Heute startet mit Glennkill: Ein Schafskrimi ein deutscher Bestseller als Hollywood-Adaption in den Kinos. Nach dem Roman von Leonie Swann ermittelt eine Schafsherde im Mordfall ihres Schäfers (Hugh Jackman). Das Drehbuch zu der familienfreundlichen Krimikomödie von Kyle Balda schrieb Craig Mazin, der uns im Interview vorab Rede und Antwort stand.
Aus der jüngeren Vergangenheit ist Drehbuchautor Craig Mazin dem Serienpublikum vor allem als Schöpfer der gefeierten Miniserie Chernobyl und der Videospiel-Adaption The Last of Us ein Begriff. Weiter zurück weist seine Filmografie aber auch Titel wie Hangover 2 und Scary Movie 3 auf. Wie der renommierte Hollywood-Schreiberling zur Verfilmung eines deutschen Literaturhits kam und was hinter den Änderungen an der Glennkill-Vorlage steckt, verriet er uns pünktlich zum Kinostart.
Moviepilot: Die Palette deiner Film- und Serienprojekte ist sehr vielseitig. Was entscheidet darüber, ob du dich als Nächstes einem düsteren oder komödiantischen Stoff widmest?
Craig Mazin: Bevor ich sehr ernste Geschichten schrieb, verbrachte ich den Großteil meiner frühen Karriere damit, sehr unbeschwerte Stoffe zu verfassen. Eine Disney-Komödie für Kinder, viele alberne Parodien und sogar zwei der Hangover-Filme. Die Arbeit an Glennkill (im Englischen: The Sheep Detectives) war für mich tatsächlich eine Art Übergangsfilm, da er zwar albern, leichtfüßig und familienfreundlich ist, aber auch einige sehr tiefgründige Beobachtungen über das Menschsein enthält. Ich habe den ersten Entwurf des Drehbuchs tatsächlich schon vor etwa zehn Jahren geschrieben; all die sehr ernsten Projekte kamen also erst danach.
Der Roman Glennkill wurde 2005 von der deutschen Autorin Leonie Swann veröffentlicht und mauserte sich in Deutschland zum Bestseller, bevor er in weitere 30 Sprachen übersetzt wurde. Wie bist du als US-Amerikaner darauf gestoßen?
Unsere Produzentin Lindsay Doran hat meine Neugier mit einer einfachen Frage geweckt: "Hättest du Lust, ein Buch über Schafe zu lesen, die den Mord an ihrem Schäfer aufklären?" Glücklicherweise hat Leonie Swanns Roman Glennkill (englischer Buchtitel: Three Bags Full) nicht nur meine Fantasie beflügelt. Ich fühlte mich geradezu verpflichtet, ihre wunderbaren Charaktere und die Geschichte auf die Leinwand zu bringen.
Standest du für die Adaption im Austausch mit Autorin Leonie Swann?
Leonie Swann war für mich lange Zeit eine fast schon mysteriöse Person, da es mehrere Jahre dauerte, bis wir überhaupt die Rechte an der Buchverfilmung erhielten. Als es schließlich so weit war, teilte mir unsere Produzentin mit, dass Frau Swann es vorzog, mir bei der Adaption des Romans völlig freie Hand zu lassen. Als ich sie schließlich doch traf, sagte ich ihr, wie sehr mich ihr Buch bewegt hatte und wie wichtig die Vorlage auch für die Verfilmung war. Erfreulicherweise liebt sie den Film, sodass unser erstes Treffen unter den bestmöglichen Vorzeichen stand.
Glennkill: Ein Schafskrimi - Trailer 2 (Deutsch) HD
In deiner Adaption von Glennkill wurden Charaktere wie Miss Maple und Othello (zu Lily und Sebastian) umbenannt. Warum?
Einige Charaktere im Film sind Zusammenschlüsse aus mehreren Figuren des Romans. Was Miss Maple betrifft, hatten wir das Gefühl, dass der Name für Kinder, die noch keine Agatha Christie-Romane gelesen haben, etwas zu weit hergeholt sein könnte. Deshalb haben wir uns für den Namen Lily entschieden. Hoffentlich werden Kinder, die den Film sehen, aber dazu inspiriert, sowohl die Romane von Leonie Swann als auch die von Agatha Christie zu lesen!
Auch die Krimi-Handlung des Films Glennkill weicht in großen Teilen von der Buchvorlage ab (also z.B. keine Spaten als Mordwaffe oder Drogengeschichten). Wie kam es dazu?
Die Art des Kriminalfalls im Roman ist etwas erwachsener, als wir es in einem Film für alle Altersklassen für angemessen hielten – sowohl in Bezug auf den Täter als auch auf den Tathergang. Was ich jedoch unbedingt beibehalten wollte, waren die Kernelemente des Romans: die Art und Weise, wie die Schafe einerseits schlau und andererseits völlig unbedarft gegenüber der [menschlichen] Welt sind. Ich wollte ihre Entdeckerfreude zeigen, aber auch ihre Traurigkeit, wenn sie mit der harten Realität konfrontiert werden.
Das Buch spielt in der fiktiven irischen Ortschaft Glenkill. Wo genau liegt der Filmschauplatz Denbrook?
Das ist eine gute Frage! Scheinbar in England. Aber möglicherweise auch in den Vereinigten Staaten. Oder in Irland. Oder irgendwo, wo kleine Städte direkt neben idyllischen Schafweiden liegen. Kurz gesagt: Denbrook existiert dort, wo diese kuriosen Schafe sind.
Wie stehst du persönlich zu Schafen?
Ich habe mir im Vorfeld tatsächlich ein dickes Buch über Schafe gekauft und es komplett durchgelesen. Danach habe ich viel online über sie recherchiert. Bei einem Film wie diesem mussten wir uns natürlich fragen: Wie realistisch sind die Schafe? Wir wollten, dass sie sich so anfühlen, als stünden sie wirklich in der realen Welt, aber gleichzeitig gab es Aspekte der Schafanatomie, die wir [bei der CGI-Animation] bewusst anpassen mussten.
Wenn ich jetzt echte Schafe sehe, denke ich sofort: "Ich frage mich, welches von ihnen wohl das neugierige ist oder welches der Detektiv?" Erst dann denke ich: "Ach nein, wahrscheinlich sind es einfach nur Schafe."
Das Buch Glennkill hat mittlerweile zwei Fortsetzungen (Garou und Widdersehen). Würdest du in Zukunft weitere Schafsgeschichten in Filmform in Betracht ziehen?
Wenn die Nachfrage groß ist – wer weiß? Eines ist sicher: Alle berühmten Krimi-Detektive scheinen im Laufe ihres Lebens über jede Menge Verbrechen zu stolpern … Es ist also nicht schwer, sich vorzustellen, dass Lily und die Herde weitere Fälle lösen, wenn sich die Chance dazu ergibt.
Dieses Interview wurde gekürzt und verdichtet. Glennkill läuft ab dem 14. Mai 2026 in den deutschen Kinos.
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