FAQ

Stand: 01.11.2026 • 14:10 Uhr

Mehr als 180.000 Menschen hatten sich zum bundesweiten "Gen Z regelt"-Protesttag angemeldet. Es kamen deutlich weniger. Woran könnte es gelegen haben? Wie reagiert die Politik und welche neuen Aktionen sind geplant?

Es waren bundesweit Kundgebungen in mehr als 30 Städten geplant. Die Kundgebungen in Berlin, Köln, Frankfurt am Main und München wurden hauptverantwortlich von "Gen Z regelt" getragen. In anderen Städten hatten andere Organisationen Demonstrationen angemeldet. Nach Angaben der Initiative nahmen etwa 120.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ganz Deutschland an Demonstrationen teil - deutlich weniger als erwartet.

In Berlin versammelten sich laut Polizei etwa 5.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor. Die Initiative spricht von 10.000 Teilnehmenden. Kaja Schwab, eine der Sprecherinnen der Initiative, kritisierte in einer Rede die Politik. Der Jugend sei erzählt worden, "wenn wir uns nur genug anstrengen, wird es uns gut gehen", sagte sie. Stattdessen sei das Leben schwer bezahlbar geworden und die junge Generation soll "in den Kriegsdienst gezwungen werden".

Auch die Bildungs- und Protestforscherin Nina Kolleck war am Brandenburger Tor. Bei tagesschau24 erzählte sie, dass auch viele Ältere ihre Kinder bei den Protesten unterstützt hätten. Insgesamt seien es aber viel weniger Teilnehmer als erwartet gewesen. Sie vermutet einen Zusammenhang mit der Sorge vor Gewalt und der Entscheidung der Bundesschüler*innenkonferenz, nicht für diese Proteste zu mobilisieren. Deshalb hätten sich viele nicht getraut.

Zurzeit seien die Protestformen in Deutschland vergleichsweise friedlich, bislang stünden die Themen im Vordergrund, so Kolleck.

In Frankfurt zogen nach Polizeiangaben bis zu 8.000 Demonstrantinnen und Demonstranten durch die Innenstadt. Der Demonstrationszug wurde demnach mehrmals angehalten, weil einzelne Teilnehmende sich vermummt hatten und Rauchtöpfe zündeten. Nachts eskalierte die Situation in Teilen der Innenstadt.

In Köln wurde die Versammlung mit mehreren Tausend Teilnehmenden laut Polizei wegen "einzelner Störaktionen" wie Vermummung und Pyrotechnik vorzeitig beendet. In Essen, Münster und Bielefeld gingen laut Polizei Teilnehmende im unteren vierstelligen Bereich auf die Straße.

In Hamburg lag die Teilnehmerzahl nach ersten Polizeiangaben im niedrigen vierstelligen Bereich. Einige Demonstrierende hätten Pyrotechnik gezündet, es seien Einsatzkräfte beworfen worden.

Die Initiative "Gen Z regelt" ruft öffentlich ausdrücklich zu friedlichen Protesten auf. Diese sind aus ihrer Sicht nötig, damit Politik und Gesellschaft die Belange der jungen Generation wahrnehmen. "Die Lage junger Menschen ist prekär. Trotzdem werden wir nicht gehört", sagte Sprecherin Veronika Dinter bei einer Online-Pressekonferenz kurz vor dem ersten Protesttag am 31. Oktober.

"Gen Z regelt" solidarisiert sich mit Schülerinnen und Schülern in Frankreich. Dort wird bereits länger demonstriert.

Auf der Website von "Gen Z regelt" werden Forderungen aus sechs unterschiedlichen Bereichen aufgelistet:

Die genaue Struktur und die handelnden Personen sind nicht bekannt. Das Impressum der Website nennt Akram Selo mit einer Schweizer Anschrift als Verantwortlichen. Selo beschrieb sich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als 18-jährigen Abiturienten.

Seinen Angaben zufolge besteht das Organisationsteam derzeit aus fünf Personen, drei davon wollten anonym bleiben. Man lebe in unterschiedlichen Städten und nicht alle seien untereinander persönlich bekannt. Im FAZ-Interview wird deutlich, dass er sich um die individuelle Sicherheit sorgt.

Während des Protesttages am 31. Oktober gab es in einigen Städten Ansprechpartner für die Medien. Einige nannten Vor- und Nachnamen, andere nur Vornamen. Die Initiative mobilisiert sonst vor allem via Soziale Medien wie TikTok, Instagram und Nachrichtenkanälen wie Telegram.

Die Spitzenpolitik scheint noch nicht zu einer abschließenden Beurteilung der Initiative gekommen zu sein - missbilligt aber mit klaren Worten jegliche Gewalt.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verurteilte die Krawalle nach den Demos und machte "gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu" verantwortlich. "Die Randalierer und Plünderer werden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen", kündigte er an. Zugleich lobte er das Agieren der Sicherheitskräfte. "Gewaltexzesse wie in Paris wurden dank unserer hoch engagierten Polizeikräfte verhindert", sagte Dobrindt. Das Einsatzkonzept der Polizei sei aufgegangen.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, warnte davor, dass die Anliegen junger Menschen von Gewalt überschattet werden könnten. Die Sorgen vor der Zukunft seien ernst zu nehmen, sagte Wiese der Rheinischen Post. "Gerade bei der Frage von fehlender Chancen- und Bildungsgerechtigkeit muss die Politik handeln." Das Aufstiegsversprechen der 1970er Jahre müsse erneuert werden.

Die meisten jungen Menschen seien friedlich auf die Straße gegangen, machte Wiese deutlich. Wo Proteste in Gewalt umschlügen, sei das klar zu verurteilen, "und ein konsequentes Durchgreifen ist dort der richtige Weg". Die SPD im Bundestag macht sich zudem für einen nationalen Bildungsgipfel stark.

Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner verurteilte die Ausschreitungen. "Gewalt schadet dem berechtigten Anliegen der vielen, die friedlich protestiert haben", sagte Brantner der Rheinischen Post. Zugleich lobte sie die eigentlichen Demonstrationen. Die Botschaft der junge Leute sei unüberhörbar. Die Bundesregierung müsse darauf "antworten".

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann kritisierte die Krawalle. Es stimme traurig, dass friedlicher Protest teilweise kaum mehr möglich sei. "Ein wirklich inhaltliches Ziel der Demonstrationen blieb bis zuletzt fraglich", kritisierte sie, "für einige war das der perfekte Deckmantel für Gewalt und Ausschreitungen, die sicher die Mehrheit der Teilnehmer ablehnten. Diese zerstörerische Wut gegen das Land, in dem man lebt, ist mir unerklärlich."

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bedankte sich bei der Polizei und den überwiegend friedlichen Teilnehmern. "Danke auch an alle, die demonstriert haben und friedlich waren." Die Polizeikräfte und das Innenministerium hätten den Einsatz sehr gut vorbereitet. Natürlich seien Demonstrationen zulässig. "Aber es gibt keinen Platz für Krawall, es gibt keinen Platz für Gewalt. Und bei Gewalt und Krawall, da schreitet Bayern ein", betonte Söder.

Die Initiative "Gen Z regelt" plant bereits die nächsten Schritte. Für die Woche vom 2. bis 6. November ruft die Initiative zu Aktionen an Schulen und Universitäten auf. Ein Sprecher kündigte zudem an, dass man sich am 20. November am Internationalen Jugendstreik beteiligen werde.

Am 20. November ruft auch die Bundesschüler*innenkonferenz (BSK) zur Teilnahme auf, die sich vom Protesttag am 31. Oktober noch distanziert hatte. Sie begründete dies mit der "unklaren" Organisationsstruktur der "Gen Z regelt"-Initiative. Es ist aber unklar, ob sich Initiative und BSK für den 20. November koordiniert haben.

Auf der Webseite von "Gen Z regelt" wurde am Sonntagvormittag kurzzeitig ein weiterer Termin genannt - der 14. November. Inzwischen wurde das konkrete Datum entfernt, nun soll es lediglich "bald" neue Proteste geben.

In einigen deutschen Städten kam es am Abend und in der Nacht zu Ausschreitungen und lokal auch Plünderungen. Nach bisherigen Erkenntnissen waren allerdings Gruppen aktiv, die nicht mit der Initiative "Gen Z regelt" verbunden sind.

In der Frankfurter Innenstadt wurden mehrere Geschäfte geplündert. Teils vermummte Randalierer schlugen und traten Schaufenster ein. Es wurden Turnschuhe und andere Dinge gestohlen.

Nach Darstellung des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) gab es zwischen 1.000 und 1.500 gewaltbereite Störer - sowohl gewaltbereite Linksextremisten als auch Jugendliche, vor allem solche mit Migrationshintergrund, so Poseck. Es seien 54 Personen im Alter von 13 bis 29 Jahren festgenommen worden.

In Köln gab es am Abend rund um den Dom und den Hauptbahnhof Krawalle. Die Polizei rief die Bevölkerung auf, Foto- und Videomaterial "von jeglichen Vorfällen" auf dem Hinweisportal der NRW-Polizei hochzuladen. Einzelpersonen und Gruppen hätten in der Kölner Innenstadt randaliert, Hausfassaden und Streifenwagen beschädigt, Scheiben eingeschlagen, Einsatzkräfte angegriffen sowie Pyrotechnik gezündet, sagte ein Sprecher.

Plünderungen waren der Polizei bis zum Morgen nicht bekannt. Ob aus den Geschäften mit eingeschlagenen Scheiben etwas aus der Auslage entwendet worden sei, werde aber ermittelt, so der Sprecher weiter.

In Berlin gab es Flaschen-, Eier- und Böllerwürfe gegen Polizeibeamte. Zur Demonstration am Rosenthaler Platz hatte die Gruppierung "Gen Z hat genug!" aufgerufen, die offenbar keine Verbindung zu "Gen Z regelt" hat. Die Polizei macht linksradikale Gruppen verantwortlich.

Ein Sprecher von "Gen Z regelt" sagte: "Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss." Die Initiative veröffentlichte am Samstagabend auf Instagram eine Stellungnahme, worin sie sich von "jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen" distanziert, die nicht Teil der Demonstrationen waren.

"Wir stehen für friedlichen Protest, demokratische Werte und das Recht, unsere Meinung frei zu äußern. Gewalt war und ist niemals Teil unserer Bewegung."

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