Marktbericht

Stand: 30.10.2026 • 18:22 Uhr

Zum Wochenschluss schwächelt der DAX, nachdem er zuvor viermal in Folge gestiegen war. Auslöser sind der hohe Ölpreis, aber auch schwache Tech-Vorgaben aus Übersee.

Nach vier Gewinntagen in Folge ist es zum Wochenschluss mit dem deutsche Leitindex DAX wieder bergab gegangen. Am Ende schloss der Index bei 25.818 Zählern, ein Tagesverlust von 0,85 Prozent. Gestern war der DAX mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 26.039 Punkten aus dem Handel gegangen.

Es war mit einem Anstieg von rund 2,5 Prozent trotzdem eine erfolgreiche Börsenwoche für den Index. Nicht zuletzt die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Vortag, die Leitzinsen erst einmal stabil zu halten, beflügelte die Märkte. Auch die US-Notenbank hat auf Zinserhöhungen in dieser Woche verzichtet. Der MDAX, der mittelgroßen Unternehmen, beendete den Handel um 1,06 Prozent leichter bei 30.472 Zählern.

"Der DAX hat gestern die psychologisch wichtige Marke von 26.000 Punkten durchbrochen. Doch zum Wochenausklang wird die Luft für die Käufer dünner", stellt Salah-Eddine Bouhmidi fest, Marktexperte bei IG. "Schwache Reaktionen auf US-Technologiezahlen und geopolitische Unsicherheiten könnten den jüngsten Aufwärtsimpuls zunächst ausbremsen".

Ölpreise steigen immer weiter

Die Ölpreise stiegen derweil angesichts wachsender Sorgen über einen möglichen erneuten Militärschlag der USA im Iran auf den höchsten Stand seit April. Seit Längerem wird über mögliche neue Angriffe der USA und Israels gegen den Iran nach den US-Parlamentswahlen spekuliert, die am kommenden Dienstag stattfinden.

"Die anhaltenden Militäreinsätze rund um die Straße von Hormus halten die Ölpreise hoch", sagte Energie-Analyst Saul Kavonic von MST Marquee. Zudem gebe es Zweifel an einer diplomatischen Lösung, vielmehr werde in den kommenden Wochen mit einer Eskalation des Konflikts gerechnet.

Inflationsrate in Deutschland fällt

Die weiter hohen Preise für Öl und Gas relativieren auch den Rückgang der Verbraucherpreise in Deutschland im Oktober auf 2,8 Prozent - von 3,3 Prozent im September. Volkswirte hatten mit einer Inflationsrate von 3,0 Prozent gerechnet. "Dass die Inflation unter die Marke von 3 Prozent fällt, liegt vor allem am Tankrabatt", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Für eine Entwarnung sei es noch zu früh.

Bayer an der DAX-Spitze

Im Milliarden-Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat hat Bayer erstmals seit einer wichtigen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA einen Fall gewonnen. Eine Jury in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri wies am Donnerstag (Ortszeit) die Klagen von drei Frauen einstimmig ab, die ihre Krebserkrankungen auf das Glyphosat-Produkt Roundup zurückgeführt hatten.

Der Ausgang des Prozesses in Missouri gibt einen ersten Hinweis auf die weiteren Aussichten von Roundup-Klagen, nachdem ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA zugunsten von Bayer die Rechtsansprüche der Kläger eingeschränkt hatte.

KI-Zweifel wachsen

Ein weiterer Belastungsfaktor waren schwach aufgenommene Zahlen der beiden US-Tech-Riesen Intel und Amazon vom Vorabend. Diese hatten heute bereits die asiatischen Märkte belastet. Vor allem die hohen Investitionssummen in die neue KI-Technologie werden an der Börse zunehmend kritischer gesehen.

Amazon-Aktien gerieten genauso unter Druck, wie zuvor schon die Papiere der Google-Mutter Alphabet und des Facebook-Betreibers Meta. Beim Chipkonzern Intel enttäuschte vor allem die Prognose, die Aktie bricht aktuell an der US-Technologiebörse Nasdaq um über 28 Prozent ein.

Die Investoren treibt die Frage um, wie die gigantischen Investitionen jemals verdient werden können. Diese Entwicklung sei besorgniserregend, sagte Portfoliomanager Dave Wagner vom Vermögensverwalter Aptus. "Das operative Geschäft erwirtschaftet reichlich Geld, aber die Investitionen verschlingen es komplett."

Wall Street tief im Minus

Die schwachen Vorgaben vor allem aus dem Tech-Sektor lasten auch auf der Wall Street. Alle großen Aktienindizes stehen am Mittag Ortszeit klar im Minus. Vor allem die Technologiebörse Nasdaq verliert deutlich über 2,5 Prozent. Auch gute Zahlen der Ölriesen Chevron und Exxon helfen nicht.

Laut den Experten der DZ Bank kann sich die bisherige Berichtssaison eigentlich "sehen lassen", doch im US-Technologiesektor falle sie gerade unter den "Magnificent 7" weniger überzeugend aus. "Gute Ergebnisse allein reichen nicht mehr aus", hieß es in einem wöchentlichen Strategiepapier der Bank. Häufig machen derzeit neben KI-Investitionen auch Cashflow-Entwicklungen den Unterschied.

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