Stand: 17.10.2026 • 20:09 Uhr

Während der Olivenernte im Westjordanland häuft sich die Gewalt israelischer Siedler gegen palästinensische Helfer. In mehreren Orten sind dabei Menschen verletzt worden, unter ihnen auch eine US-Journalistin.

Bei Angriffen von radikalen israelischen Siedlern im besetzten Westjordanland hat es Berichten zufolge eine Reihe von Verletzten gegeben. Die Gewalt habe sich vor allem gegen palästinensische Helfer bei der Olivenernte gerichtet.

Bei den Angriffen wurde gestern aber auch eine Journalistin der Washington Post verletzt. Mehrere Maskierte hätten gestern das Dorf Abu Falah angegriffen und sie geschlagen, berichtete Heidi Levine. Die Angreifer seien mit Flaschen und Schleudern bewaffnet gewesen. "Sie haben mich etwa zehn Minuten lang getreten", so die Fotojournalistin der US-Zeitung. "Ich habe versucht, meine Kameras und meine Tasche festzuhalten."

Levine zufolge war sie durch die Aufschrift auf ihrer Weste als Journalistin zu erkennen. Sie habe im Krankenhaus behandelt werden müssen. Ihr Helm und ihre Schutzweste hätten sie wohl vor schlimmeren Verletzungen bewahrt. Das israelische Militär bestätigte, dass eine Journalistin verletzt wurde, und verurteilte die Gewalt.

Die Washington Post und der Verband der Auslandspresse forderten Israel auf, die Angreifer vor Gericht zu bringen. "Dies ist der jüngste in einer langen Reihe gewaltsamer Angriffe israelischer Siedler auf Journalisten und andere Zivilisten im besetzten Westjordanland", erklärte der Verband.

Örtliche Behörden, Medien und der Palästinensische Rote Halbmond meldeten weitere Angriffe und Verletzte in mindestens acht Dörfern im Norden des Westjordanlands. Die israelische Zeitung Haaretz schrieb unter Berufung auf Augenzeugen über einen Vorfall, dass rund 30 maskierte Siedler Erntehelfer angegriffen und ihnen befohlen hätten zu gehen. Israelische Sicherheitskräfte seien dazu gekommen, hätten aber keinen der Angreifer festgenommen.

Laut palästinensischer Nachrichtenagentur Wafa sind bei den Übergriffen in der Region auch Fahrzeuge und Olivenbäume in Brand gesetzt worden. Die Gewalt betrifft vor allem die Gebiete, wo die meisten Olivenhaine des Palästinensergebietes liegen. Zehntausende palästinensische Familien leben von deren Erträgen.

Nach Angaben des israelischen Armeeradios griff eine Gruppe israelischer Siedler heute zudem Fahrzeuge europäischer Diplomaten an. Wie der Militärkorrespondent Doron Kadosh auf X mitteilte, umstellten Augenzeugen zufolge sieben maskierte Männer mit ihren Geländewagen ein Diplomatenfahrzeug, verlangten Ausweise und zertrümmerten eine Fensterscheibe. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein Diplomat am Boden liegt.

Das israelische Militär bestätigte in einer Erklärung den Angriff auf die Diplomaten und bezeichnete ihn als "schwerwiegenden Gewaltakt", erklärte jedoch, der Besuch sei nicht mit der Armee abgestimmt worden und es seien keine Soldaten vor Ort gewesen. Die israelische Polizei teilte mit, sie habe Ermittlungen aufgenommen und versprach, so lange zu arbeiten, "bis alle, die an diesen Vorfällen beteiligt waren, vor Gericht gestellt werden".

Außenminister Gideon Saar verurteilte auf X die "schwerwiegenden Gewalttaten israelischer Randalierer" und fügte hinzu, sein Ministerium stehe in Kontakt mit den Botschaftern der betroffenen Länder. Das Büro von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu gab jedoch später eine Erklärung heraus, in der vor "voreiligen Schlussfolgerungen" im Zusammenhang mit dem Vorfall gewarnt und Bedenken hinsichtlich "einer koordinierten Kampagne zur Diffamierung Israels" geäußert wurden.

Auch die Umstände der Auseinandersetzung, bei der die US-Journalistin Levine angeblich angegriffen worden sei, seien unklar und würden untersucht, so Netanjahus Büro. Berichten zufolge hätten etwa 200 Araber und linksextreme Aktivisten etwa 40 israelischen Jugendlichen gegenübergestanden. Die Regierung werde "nicht zulassen, dass umstrittene Vorfälle ausgenutzt werden, um die Hunderttausenden gesetzestreuen jüdischen Bewohner" der Gebiete zu dämonisieren.

Der wichtigste Rivale Netanjahus bei der in elf Tagen anstehenden Parlamentswahl, Gadi Eisenkot, verurteilte die Siedlergewalt und forderte harte Maßnahmen der Polizei gegen sie. Aber auch er sagte einschränkend: "Diese Handvoll Randalierer repräsentieren nicht die israelische Öffentlichkeit."

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg nochmals zugespitzt. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen oder eigenen Anschlägen getötet. Zugleich hat die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser stark zugenommen. Dem israelischen Militär wird dabei immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug dagegen vorzugehen.

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