusener - beide lieferten sich von Beginn an tolle Zweikämpfe. Zunächst mit Vorteilen für den Spanier, der Bayerns-Stardribbler immer wieder auf dessen schwächeren rechten Fuß zwang - auch Olises Aktionen brachten zunächst nichts.

Michael Olise (l.) und Alejandro Grimaldo.

Umso mehr mussten die Bayern auf Atleticos Spezialität aufpassen - die schnellen Konter. Die auch kamen. Und den Gastgebern durch Julian Alvarez (4.) und Pablo Barrios (13.) auch die ersten beiden Chancen brachten - jeweils blockte die Bayern-Verteidigung die Abschlüsse zur Ecke.

Bayern-Manager Max Eberl hatte von den Spielern "Rocky-Qualitäten" gefordert. Sich wehren, nicht unterkriegen lassen - vor allem Harry Kane nahm sich das zu Herzen. Der Engländer ließ sich gleich von Beginn an ins Mittelfeld fallen, unterstützte dort Joshua Kimmich und Tom Bischof. Und auch die erste echte Bayern-Chance wurde vom Engländer eingeleitet: Nach 24 Minuten legte Kane die Kugel an der Strafraumgrenze ab für Lennart Karl, dessen Direktschuss aber über die Querlatte segelte.

Drei Minuten später war es der Ballon d'or-Gewinner höchstselbst: Nach Konrad Laimers Vorarbeit nahm Kane die Kugel acht Meter vor dem Tor volley, der Winkel zum Tor war ungünstig, der Ball strich vorbei. Es war zu erkennen: Die Bayern wollten unbedingt den Dreier, drängten die Gastgeber in die Defensive, allein: Ganz vorn fehlten die Mittel. Olise war gut zugestellt, der in der Zentrale aufgebotene Karl blieb - zumindest im ersten Abschnitt - beinahe wirkungslos. Ebenso wie der mangels offensiver Alternativen auf die linke vordere Seite geschobene Alphonso Davies.

Die mitgereisten 3.000 Bayern-Fans dürften sehnsüchtig an die derzeit verletzten Offensikräfte Musiala, Saibari, Gnabry und Diaz gedacht haben. Im ansonsten so stimmungsvollen Estadio Metropolitano blieb es bedenklich ruhig. Auch Atleticos Fans hatten ja angesichts des faden Auftritts ihrer Elf kaum Grund zur Freude.

Ademola Lookman (l.) und Konrad Laimer.

Ohne personelle Wechsel ging es in den zweiten Abschnitt - so richtig viele Alternativen hatte Trainer-Ersatz Danks ja auch nicht. Dafür zeigte sich nach gerade einmal 34 gespielten Sekunden Kimmich mal vorn. Seinen Direktschuss aus 20 Metern konnte Atletico-Keeper Jan Oblak mit zwei Fäusten aus dem rechten Winkel boxen.

Dass die Bayern trotz aller Probleme dennoch in Führung gehen konnten, war einem Geistesblitz von Karl zu verdanken. Oder der Schludrigkeit von Robin Le Normand. Der Atletico-Verteidiger wagte ein Dribbling im eigenen Fünfer und unterschätzte den kleinen Karl. Der spritzte heran, stibitzte dem Madrilenen die Kugel und lupfte sie über Oblak hinweg zum 0:1 ins Netz (54.).

Der wichtige Treffer wird dem 18-Jährigen sehr gut getan haben, Karl war in den vergangenen Wochen angesichts seiner verhaltenen Spielweise ja von dem ein oder anderen Experten angezählt worden. Jetzt hatte er den FC Bayern auf Kurs gebracht. Und Atletico stand so richtig unter Druck. Das Simeone-Team musste seine destruktive Spielweise über Bord werfen - etwas anderes blieb nicht.

Simeone brachte drei frische Leute - Atletico drückte auf die Tube. Und nun standen die Bayern hinten drin. Marcos Llorente testete Neuer nach 67 Minuten mit einem Schuss aufs kurze Eck, immer wieder flipperte die Kugel in diesen Minuten durch den Strafraum des deutschen Meisters.

Entlastung musste her. Und ausgerechnet Dayot Upamecano, dessen Kerngeschäft ja eigentlich die Abwehrarbeit ist, brachte sie. Nach 69 Minuten tauchte der Defensivmann plötzlich vorn auf und sein Kopfball landete an der Querlatte. Es war wie eine Initialzündung: Zwei Minuten später tatsächlich das 2:0: Laimer nahm sich nach Kanes Vorarbeit ein Herz und drosch die Kugel aus kurzer Distanz in den Atletico-Kasten.

Es war die Entscheidung - in einer lange zähen Partie, welche die Bayern am Ende völlig verdient für sich entschieden. Um ein Haar hätte Upamecano doch noch seinen Treffer bekommen, der Ball lag nach 81 Minuten zum dritten Mal im Atletico-Tor. Schütze Upamecano hatte sich nach Kimmichs Eckball allerdings zuvor unsauber eingesetzt.

Für den FC Bayern geht es am Samstag (07.11.2026) mit einem Bundesliga-Auswärtsspiel in Mainz weiter. Für Atletico steht am kommenden Sonntag der nächste ganz große Gegner auf der Matte: Tabellenführer FC Barcelona stellt sich im Metropolitano vor.

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