Die russischen Streitkräfte haben in der Nacht nach Angaben des Verteidigungsministeriums im ganzen Land insgesamt 556 ukrainische Drohnen abgewehrt. Das berichtete Russlands staatliche Nachrichtenagentur Tass. Die Angaben aus Moskau konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Zuvor hatten russische Behördenvertreter im Raum Moskau und auf der besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim von Drohnenangriffen berichtet.

Sollten die russischen Angaben zur Zahl der abgeschossenen Drohnen zutreffen, würden sie auf einen großen Angriff der Ukraine hindeuten. Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte keine Informationen dazu, wie viele Drohnen nicht rechtzeitig abgefangen werden konnten.

Bei ukrainischen Angriffen auf die Region Moskau seien mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, schrieb der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, auf Telegram. Mehrere Häuser und Wohnungen seien beschädigt worden und in Brand geraten.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte auf Telegram mit, in der Hauptstadt seien mindestens zwölf Menschen verletzt worden, vor allem Arbeiter in der Nähe einer Ölraffinerie. Mehrere Häuser seien beschädigt worden. Auf den Hauptstadt-Flughäfen gab es zeitweilig keine Starts und Landungen wegen der Drohnengefahr. Schäden wurden auch aus der russisch besetzten Marinestadt Sewastopol auf der Krim gemeldet.

Irem Yildirim

Nach schweren russischen Raketenangriffen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Einhaltung der Techniksanktionen gegen Moskau gefordert. „Bei dem Angriff auf Kiew in dieser Woche haben die Russen Raketen eingesetzt, die in diesem Jahr hergestellt wurden“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft aus Kiew.

„Ohne Komponenten von Unternehmen aus Europa, Japan und den Vereinigten Staaten hätten die Russen diese Raketen einfach nicht herstellen können.“ Gleiches gelte für andere Waffen der russischen Armee bei ihren Angriffen auf ukrainische Städte. „Russlands Verbindungen zur Welt, die dem Krieg dienen, sind eine direkte Bedrohung für das Leben“, sagte der ukrainische Präsident.

Wegen der militärischen Nutzung ist der Export von Elektronikbauteilen nach Russland verboten, solche Teile werden aber oft über Drittstaaten geschickt.

Die russischen Truppen haben nach Angaben ​des Verteidigungsministeriums in ⁠Moskau zwei Dörfer in der ukrainischen Region Charkiw ​unter ihre Kontrolle ⁠gebracht. Es handele sich ‌um die Ortschaften Borowa und Kutkiwka, meldete ⁠die staatliche Nachrichtenagentur RIA ⁠unter Berufung auf das Ministerium.

Die Ukraine hat nach Angaben aus Kiew abermals Hunderte Soldatenleichen von Russland zurückerhalten. Die sterblichen Überreste von 528 Gefallenen, bei denen es sich nach Angaben der russischen Seite um ukrainische Soldaten handeln könnte, seien Kiew übergeben worden, teilte der ukrainische Stab für Kriegsgefangenenbelange mit. Vermittelt habe das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.

Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Allerdings hatte die staatliche Nachrichtenagentur Tass am Vortag gemeldet, dass auch Soldatenleichen ausgetauscht werden sollen. Moskau gebe 526 tote ukrainische Soldaten zurück und bekomme 41 russische Leichen, hieß es unter Berufung auf Quellen. Die Zahl toter Ukrainer ist bei solchen Austauschen in den vergangenen Jahren immer deutlich höher gewesen. Als Grund gilt, dass die russische Armee ständig vorgerückt ist und die abziehende ukrainische Armee ihre Toten oft nicht bergen konnte.

Am Vortag hatte ein großer Gefangenenaustausch zwischen Moskau und Kiew begonnen. Der Austausch von insgesamt 1000 Kriegsgefangenen war Teil der Vereinbarung über eine Waffenruhe vom 9. bis 11. Mai, die US-Präsident Donald Trump vermittelt hatte. Die Waffenruhe schützte vor allem die Militärparade zum russischen Weltkriegsgedenken am 9. Mai.

Russlands Machthaber Wladimir Putin reist am Dienstag zu einem zweitägigen Besuch nach China. Der russische Staatschef werde mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping erörtern, wie die „umfassende Partnerschaft und strategische Zusammenarbeit“ zwischen Moskau und Peking „weiter gestärkt“ werden könne, erklärte der Kreml am Samstag. Putins Reise erfolgt wenige Tage nach einem Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in China.

Lena Spilger

Neun Menschen sind im westrussischen Belgorod nach Behördenangaben durch den Einschlag einer ukrainischen Drohne in einem Wohnhaus verletzt worden. Unter den Verletzten sei auch ein dreijähriges Mädchen, teilte der Krisenstab der Region bei Telegram mit. Den vom Stab veröffentlichten Bildern zufolge wurde ein zehnstöckiger Wohnblock getroffen, die Fassade und etliche Balkons beschädigt.

Lena Spilger

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Fortsetzung der Angriffe auf die russische Ölindustrie angekündigt. Die Ukraine müsse hart und angemessen auf die Angriffe des russischen Militärs gegen Städte reagieren, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft nach dem russischen Luftschlag gegen Kiew mit 24 Toten. Eine erste Antwort habe es in der vergangenen Nacht gegeben, erklärte Selenskyj mit Blick auf die Attacke gegen die Ölraffinerie in Rjasan. „Wir setzen die Operation fort“, fügte er hinzu.

Die russische Wirtschaft ist im ersten Quartal dieses Jahres um 0,2 Prozent geschrumpft. Das teilte die russische Statistikbehörde Rosstat am Freitag mit. Der erste Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in einem Quartal seit drei Jahren erfolgte vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen im Ukrainekrieg und der Sanktionen gegen Moskau. Im ersten Quartal 2025 war das BIP laut Rosstat um 1,4 Prozent gestiegen.

Für das gesamte Jahr 2026 hatte Russland seine Wachstumsprognose erst vor wenigen Tagen von bislang 1,3 Prozent auf 0,4 Prozent stark abgesenkt. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte am Freitag aber, nach einem Rückgang des BIP im Januar und Februar habe die Wirtschaft im März wieder angefangen zu wachsen.

Der Krieg gegen die Ukraine hatte das russische Wirtschaftswachstum zunächst beflügelt, weil die Regierung in großem Maße Geld für Rüstung ausgab. Das führte aber auch zu einer gestiegenen Inflation und zu einem Arbeitskräftemangel in nicht-militärischen Sektoren. Im Kampf gegen die Inflation setzt die russische Zentralbank auf höhere Leitzinsen – das schadet aber den Unternehmen des Landes. Zuletzt hat Russland von gestiegenen Erdölpreisen im Zuge des Irankriegs profitieren können. Allerdings setzt die Ukraine dem Sektor mit Angriffen auf russische Erdölanlagen stark zu.

Die Slowakei prüft eigenen Angaben zufolge Möglichkeiten, russisches ​Öl künftig direkt zu beziehen. Derzeit wickelt der ungarische Energiekonzern Mol die Käufe ab, wie Ministerpräsident Robert Fico erklärt. Eine Option sei, dass der staatliche Pipeline-Betreiber Transpetrol als Käufer auftrete. „Ich denke, es ⁠ist keine schlechte Idee, wenn die Slowakische Republik Vertragspartner der Russischen Föderation wird“, sagt Fico. Die Slowakei und Ungarn sind von den EU-Beschränkungen für russische Ölimporte ausgenommen. Von Mol lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Nach Angaben der Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ sind bislang mehr als 3.500 Kinder dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine zum Opfer gefallen. Davon seien 791 Kinder getötet und 2.752 verletzt worden, wie die Organisation am Freitag in Berlin mitteilte. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 seien 294 Kinder betroffen gewesen.

Im vergangenen Jahr seien Angriffe auf zivile Gebiete eskaliert, erklärte Sonia Kush, Landesdirektorin von „Save the Children“ in der Ukraine. Dies deute auf eine „grobe Missachtung von Kindern und ihren Rechten“ hin. Die getöteten oder verletzten Kinder seien eine „eindringliche Mahnung an die verheerenden menschlichen Kosten dieses Krieges“.

„Save the Children“ beruft sich bei den Zahlen auf einen UN-Bericht. Insgesamt seien laut UN seit Kriegsbeginn 15.850 Zivilistinnen und Zivilisten getötet und 44.809 weitere verletzt worden.

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff sind nach russischen Behördenangaben in der Stadt Rjasan mindestens vier Menschen getötet und zwölf verletzt worden. Zwei Wohnblocks und ein Industriebetrieb seien beschädigt worden, teilte Pawel Malkow, Gouverneur der Region südöstlich von Moskau, mit. Das meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Die Ukraine bestätigte den Angriff am Vormittag.

Bei dem Industriebetrieb handelte es sich um die Raffinerie von Rjasan, nach Branchenangaben die drittgrößte in Russland. Dort sei ein großer Brand beobachtet worden, ist etwa auf Telegramkanälen zu lesen. Dass die Raffinerie getroffen wurde, teilte auch die Ukraine mit.

Das Verteidigungsministerium in Moskau berichtete von einem ungewöhnlich großen Drohnenangriff der Ukraine auf viele russische Regionen in der Nacht. 355 feindliche Flugobjekte seien abgeschossen worden, hieß es. Von ukrainischer Seite heißt es, 23 Ziele seien getroffen worden. Solche Militärzahlen sind nicht im Detail zu überprüfen.

Russland und die Ukraine tauschen einem Bericht der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA zufolge jeweils 205 Kriegsgefangene aus. Der Austausch ist Teil ⁠einer von US-Präsident Donald Trump vermittelten dreitägigen Feuerpause über die russischen Feiern zum Sieg über Nazi-Deutschland am 9. Mai, der Russland zugestimmt hatte.

Uli Putz

Nach Angaben des ukrainischen Außenministers Andrij Sybiha zeigt der ‌schwere russische Angriff während des China-Besuchs von US-Präsident Donald Trump, dass Russland den Krieg trotz ‌der Friedensbemühungen ‌Washingtons fortsetzen wolle. Es müsse mehr internationaler Druck auf Putin ausgeübt werden. „Ich bin sicher, dass die ​Staats- und Regierungschefs ⁠der USA und Chinas genug Einfluss auf Moskau haben, um Putin ​zu sagen, dass er den Krieg endlich beenden ⁠soll“, schreibt er ‌auf X.

Uli Putz

Die Zahl der Toten nach den jüngsten massiven Angriffen Russlands auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach Behördenangaben auf 21 gestiegen. Unter den Toten seien drei Kinder, teilte der staatliche Katastrophenschutz am Freitag im Onlinedienst Telegram mit. Einsatzkräfte durchsuchten Trümmer eines Gebäudes im Stadtteil Darnytskyji weiter nach Opfern.

Zuvor hatte es geheißen, 16 Menschen seien durch die stundenlangen Angriffe der russischen Armee in der Nacht zum Donnerstag getötet worden. Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hatte Moskau mehr als 675 Angriffsdrohnen gestartet und feuerte 56 Raketen ab. Demnach wurden auch Städte im Süden und Osten getroffen.

Der von Russland entfachte Ukraine-Krieg dauert seit mehr als vier Jahren an. Die von den USA vermittelten Gespräche über ein Ende des Kriegs haben bisher keinen Durchbruch gebracht. In der vergangenen Woche hatten erstmals seit Ende März wieder Gespräche zwischen ukrainischen und US-Gesandten stattgefunden.

Philipp von Reinersdorff

Nach den mehrstündigen russischen Angriffen mit hunderten Drohnen und dutzenden Raketen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist die Zahl der Toten auf zehn gestiegen. Zuvor waren zunächst fünf Tote gemeldet worden. „Bisher wissen wir von insgesamt zehn Menschen, die infolge des massiven russischen Angriffs im Kiew ums Leben gekommen sind“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache. Moskau habe in der Nacht zum Donnerstag mehr als 675 Angriffsdrohnen gegen sein Land gestartet und 56 Raketen abgefeuert, erklärte der Präsident. An den Einschlagsorten könnten noch mehr Menschen unter den Trümmern eingeschlossen sein, fügte er hinzu.

Insgesamt wurden 20 Orte in Kiew angegriffen, darunter Wohnhäuser, eine Schule und eine Tierklinik, sagte Selenskyj. Mindestens 45 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der Polizei wurden aus einem einzigen Haus sieben Leichen geborgen – drei Männer, drei Frauen und ein Mädchen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte die „schwersten russischen Angriffe seit Langem“.

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