Stand: 15.06.2026 • 11:31 Uhr
In Großbritannien soll der Zugang zu sozialen Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren bald tabu sein. Mehrere EU-Staaten erwägen ebenfalls ein Social-Media-Verbot, auch in Deutschland werden Einschränkungen geprüft.
Nach Australien zieht nun auch Großbritannien nach und will die Nutzung von sozialen Medien im Internet für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verbieten. Die Einschränkungen sollen Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten, wie Premierminister Keir Starmer ankündigte.
"Soziale Medien machen Kinder unglücklich", sagte Starmer und sprach von "einem großen Tag" für Großbritannien. Zwar sei die Entscheidung nicht leicht gefallen, da soziale Medien Jugendlichen auch Vorteile gebracht hätten. Ein vollständiges Verbot sei angesichts der Risiken und negativer Konsequenzen dennoch die richtige Entscheidung. Er verspreche sich ein besseres Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Kinder könnten sicherer aufwachsen, hätten mehr Zeit und mehr Freiheiten.
Welche Plattformen von dem Tabu konkret betroffen sein sollen, steht noch nicht fest. Einem Bericht der Sunday Times zufolge soll das Verbot für TikTok, Instagram, Facebook, den Kurznachrichtendienst X, YouTube, Snapchat, Threads, Twitch, Kick und Reddit gelten. Außerdem sollen demnach die Nutzung von Chatbots und Funktionen einiger Gaming-Apps eingeschränkt und eine Art Sperrstunde eingeführt werden, um Jugendliche an nächtlichem Dauerscrollen zu hindern. Messaging-Dienste wie WhatsApp und Signal sollen vom Verbot ausgenommen sein.
Der Entscheidung für das Verbot war eine Befragung im Auftrag der britischen Regierung von Eltern, Kindern und Vertretern der Technologiebranche vorausgegangen. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, seien etwa 116.000 Rückmeldungen eingegangen. Dabei sprach sich nach Angaben der britischen Kulturministerin Lisa Nandy die große Mehrheit der Befragten für die Einführung des Verbots aus.
Als erstes Land weltweit hatte Australien im vergangenen Jahr ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Vor wenigen Tagen kündigte Kanada einen ähnlichen Schritt an. Auch mehrere EU-Länder haben eine Altersgrenze bei der Nutzung sozialer Plattformen im Netz ins Auge gefasst, darunter Frankreich, Spanien, Griechenland, Norwegen und Österreich.
In Deutschland befasst sich derzeit eine Expertenkommission mit der Frage, wie mögliche Einschränkungen aussehen könnten. Die Ergebnisse sollen laut Bundesbildungsministerin Karin Prien Ende dieses Monats vorliegen.
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