Stand: 14.05.2026 • 16:54 Uhr

Russland hat die Ukraine in der Nacht erneut mit Hunderten Drohnen und Raketen angegriffen. Wieder gibt es vor allem in der Hauptstadt Opfer. Präsident Selenskyj spricht von einem Angriff auf ein UN-Fahrzeug in Cherson.

Wenige Tage nach einer kurzzeitigen Waffenruhe hat Russland die Ukraine mit einem der längsten Luftangriffe in mehr als vier Jahren Krieg überzogen. Nach Angaben des ukrainischen Militärs schoss Russland dabei mit mindestens 675 Drohnen und 56 Raketen. Die meisten Flugobjekte seien abgeschossen worden, hieß es.

In Kiew wurden nach Angaben des Militärverwalters Tymur Tkatschenko acht Menschen getötet. Ein Wohnhochhaus sei praktisch zerstört worden, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram. Unklar ist, was mit etwa 20 Menschen geschehen ist, die sich womöglich in dem Gebäude aufgehalten hatten. Zudem wurden etwa 40 Menschen verletzt.

Auch weitere zivile Ziele seien in Kiew getroffen worden - neben weiteren Wohnhäusern sei eine Schule und eine Tierarztpraxis beschädigt worden, hieß es. Nach Angaben von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko wurde ein zwölfjähriges Mädchen tot aus den Trümmern geborgen.

Insgesamt wurden bei Angriffen im Großraum Kiews laut Militärverwaltung sechs Bezirke und sechs weitere in der umliegenden Region getroffen. Im Umland der Hauptstadt wurden Selenskyj zufolge sieben Menschen verletzt.

"Das sind ganz sicher nicht die Taten derer, die glauben, der Krieg gehe zu Ende", erklärte der ukrainische Präsident auf der Online-Plattform X mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der sich unlängst so geäußert hatte. Bereits gestern hatte Selenskyj die jüngsten massiven Angriffe mit mehreren Toten als "Terror" bezeichnet.

Selenskyj rief die westlichen Verbündeten seines Landes zu einer deutlichen Reaktion auf den schweren Angriff auf.

Auch in anderen Orten gab es Schäden und Verletzte. Heftiger Beschuss wurde etwa aus den Regionen Charkiw, Odessa und Sumy gemeldet. Ziel in Odessa seien unter anderem Häfen und Eisenbahnanlagen gewesen, teilte der stellvertretende Ministerpräsident Olexij Kuleba mit. Laut Selenskyj wurden dort zwei Menschen verletzt.

In der Stadt Cherson sei ein Fahrzeug des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten mit Drohnen angegriffen worden, erklärte Selenskyj. Dazu veröffentlichte er die Aufnahme eines beschädigten Autos mit der Aufschrift UN. Verletzt worden sei dabei niemand. Eine russische Stellungnahme liegt bislang nicht vor. Durch weiteren Beschuss auf die Stadt wurden dem Präsidenten zufolge 28 Menschen verletzt.

Bereits am Mittwoch hatte die russische Armee Drohnenangriffe auf die Ukraine geflogen. Angriffe am Tag galten bislang als selten. Mindestens sechs Menschen wurden dabei nach ukrainischen Angaben getötet und mehr als 24 weitere verletzt.

Die heftigen russischen Angriffe folgen auf drei Tage einer fragilen Waffenruhe von Samstag bis Montag. Russland will damit offenbar den Druck auf die Ukraine vor möglichen weiteren Verhandlungen erhöhen. Die von den USA vermittelten Gespräche über ein Ende des Kriegs haben bisher keinen Durchbruch gebracht. Durch den Krieg der USA gegen Iran seit Ende Februar waren sie zuletzt zusätzlich ins Stocken geraten.

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