Stand: 14.05.2026 • 15:44 Uhr

Für sein Lebenswerk hat der Italiener Draghi in Aachen den Karlspreis verliehen bekommen. Bundeskanzler Merz hob in seiner Festrede vor allem die Verdienste des früheren EZB-Chefs während der Euro-Finanzkrise hervor.

Der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, ist im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet worden. Das Karlspreis-Direktorium ehrte den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten mit dem Preis für sein Lebenswerk und seine Verdienste um Europa. Es hob dabei insbesondere sein Vorgehen während der Schuldenkrise 2012 hervor.

Der heute 78-Jährige hatte damals als EZB-Chef gesagt, man werde alles Notwendige tun ("whatever it takes"), um den Euro zu retten. Die drei Worte beruhigten die zuvor nervösen Finanzmärkte. Hintergrund waren die europäischen Bemühungen, das hoch verschuldete Griechenland zu retten und in der Euro-Zone zu halten.

Die Europäische Union steckt nach Ansicht Draghis in einer Lähmung, die nur mit vertiefter Zusammenarbeit einzelner Mitglieder zu überwinden sei. "Vereinbarungen werden in Ausschüssen bearbeitet, die sie verwässern und verzögern, bis das Ergebnis kaum noch Ähnlichkeit mit dem hat, was beabsichtigt war", sagte er bei der Übergabezeremonie in Aachen. "Das Ergebnis sind Maßnahmen, die so weit hinter dem Ausmaß der Herausforderungen zurückbleiben, dass sie schlimmer sind als Untätigkeit."

Draghi betonte in seiner Dankesrede, dass schwache Ergebnisse die Legitimität untergraben würden, und schwache Legitimität erschwere die Umsetzung noch weiter. "Wir müssen diesen Kreislauf durchbrechen", betonte er. "Die Länder, die die Last dieses Augenblicks am stärksten spüren und verstehen, dass das Zeitfenster für Maßnahmen nicht unbegrenzt offen bleiben wird, müssen die Freiheit haben, voranzugehen." Länder mit dem Willen, zu handeln, sollten die Zusammenarbeit in konkreten Bereichen vertiefen.

Bundeskanzler Friedrich Merz lobte in seiner Festrede Draghis entschlossenes Handeln während der Euro-Krise. "Sie haben sich in bedrohlicher Zeit um den Euro gekümmert, und Sie haben den Euro und die Währungszone stabilisiert", sagte Merz an Draghi gewandt. "Sie haben etwas riskiert. Es hätte scheitern können. Aber es ist gelungen." Auch langfristig habe sich dieses Vorgehen ausgezahlt. Der Euro sei heute als Währung "unangefochten".

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sagte als zweiter Festredner, in der Euro-Krise hätten viele behauptet, Griechenland sei nicht reformfähig. Andere, unter ihnen Draghi, hätten das anders gesehen. Heute stehe fest, dass dieses Vertrauen in Griechenland gerechtfertigt gewesen sei, sagte er.

Mit dem Karlspreis werden seit 1950 Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet, die sich um Europa verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern zählen etwa der verstorbene Papst Franziskus, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton.

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