marktbericht
Stand: 15.05.2026 • 18:17 Uhr
Vom Treffen zwischen US-Präsident Trump und Chinas Staatspräsident Xi hatten sich Investoren mehr erhofft. Folglich steigen die Ölpreise, sinken viele Börsenkurse - und die Stimmung sinkt gleich mit.
Enttäuschte Investoren nehmen vor dem Wochenende Gewinne mit. In vielen Märkten und Branchen ging es am letzten Handelstag der Woche es abwärts. Der DAX verlor bis zum Handelsende 2,1 Prozent auf 23.951 Punkte. Das bedeutet, dass Deutschlands größter Börsenindex an einem einzigen Tag gut 500 Punkte eingebüßt hat.
Der deutsche Aktienmarkt steht damit nicht alleine: Europaweit bröckelten die Kurse. Überall nahmen Investoren sicherheitshalber Gewinne mit, vor allem bei Techwerten und Edelmetallen.
Politik macht keine Fortschritte
Die Gründe ruhen auch und gerade in der Politik: Der ersehnte Durchbruch bei den Iran-Verhandlungen war zum Wochenschluss ausgeblieben. Auch das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping hatte diesbezüglich keine Fortschritte gebracht.
"Am Markt setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Trump-Xi-Gipfel letztlich vor allem symbolischen Charakter hatte und die geopolitischen Risiken lediglich kaschiert, ohne die eigentlichen Unsicherheiten zu beseitigen", resümierte Timo Emden von Emden Research. Die Investoren hatten gehofft, dass Trump stärker auf China setzen könnte, um in dem seit Ende Februar andauernden Nahost-Krieg zu vermitteln.
Infineon verlieren nach starker Tech-Rally
Zu den größten Verlierern zählten am deutschen Aktienmarkt folglich die Chip-Aktien, die in den vergangenen Tagen ordentlich zugelegt hatten. Die Enttäuschung über das maue Ergebnis von Trumps China-Reise machte sich hier besonders breit. Künftig soll es zwar Lockerungen im Handel mit KI-Halbleitern geben, doch gehen die der Börse nicht weit genug. Die Papiere von Infineon gaben im DAX 4,2 Prozent nach. Allerdings hatten die Titel innerhalb eines Monats auch rund 50 Prozent an Wert gewonnen, seit Jahresbeginn mehr als 70 Prozent. Aixtron im MDAX waren für sechs Prozent weniger zu haben.
Schwächer noch notierten Heidelberg Materials-Aktien als DAX-Schlusslicht. Kaum hatte sich die Aktie von ihren Verlusten aus dem Februar und März erholt, gab es hier einen erneuten Rücksetzer.
Techwerte straucheln an der Wall Street
Auch die Wall Street folgte dem generellen Abwärtstrend. Der Dow Jones verlor zuletzt ein Prozent auf 49.585 Zähler. An der Technologiebörse NASDAQ ging es um 1,3 Prozent auf 29.206 abwärts. Auch hier geraten vor allem Chip- und Technologiewerte in den roten Bereich. Die überdurchschnittlichen Gewinne des Vortages wurden damit mehr als aufgezehrt.
Skepsis auch am Ölmarkt
Die Skepsis der Anleger zeigte sich auch am Ölmarkt. Die Nordsee-Rohölsorte Brent verlor auf Wochensicht mehr als acht Prozent. "Die Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus ist verflogen", sagt Commerzbank-Expertin Barbara Lambrecht.
Sollte der US-Iran-Konflikt in einen lang anhaltenden Zermürbungskrieg übergehen, dürfte dies die Ölpreise weiter nach oben treiben, schreiben die Analysten der Warburg Bank. Dies würde nicht nur die Inflation anfachen, sondern könnte die US-Notenbank Fed dazu zwingen, den Zinssenkungszyklus abzubrechen oder gar die Zinsen erneut anzuheben.
Zinssorgen massiv zurückgekehrt
Investoren dies- und jenseits des Atlantiks stellen sich auf Zinserhöhungen der großen Notenbanken ein. An den Anleihenmärkten waren die Zinssorgen bereits überdeutlich abzulesen: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsbonds lag mit 4,5640 Prozent auf dem höchsten Stand seit rund einem Jahr. Die Rendite der deutschen Pendants stieg um fast sechs Basispunkte auf rund 3,11 Prozent.
Aus den Zinssorgen konnte das Edelmetall Gold keinen Nutzen ziehen. Im Gegenteil, denn der Anstieg der US-Währung belastet hier denn Handel: Ein starker US-Dollar macht es für Inhaber anderer Währungen teurer, Edelmetalle zu kaufen. Daraus resultieren Kursverluste von 2,5 Prozent bei Gold, 8,7 Prozent bei Silber.
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