Es muss ja nicht immer Harlan Coben sein, oder Josh Hartnett, der von einem Riesenkalmar gejagt wird. Bei Netflix versteckt sich die ein oder andere Prestige-Serie, auch wenn die Auswahl in den vergangenen Jahren spürbar dünner geworden ist. Eine der qualitativ hochwertigen Perlen des Streamers ist Diplomatische Beziehungen mit Keri Russell und Rufus Sewell.
Der Polit-Thriller über transatlantische Konflikte hat weder Action noch Seemonster zu bieten, aber genau das macht den Reiz aus. Eine gestresste Keri Russell schlägt Hundert Riesenkalmare in Sachen Spektakel. Das weiß der Streamer offenbar zu schätzen, denn Diplomatische Beziehungen geht nach Staffel 4 weiter, wie Netflix bekanntgegeben hat.
Der Polit-Thriller von Debora Cahn handelt von Kate Wyler (Keri Russell), die in der 1. Staffel als US-Botschafterin nach Großbritannien berufen wird. Da ihr Ehemann Hal (Rufus Sewell) ebenfalls ein Diplomat ist und ihre Ziele nicht immer übereinstimmen, führt das zu einigen privaten wie politischen Verwicklungen, erst recht wenn Hal im späteren Verlauf der Serie zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten ernannt wird.
Diplomatische Beziehungen startete 2023, einer Ära, als Netflix einen Mega-Hit nach dem anderen veröffentlichte. Man denke an den Erfolg der ersten Staffeln von Wednesday oder The Night Agent, die sich in der Allzeit-Top-10 des Streaming-Dienstes platzierten. Diplomatische Beziehungen hat schon damals kleinere Brötchen gebacken, aber zwei Argumente erklären, warum die Serie mit ihrer offiziell bestätigten 5. Staffel ein längeres Leben haben wird als etwa The Night Agent.
Der Polit-Thriller hat eine treue Fan-Gemeinde, wie sie bei Netflix seltener wird. Während Serien wie The Night Agent von Staffel zu Staffel bis zu 50 % ihres Publikums einbüßen, bleibt Diplomatische Beziehungen ziemlich konstant bei um die 20 Millionen Aufrufen im ersten Jahr der Veröffentlichung einer Season. Gleichzeitig hat die Serie eine ebenso konstante Rewatch- oder Nachhol-Rate alter Staffeln.
Der zweite Grund für die Verlängerung hat eine Goldlegierung. Diplomatische Beziehungen war bei den diesjährigen Emmys der einzige Netflix-Wettbewerber in der Kategorie Beste Dramaserie. Früher war Netflix in der Königskategorie des bedeutendsten Fernsehpreises regelmäßig mit The Crown oder Ozark vertreten, mittlerweile rettet nur noch Kate Wyler die Ehre des Streaming-Dienstes. Die Verlängerung um Staffel 5 ist auch eine Bewahrung des Prestige-Faktors in Hollywood, der Netflix in den vergangenen Jahren abhanden gekommen ist.
Die Nominierungen in Top-Kategorien über mehrere Staffeln hinweg (etwas was beispielsweise Bridgerton nach Season 1 nicht geschafft hat) sind auch Ausdruck der verlässlichen Qualität von Diplomatische Beziehungen.
Die Serie muss sich nicht von Staffel zu Staffel neu erfinden, um bei Kritik und Publikum gut anzukommen. Bei Moviepilot hat Diplomatische Beziehungen eine gute Durchschnittswertung von 7 Punkten in der Community, bei der IMDb sind es 8,1 Punkte. Staffel 4 hat beim Kritikenaggregator Metacritic die beste Durchschnittswertung der Serie (90 Punkte), während die letzten drei Seasons bei Rotten Tomatoes im Durchschnitt über 95 % positive Kritiken eingefahren haben.
Ob es die Polit-Serie über Staffel 5 hinaus schafft, bleibt abzuwarten. Anders als bei der letzten Verlängerung wurden diesmal nämlich nicht zwei Staffeln auf einmal bestellt. Ein Starttermin ist nicht bekannt. Aber wir rechnen mit einem Start von Staffel 5 im Oktober 2027. Denn auch in Sachen Veröffentlichung ist Kate Wyler eine Bank. Jedes Jahr im Herbst kriselt es in den transatlantischen Beziehungen und wir können froh darüber sein.
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