Stand: 16.05.2026 • 10:16 Uhr
Schalke ist zurück in der Bundesliga. Frank Baumann erklärt, wie er den Aufstieg mit Bescheidenheit, Plan und Mut geprägt hat.
Von Lukas Thiele
Nach zwei Jahren in der 2. Bundesliga spielt der FC Schalke 04 in der kommenden Saison wieder im Oberhaus des deutschen Fußballs. Wichtigen Anteil daran hatte Frank Baumann, der vor der Saison als Sportvorstand nach Gelsenkirchen kam.
Die Lorbeeren sollen jedoch andere einheimsen: "Ich würde meine Rolle da nicht überbewerten", sagte der 50-Jährige im WDR-Podcast "Einfach Fußball". Er sei "nur einer von vielen. Definitiv". Und außerdem: "Am Ende des Tages müssen es immer die Spieler richten."
Es waren aber Baumanns Ideen, die den Grundstein für den Schalker Erfolg gelegt haben. Der ehemalige Spieler des 1. FC Nürnberg und von Werder Bremen hat strukturell, personell und kulturell einiges verändert. An die große Glocke möchte er das aber nicht hängen: "Bescheidenheit, Demut ist grundsätzlich, glaube ich, eine wichtige Eigenschaft und gerade in unserer Branche vielleicht etwas, was hier und da mal zu kurz kommt. Aber es ist einfach mein Naturell", sagt er.
Um Baumanns Denkweise als Manager zu verstehen, reicht ein Blick auf seine Spielerkarriere. Schon damals sei er nicht der Spieler gewesen, der im Bremer Mittelfeld "Mesut Özil, Johan Micoud oder Diego den Ball vom Fuß genommen hätte und gesagt hätte: Lass mich mal ran", sagte er. "Für Balance sorgen", sei eher seine Aufgabe gewesen.
Seine Profi-Laufbahn startete der gebürtige Würzburger beim 1. FC Nürnberg und blieb dort acht Jahre - trotz besserer Angebote aus der Bundesliga. "Für mich war es für meine sportliche, aber auch persönliche Entwicklung der richtige Schritt, auf Geld zu verzichten und dort einen vernünftigen Weg einzuschlagen", sagte Baumann rückblickend.
Seine Zeit in Nürnberg endete jedoch dramatisch: Am letzten Spieltag der Saison 1998/99 lag der Club gegen den SC Freiburg mit 1:2 hinten.Nach einem Freistoß fiel Baumann in der 89. Minute der Ball vor den Fuß, doch anstatt ihn ins Tor zu schießen, schoss er dem bereits am Boden liegenden Torwart Richard Golz den Ball in die Arme. Ein Punktgewinn hätte zum Klassenerhalt gereicht, doch Nürnberg verlor und stieg ab. "Für mich natürlich ein absoluter Horror", sagte Baumann.
Frank Baumann begann seine Profi-Laufbahn beim 1. FC Nürnberg.
Es folgte der Wechsel nach Bremen, wo er 2004 das Double holte. Das Besondere dabei: In zehn Jahren in Bremen spielte Baumann mit Thomas Schaaf nur unter einem Trainer und mit Klaus Allofs auch nur unter einem Manager. Ebenfalls eine Erfahrung, die ihn für seinen jetztigen Job geprägt hat: "Die fehlende Kontinuität ist ja auch ein Thema, das Schalke in den letzten Jahren begleitet hat. Und ich glaube, dass eine gewisse Kontinuität auf dem Trainerposten oder dem Managerposten der sinnvollere, bessere Weg ist."
Nach seinem Karriereende 2009 begann Baumann kurze Zeit später in Bremen seine Funktionärslaufbahn. Von 2016 bis 2024 war er dort Geschäftsführer Sport. Nach einem Jahr Pause folgte im vergangene Sommer der Wechsel zum FC Schalke, den er in kürzester Zeit vom Fast-Absteiger zum Aufsteiger formte.
Der Aufstieg sei für ihn aber weder ein Märchen, noch eine glückliche Fügung. Die entscheidende Zäsur kam in der Winterpause. "Wir haben fast alles verändert", sagte er. System, Spielweise, dazu fünf Neuzugänge - unter anderem Edin Dzeko. "Wir waren davon überzeugt, dass es genau der richtige Schritt ist", so Baumann.
Zentrales Element war für Baumann die Identifikation. Und das fing schon lange vor dem ersten Spieltag an. Einen kompletten Nachmittag hat man zu Saisonbeginn genutzt, um der Mannschaft den Verein näherzubringen: Geschichte, Stadt, Probleme Gelsenkirchens. "Wir haben die Probleme dieser Stadt mit Filmen gezeigt, haben den höchsten Aussichtspunkt Gelsenkirchens gesucht, um dort über das Ruhrgebiet zu schauen."
Baumann zieht hier eine Parallele zu seiner Zeit in Bremen. Auch Werder stand für eine Stadt mit sozialen Problemen, hoher Arbeitslosigkeit, Bildungsarmut. "Ich glaube schon, dass es da eine wichtige Rolle spielt, dass der Fußball und gerade die Traditionsvereine zu dieser Verbundenheit beitragen – dieses Thema, wir können wieder stolz sein auf den Verein."
Bei Schalke sei das nach den vergangenen Jahren besonders spürbar gewesen. "Sie lieben diesen Verein abgöttisch, das ist ja fast schon eine Religion." Die Schalker Anhänger hätten ein sehr feines Gespür dafür, ob jemand wirklich zu ihnen passt – oder Schalke nur als Sprungbrett benutzt. Deswegen sei es ihm wichtig gewesen, nur Spieler zu verpflichten, die "richtig Bock auf Schalke" haben.
Einen Namen nennt Baumann in diesem Zusammenhang häufig: Miron Muslic. Die Suche nach dem Trainer war kein Bauchgefühl, sondern ein Prozess. Das Team um Schalkes Vorstandsvorsitzenden Matthias Tillmann habe genau definiert, wie der "Schalke-Fußball" aussehen soll - und dann den passenden Trainer dafür gesucht. Ganz oben auf der Liste stand Muslic.
"Wenn Miron den Raum betritt, hat er diese Überzeugung, der geht vorweg, der hat eine Führungsqualität und eine Überzeugungsstärke", erinnerte sich Baumann an das erste Treffen. In einem Verein, der zuletzt wenig stabil gewesen war, sei genau das gefragt gewesen.
Frank Baumann (l.) und Schalke-Trainer Miron Muslic beim Training.
Und Baumann gab Muslic das volle Vertrauen. Auch als Muslic ihn im Winter abends anrief und sagte, er stelle morgen auf Viererkette um. "Ich habe dann auch gesagt: Ja, ich bin davon überzeugt, du machst das schon. Weil ich einfach Vertrauen natürlich auch aussprechen möchte", sagte Baumann.
Für die Zukunft hat Baumann einen klaren Wunsch: "Wir haben von einem Fundament gesprochen, was wir ein Stück weit schon geschaffen haben. Das weiter bebauen, damit das Schalke-Haus in Zukunft wieder in voller Pracht erstrahlt."
Unsere Quellen:
Sendung: "Frank Baumann - Die Schalke-DNA ist wieder da", WDR.de, 14.05.2026, 0:01 Uhr
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