Marktbericht

Stand: 13.10.2026 • 11:33 Uhr

Trotz der schwierigen geostrategischen Lage behauptet sich DAX zum Handelsstart auf hohem Niveau - und legt sogar zu. Die Anleger erwarten nun den Beginn der US-Berichtssaison der Unternehmen.

Entgegen der vorbörslichen Indikationen legt der DAX zum Handelsstart moderat zu und notiert sogar über der Marke von 25.400 Punkten. Die Gewinne gehen bei den Einzelwerten quer durch alle Branchen. Lediglich die als deutsche KI-Profiteure geltenden Indexmitglieder Infineon und Siemens Energy geben stärker nach.

Bereits am Vorabend an der Wall Street und heute auch im asiatischen Handel waren Halbleiteraktien verkauft worden. Anleger fürchten neue Konkurrenz aus China und betrachten die hohen Bewertungen im Sektor ohnehin schon länger mit Misstrauen.

Zu Wochenbeginn hatte der deutsche Leitindex schon knapp 0,8 Prozent zugelegt auf 25.277 Punkte - und dabei auch einem Anstieg der Ölpreise getrotzt. Der MDAX der mittelgroßen Unternehmen steigt rund ein Viertel Prozent und überwindet damit wieder die Marke von 30.000 Punkten.

Risiken bleiben - Ölpreise und Inflation im Fokus

Aber die Risiken bleiben, denn ein Ende der hohen Energiepreise scheint weiter nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der Angriff der jemenitischen Huthi-Rebellen auf die saudi-arabische Hauptstadt Riad deutet eher auf eine weitere Eskalation im Nahen Osten hin. Nordsee-Rohöl Brent und US-Leichtöl WTI verteuerten sich nach den erneuten Attacken zunächst zwischen 1,3 und 1,5 Prozent auf rund 106 und 93 Dollar je Fass. Aktuell stehen die Notierungen leicht darunter.

Auch die deutsche Inflation bleibt wegen der hohen Energiepreise auf hohem Niveau. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um 3,3 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 2,9 Prozent im August, wie das Statistische Bundesamt bekanntgab und damit eine frühere Schätzung bestätigte. Es ist der höchste Stand seit 2023.

"Verantwortlich für den Anstieg der Inflationsrate war erneut die Entwicklung der Energiepreise", sagte die Präsidentin des Statistikamtes, Ruth Brand. "Besonders zeigte sich die Teuerung bei Mineralölprodukten an den Tankstellen und beim Heizöl."

Eng mit der Entwicklung der Inflation bleiben auch die Zinserwartungen an den Märkte verbunden. Eine Rate von 3,3 Prozent liegt weit über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent. Mit weiteren Zinserhöhungen dürfte daher zu rechnen sein, zumal sich die EZB stets streng datenbezogen orientiert.

Berichtssaison startet

Neben der geostrategisch schwierigen Weltlage blicken die Anleger zudem auf den Beginn der US-Berichtssaison, die vor dem Handelsstart an der Wall Street mit den Quartalszahlen der großen Banken startet. Vier der sechs großen US Häuser, JPMorgan Chase, Citigroup, Wells Fargo und die führende Investmentbank Goldman Sachs, öffnen ihre Bücher.

Zudem berichten auch die im Leitindex Dow Jones enthaltenen Großkonzerne Johnson & Johnson, ein Gesundheitsriese, sowie der größte Krankenversicherer des Landes, UnitedHealth.

"Die großen Themen, die es in der Berichtssaison zu beobachten gilt, sind, wie Unternehmen KI einsetzen und davon profitieren", sagte Clark Bellin von Bellwether Wealth. Zudem sei wichtig, ob sie ihre Preissetzungsmacht beibehalten oder erhöhen und wie sie mit den gestiegenen Kreditkosten umgehen könnten.

IWF hebt Wirtschaftsprognose an

Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt derweil seine Wirtschaftsprognose für Deutschland und die Weltwirtschaft hoch. Der IWF rechnet nun damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,3 Prozent wächst, wie aus dem heute beim IWF-Jahrestreffen in Bangkok veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick hervorging.

Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juli prognostiziert und stimmt mit der Prognose der Bundesregierung überein. Auch seine Erwartung für das globale Wirtschaftsleistung hob der IWF leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent an.

Der IWF rechnet nun damit, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum etwas weniger verlangsamt als zuvor erwartet, da die Industrieländer sich trotz der seit dem Iran-Krieg gestiegenen Energiepreise widerstandsfähig gezeigt hätten. "Die Weltwirtschaft hat sich als widerstandsfähig erwiesen, doch diese Widerstandsfähigkeit steht unter Druck, und die Risiken für das Wachstum sind eher nach unten gerichtet", so die IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro.

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