Stand: 07.11.2026 • 15:45 Uhr

Die Wiedereinführung der Wehrpflicht scheint zum jetzigen Zeitpunkt offenbar nicht nötig. Verteidigungsminister Pistorius berichtet von einer positiven Entwicklung beim Bundeswehrpersonal - Spitzenvertreter der Union sehen das anders.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat sich zuversichtlich geäußert, dass die Bundeswehr ihren Personalbedarf auch künftig ohne Rückkehr zur Wehrpflicht decken kann.

Die im neuen Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verankerten Maßnahmen wirkten, die Bundeswehr habe aktuell mit rund 190.000 Soldatinnen und Soldaten den höchsten Stand seit 13 Jahren, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Wenn sich der Kurs fortsetzt, haben wir keine Aufwuchsprobleme." Dann müsse es auch "keine Diskussion geben über eine wie auch immer auszugestaltende Wehrpflicht".

Zu den jüngsten Demonstrationen junger Erwachsener, die sich auch gegen eine Wehrpflicht richteten, sagte Pistorius, er habe viel Verständnis für die jungen Leute, die sich noch nie mit diesen Fragen hätten beschäftigen müssen und die sich jetzt Sorgen machten, was auf sie zukommen könnte.

"Aber wenn es auf den Demonstrationen heißt, wir wollen nicht an die Front und im Krieg sterben, dann kann ich nur sagen: Wir wollen genau dasselbe." Gerade deshalb brauche es starke Streitkräfte, "die abschrecken können, damit wir gar nicht in die Situation kommen, überhaupt irgendwo kämpfen zu müssen".

Aus der Union gab es Kritik an den Äußerungen des Verteidigungsministers. "Vorsichtiger Optimismus ist ok, voreilige Aussagen sind deplatziert", sagte Fraktionsvize Norbert Röttgen dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Wir sind mit dem ersten Erfolg noch lange nicht da, wo wir hin müssen. Es sind die ersten fünf Kilometer eines Marathon", so der CDU-Politiker.

Auch der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (ebenfalls CDU), widersprach Pistorius. "Entscheidend ist, dass die Bundeswehr schnellstmöglich die personelle Stärke erreicht, die sie für ihre Aufgaben braucht", sagte er dem Stadt-Anzeiger. "Wenn die Freiwilligkeit dafür nicht ausreicht, müssen wir zur Wehrpflicht zurückkehren." Die Debatte darüber und über ein allgemeines verpflichtendes Dienstjahr sei "jetzt" nötig, die aktuelle sicherheitspolitische Lage lasse beim Personalaufwuchs "keinen Spielraum".

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder schrieb bei X, Investitionen in Ausrüstung und Infrastruktur und eine deutliche Beschleunigung des Beschaffungswesens reichten nicht aus. Deutschland sei bedroht wie lange nicht. "Deshalb müssen wir die Bundeswehr weiter stärken." Wenn einem "unsere Demokratie wichtig ist, muss man auch dafür einstehen", schrieb Söder. Deshalb sei klar: "Wir brauchen wieder eine echte Wehrpflicht."

Pistorius kündigte im Gespräch mit den Funke-Medien auch neue Anstrengungen an, um mehr Frauen für den Dienst in der Bundeswehr zu gewinnen: Zahlenmäßig seien die Streitkräfte ein "Männerladen", das werde sich so schnell auch nicht ändern lassen.

Zu der zuletzt gestiegenen Zahl von Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung in der Bundeswehr sagte Pistorius: "Wir tun alles dafür, dass solche Vorfälle, wie wir sie in letzter Zeit leider hatten, durch gute Prävention möglichst verhindert werden." Träten solche Fälle auf, würden sie "entschieden und kompromisslos bestraft".

Rund 460 Verdachtsfälle im vergangenen Jahr schienen angesichts der Größe der Bundeswehr auf den ersten Blick nicht viele zu sein, sagte Pistorius. Aber sie richteten großen Schaden bei den Betroffenen an und brächten die Bundeswehr in Verruf. Er werde in der kommenden Woche die Ergebnisse einer Dunkelfeldstudie zu diesem Thema vorlegen, kündigte Pistorius an.

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