Stand: 28.10.2026 • 16:14 Uhr
Nach dem Zusammenstoß zweier Züge in Spanien ist die Zahl der Toten auf mindestens 64 gestiegen. Mehrere Waggons sind entgleist. Laut ersten Ermittlungen hat vermutlich menschliches Versagen zu dem Unglück geführt.
In Spanien hat es bei einem Zugunglück viele Tote und Verletzte gegeben. Nach Angaben des Regionalpräsidenten von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, sollen mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen sein. Zunächst war von mindestens zehn Toten die Rede. Mindestens 80 Menschen seien verletzt worden, 50 davon schwer.
Eine Sprecherin der Regionalregierung geht davon aus, dass die Zahl der Toten und Verletzten noch steigen werde.
Das Unglück ereignete sich kurz vor 9 Uhr in der zentralen Provinz Toledo. Ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo kam aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen, ein nachfolgender Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe fuhr von hinten auf ihn auf. Mehrere Waggons entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter. In beiden Zügen waren nach amtlichen Angaben insgesamt rund 540 Passagiere von Madrid nach Andalusien unterwegs.
Der Zugverkehr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Andalusien sei in der Folge unterbrochen, so der Bahnbetreiber Adif. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute sowie Zivilschutzkräfte aus umliegenden Gemeinden im Einsatz.
Spaniens Verkehrsminister Oscar Puente macht menschliches Versagen für die Kollision der beiden Züge verantwortlich.
Die Regierung geht bei der Frage, wie es zu dem Unglück kam, offenbar von menschlichem Versagen aus. Ersten Erkenntnissen zufolge war in dem Gebiet in Kastilien-La Mancha das automatische Sicherheitssystem ausgefallen, wie Verkehrsminister Oscar Puente sagte.
Hochgeschwindigkeitszüge in der Gegend wurden zunächst gestoppt, konnten aber nach Aktivierung des manuellen Kontrollsystems weiterfahren. Der zu diesem Zeitpunkt 25 Kilometer von dem Renfe-Zug entfernte Iryo-Zug blieb aber stehen - warum, ist noch unklar.
Ein Mitarbeiter des Schienennetzbetreibers Adif im Kontrollzentrum in Madrid ordnete dem Renfe-Hochgeschwindigkeitszug trotzdem die Weiterfahrt an, und das mit normaler Geschwindigkeit. Eigentlich hätte er in einem solchen Fall nur 40 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. Der Renfe-Zug raste daher in den stehenden Iryo-Zug. Dass der Mitarbeiter im Kontrollzentrum die Weiterfahrt anordnete, bezeichnete Verkehrsminister Puente als "unerklärlich" und "falsch".
Der Unfall weckt Erinnerungen an das schwere Zugunglück vom Januar dieses Jahres bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.
Als Ursache für das Unglück, das sich damals auf freier Strecke ereignete, wird ein Schienenbruch vermutet.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich schockiert. Auf der Plattform X teilte er mit, er spreche "allen Opfern und ihren Familien seine Anteilnahme, Solidarität und Unterstützung" aus.
Auch der spanische König Felipe VI. und Königin Letizia reagierten erschüttert: "Wir sind zutiefst bestürzt und besorgt angesichts des Zugunglücks in Urda (Toledo)", erklärte das Königspaar ebenfalls auf X.
Die Spanische Bischofskonferenz sprach den Familien der Opfer ihr Beileid und ihre Verbundenheit aus. Sie bete für die "ewige Ruhe der Verstorbenen und für die Genesung der Verletzten", hieß es in einer Stellungnahme.
Deutsche und europäische Spitzenpolitiker haben ebenfalls ihr Beileid ausgedrückt. Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb auf der Plattform X, die Nachricht mache ihn "tief betroffen".
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb ebenfalls auf X, ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, man stehe bereit, die spanischen Behörden in jeder erforderlichen Weise zu unterstützen. EU-Ratspräsident António Costa drückte den Angehörigen der Todesopfer sein Beileid aus und wünschte den Verletzten schnelle Genesung.
Der spanische Fußballverband RFEF hat aufgrund des Unglücks den heutigen Pokal-Spieltag abgesagt. Alle geplanten 24 Spiele werden verschoben, wie der Verband mitteilte.
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