Der IT-Sicherheitsforscher, der bereits die Schwachstellen „RedSun“, „UnDefend“ und „BlueHammer“ vorgeführt hatte, legt mit weiteren Veröffentlichungen von Sicherheitslücken in Windows nach. „NightmareEclipse“ (GitHub) oder „Chaotic Eclipse“ (Blogspot) hat mit „YellowKey“ eine schwere Sicherheitslücke in BitLocker-Laufwerksverschlüsselung von Windows aufgespürt. Außerdem hat er eine weitere Rechteausweitungslücke „MiniPlasma“ in einem Windows-Treiber entdeckt.
Im „Windows Cloud Files Mini Filter“ hatte Microsoft bereits im Jahr 2020 versucht, eine Rechteausweitungslücke zu stopfen (CVE-2020-17103, CVSS 7.0, Risiko „hoch“). Unklar ist, ob der Patch irgendwann zurückgezogen wurde oder Microsoft ihn schlicht nicht verteilt. Jedenfalls ist die Schwachstelle – die Googles Project Zero damals gemeldet hatte – noch immer angreifbar. Der Proof-of-Concept-Exploit (PoC) auf GitHub soll vorführen, wie Angreifer sich damit SYSTEM-Rechte verschaffen, aber auch Googles alter PoC funktioniert demnach noch immer.
Etwas mehr Kopfzerbrechen bereitet die „YellowKey“-Schwachstelle in BitLocker. Wie für die kürzlich bekannt gewordene, auf BitUnlocker basierende Attacke ist lokaler Zugriff nötig. Allerdings reicht dafür ein einfacher USB-Stick aus. Auf den kopieren Angreifer den Ordner „\System Volume Information\FsTx“. Das Dateisystem muss dazu mit Windows kompatibel sein, also etwa FAT, FAT32, exFAT oder NTFS. Diesen Stick steckt man nun an einen Rechner mit aktiviertem BitLocker. Durch Gedrückthalten der Shift-Taste beim Start muss das System in die Windows-Wiederherstellungsumgebung booten. Darin klicken Angreifer auf Restart und halten statt der Shift-Taste nun die Taste Strg gedrückt. Das startet eine Shell mit uneingeschränktem Zugriff auf das eigentlich von BitLocker geschützte Laufwerk. Das soll unter Windows 11 und Server 2022 sowie 2025 funktionieren, die Windows-Wiederherstellungsumgebung von Windows 10 ist nicht betroffen. Was bei den BitUnlocker-abgeleiteten Angriffen hilft – eine Umgebung, die auf die Eingabe einer PIN vor dem Entschlüsseln und TPM-Schutz setzt –, ist hier offenbar wirkungslos, schreibt *Elipse in einem Blog-Beitrag.
Der IT-Sicherheitsexperte Will Dormann hat den Exploit getestet und berichtet auf Mastodon von seinen Schlüssen. Ihm zufolge ist etwa das Drücken und Halten von Strg nicht nötig, um in die Shell mit BitLocker-Laufwerk-Zugriff zu gelangen. Die genaue Funktionsweise ist derzeit noch immer unklar, aber es sieht so aus, als ob sich mit dem „\System Volume Information\FsTx“Ordner eines Laufwerks (der zu Transactional NTFS gehört) die Inhalte von anderen Laufwerken freischalten lassen. Ein User-Bericht unter Dormanns Beitrag deutet jedoch darauf, dass bei ihm das C-Laufwerk freigegeben wurde, das D-Laufwerk hingegen nicht.
In dem Blog-Eintrag schreibt *Eclipse außerdem, dass Microsoft eine der gemeldeten Schwachstellen anscheinend still und heimlich korrigiert hat. Die „RedSun“-Schwachstelle von Mitte April verschafft Angreifern Adminrechte. Die ist mit den Updates zum Patchday der vergangenen Woche offenbar gefixt worden – ohne etwa einen CVE-Schwachstelleneintrag.
(dmk)
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