Stand: 14.05.2026 • 12:36 Uhr

Der frühere Selenskyj-Vertraute Andrij Jermak galt als einer der mächtigsten Politiker der Ukraine. Nun muss er wegen Korruptionsverdachts in Untersuchungshaft. Es geht um Geldwäsche-Vorwürfe in Millionenhöhe.

In der Ukraine hat ein Gericht Untersuchungshaft gegen den früheren Präsidialamtschef Andrij Jermak angeordnet. Der ehemalige enge Vertraute von Präsident Wolodymyr Selenskyj muss sich wegen Geldwäsche-Vorwürfen verantworten.

Ihm und fünf anderen Verdächtigen werden illegale Millionengeschäfte bei einem Luxusbauprojekt vorgeworfen. Die Haft soll zunächst für 60 Tage gelten.

Die Vorwürfe bestreitet Jermak. Nach einer Anhörung schrieb er im Onlinedienst Telegram, der Verdacht sei "unbegründet". Als Jurist habe er sich "stets vom Gesetz leiten lassen". Er werde seine Rechte, seinen Namen und seinen Ruf verteidigen, erklärte er. Jermaks Anwalt hatte beantragt, ihn gegen eine bezahlbare Kaution auf freien Fuß zu setzen. Das Gericht setzte aber umgerechnet 2,72 Millionen Euro an.

Jermak leitete von 2020 bis 2025 das ukrainische Präsidialamt und galt bis zu seinem Rücktritt als einer der mächtigsten Politiker des Landes. Für die Ukraine führte er auch Gespräche über ein Ende des russischen Angriffskriegs.

Bei der Gerichtsverhandlung wurden auch Details über Jermaks Kontakt zu einer Esoterik-Beraterin offengelegt. Die Anklage ließ Chats zwischen Jermak und einer Frau verlesen, die in seinen Telefonkontakten als "Veronika Feng-Shui Büro" gespeichert gewesen sein soll. Demnach soll Jermak mit ihr über die Besetzung von Spitzenposten in der Ukraine gesprochen haben. Er habe ihr Geburtsdaten von Kandidaten geschickt und um Rat gebeten.

Ukrainischen Berichten zufolge bezeichnet sich die 51-jährige Frau aus Kiew als astrologische Beraterin. Das Präsidentenbüro teilte angesichts der Chats mit, man beschäftige sich nicht mit Esoterik, Numerologie, Feng-Shui oder Ähnlichem. Er habe nie derartige Vertreter in der Kanzlei gesehen, sagte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn.

Jermak war Ende November zurückgetreten. Zuvor hatte das Antikorruptionsbüro einen massiven Korruptionsskandal im Energiesektor aufgedeckt, in den mehrere Politiker verwickelt gewesen sein sollen.

Korruption gilt seit langer Zeit als Problem in der Ukraine. Ihre Bekämpfung wird als wichtige Voraussetzung für einen möglichen Beitritt des Landes zur Europäischen Union angesehen.

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