Gerade erst haben sich Fans der historischen Zeitreise-Serie Outlander nach acht Staffeln von Claire und Jamie verabschiedet, da geht es schon wieder zurück ins 18. Jahrhundert. Am heutigen 19. September startet bei Magenta TV das Spin-off Outlander: Blood of My Blood in die 2. Staffel. Die ersten zwei Folgen durfte ich bereits vorab schauen und wurde direkt wieder in das Gefühl früherer Outlander-Staffeln hineingesogen.
Während Outlander mit der Zeit das wunderschöne Schottland-Setting zugunsten des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges hinter sich ließ, belebt das Spin-off die Atmosphäre der Anfänge der Originalserie von Neuem: die Weiten der Highlands, klaustrophobische Burgen, Tartan so weit das Auge reicht und zudem noch spannende Clan-Intrigen sowie große Gefühle der Sehnsucht und des Verlangens. Genau hier macht Staffel 2 weiter.
Die Happy Ends für die Paare Ellen (Harriet Slater) und Brian (Jamie Roy) sowie Julia (Hermione Corfield) und Henry (Jeremy Irvine) rücken zu Beginn gleich wieder in unerreichbare Ferne. Die einen können aufgrund äußerer Umstände ihre Liebe nicht öffentlich ausleben, während die anderen durch Zeit und Raum voneinander getrennt werden. Staffel 2 vergeudet glücklicherweise keine Zeit, die quälenden Cliffhanger der Auftaktseason aufzulösen.
Wollen die Beauchamps doch eigentlich nur durch die Steine von Craigh Na Dun zurück in ihre Gegenwart zu ihrer Tochter reisen, endet dieses Vorhaben für beide mit dem schlimmstmöglichen Ausgang. Mit einem edelsteinbesetzten Dolch in der Brust steckend wird lediglich Henry zurück ins Jahr 1924 transportiert, wo er direkt in ein "Irrenhaus" gesperrt wird. Von tiefvergrabenen Kriegstraumata und einer bestialischen Elektroschocktherapie gebrochen, muss Henry zu Beginn der Season mehr leiden als jeder andere Charakter.
Nicht weniger tragisch geht es für Julia weiter, die zu ihrem unberechenbaren wie widerlichen "Ehemann" Lord Lovat (Tony Curran) zurückkehren muss, um sich und ihren kleinen Sohn zu schützen. Als größter Konflikt der neuen Staffel zeichnet sich hingegen der Jakobitenaufstand von 1715 ab, der Brian und Ellen zu einer Rückkehr zu ihren jeweiligen Clans zwingt. Brians Hass auf seinen Vater ist stark, doch die Loyalität seinem Laird (und den Highlands) gegenüber ist stärker, weshalb er dem Aufruf zum Kampf folgen muss.
Während Brian mit flammenden Reden Männer für die Rebellion begeistert und dabei ungeahnte Anführerqualitäten beweist, schließt Ellen einen schrecklichen Pakt. Einmal mehr erweist sie sich als kompetenteste Person mit Weitblick und präsentiert ihren Brüdern Dougal (Sam Retford) und Colum (Seamus McLean Ross) einen Plan, um den Besitz des Clans im Falle einer Niederlage vor der Vergeltung der Krone zu schützen. Was Colum allerdings von seiner Schwester fordert, ist absolut schmerzhaft. Ja, in jeder Szene möchte ich ihren Brüdern direkt eine reinhauen.
Wer bereits die erste Staffel mochte, wird auch mit Staffel 2 wieder reichlich Freude haben. Denn Outlander: Blood of My Blood macht unverändert genauso weiter wie bisher. Mit spannenden Konflikten, gut geschriebenen Charakteren und exzellentem Produktionsdesign entwickelt das Spin-off zunehmend eine eigene Identität abseits von Fan-Service (Ja, auch hier gibt es wieder Überraschungen für Fans des Originals) und Nostalgie. Die Atmosphäre der ersten drei Outlander-Seasons bleibt aber auch weiterhin erhalten. Nicht zuletzt durch die (wie immer) fantastische Serienmusik von Bear McCreary, die maßgeblich für die wohligen Highland-Vibes mitverantwortlich ist.
Die größte Stärke von Outlander: Blood of My Blood sind auch in Staffel 2 die großen Emotionen dieser historischen Liebesgeschichte. Seien es die mal lustvollen oder auch mal überraschend witzigen Sexszenen, die knisternde Chemie zwischen Brian und Ellen, der genüssliche Hass auf intrigante Schurken oder auch herzzereißende Momente, die mich immer wieder zu Tränen gerührt haben. Und wenn Julia mit den Worten "Ein Teil meines Herzens fehlt, und ich fürchte, das wird immer so bleiben." über ihre verlorene Tochter Claire spricht, hat mich die Tragik ihrer Geschichte direkt wieder fest im Griff.
Obwohl der Jakobitenaufstand in den ersten zwei Folgen noch längst nicht beginnt, prägt der drohende Krieg schon jetzt sämtliche Entwicklungen im 18. Jahrhundert. Die drohende Eskalation verdeutlicht leider auch ein Grundproblem dieser Prequel-Geschichte. Wir wissen längst, dass alle Charaktere, die chronologisch später in Outlander eine Rolle spielen, den bevorstehenden Krieg überleben werden. Um ihr Leben müssen wir niemals bangen. So erzeugt lediglich die Ungewissheit über Julias und Henrys Zukunft wirklich Spannung. Ihre Story könnte überall hinlaufen – nur nicht zu Claire.
Was sich ebenfalls nicht verändert hat, ist das teils sehr langsame Pacing der zwischen mehreren Hauptfiguren und ihren jeweiligen Erlebnissen hin- und herspringenden Handlung, die somit schleppend vorankommt. Wer nicht tief in der Geschichte und den Charakteren versinken kann, droht schnell gedanklich auszusteigen. Für mich passt der zähe Erzählfluss aber hervorragend zum dick aufgetragenen Outlander-Pathos und lässt mich jede Folge aufs Neue in die Highland-Welt eintauchen.
Auch wenn ich bisher nur zwei der insgesamt zehn neuen Folgen sehen konnte, liefert Outlander: Blood of My Blood Staffel 2 damit einen vielversprechenden Beginn für eine weitere überraschend starke Staffel, die neben Zeitreise-Abenteuern, ergreifender Romantik und hitziger Clan-Politik auch mehr Action im weiteren Verlauf verspricht. Ich tue es jedenfalls den Highlandern gleich und schenke dem Outlander-Spin-off auch weiterhin meine Loyalität – und kann es kaum erwarten, was die 2. Staffel noch bereithält.
Die zehn Folgen der 2. Staffel von Outlander: Blood of My Blood werden ab dem 19. September 2026 wöchentlich immer samstags bei Magenta TV veröffentlicht. Grundlage für den Ersteindruck sind die ersten zwei Episoden.
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