Stand: 24.09.2026 • 18:35 Uhr

Die deutsche Top-Ökonomin zieht es für eine neue Rolle nach Washington zum Internationalen Währungsfonds. Die Neubesetzung könnte interessant werden - denn auch die EZB-Präsidentin könnte ihren Posten vorzeitig räumen.

Die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel tritt Anfang 2027 vorzeitig ab und wechselt zum Internationalen Währungsfonds (IWF). Wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte, wird der Schritt Anfang Januar 2027 wirksam.

Schnabel werde am 4. Januar die Leitung der Abteilung Geld- und Kapitalmärkte beim IWF übernehmen. "Bis dahin wird Frau Schnabel ihre derzeitige Position behalten und ihre Aufgaben weiterhin wahrnehmen." Sie ist als Direktorin federführend für das Ressort Marktoperationen zuständig.

Das Ethik-Gremium der EZB habe entschieden, dass keine Übergangsphase nötig sei. Aufgrund ihres Wechsels werde Schnabel aber während ihrer verbleibenden Zeit im EZB-Rat nicht mehr in Angelegenheiten mit Bezug zum IWF involviert sein. Die Nachfolge werde vom Europäischen Rat geklärt.

Falls erforderlich, würden Schnabels Aufgaben im Direktorium nach ihrem Ausscheiden vorübergehend auf die verbleibenden Mitglieder aufgeteilt, teilte die Notenbank weiter mit. Ihre achtjährige Amtszeit bei der EZB läuft eigentlich erst Ende 2027 aus.

Schnabel wurde zu einer führenden Verfechterin von Krisenbekämpfungsinstrumenten wie dem Kauf von Staatsanleihen und argumentierte, dass Interventionen an den Märkten für Staatsanleihen unerlässlich seien, um eine finanzielle Fragmentierung zu verhindern und letztlich den Euro zu schützen.

"Unser Bekenntnis zum Euro ist unser Instrument gegen Fragmentierung", sagte Schnabel im Jahr 2022. "Dieses Bekenntnis kennt keine Grenzen. Und unsere Erfolgsbilanz, bei Bedarf einzugreifen, untermauert dieses Bekenntnis."

Diese Äußerungen, die den Weg für die Ankündigung eines neuen und bislang noch nicht genutzten Anleihekaufprogramms durch die EZB im Sommer desselben Jahres ebneten, knüpften an das Versprechen des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi an. Der forderte vor einem Jahrzehnt, "alles zu tun, was nötig ist", um den Euro zu erhalten.

EZB-Chefin Christine Lagarde dankte Schnabel "für ihren herausragenden Beitrag" in den vergangenen sieben Jahren. Sie habe maßgeblich zur Modernisierung der Arbeitsweise der EZB beigetragen, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen.

Mit ihrem vorzeitigen Abgang wird es nun wahrscheinlicher, dass es bei der Neubesetzung von Spitzenposten bei der EZB zu einer Paketlösung kommen wird. So könnten die Regierungsspitzen der Euro-Länder gleich drei freiwerdende Posten im EZB-Direktorium neu besetzen. Im Juni 2027 endet die Amtszeit von Chefvolkswirt Philip Lane und im Oktober 2027 die von EZB-Präsidentin Lagarde.

Seit Monaten gibt es Gerüchte, Lagarde könnte ihren Posten noch vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April 2027 räumen, um die Nachfolgesuche zu erleichtern. Medienberichten zufolge könnte die Französin im Laufe des Jahres 2027 die Präsidentschaft des Weltwirtschaftsforums übernehmen.

Obwohl theoretisch jedes Land Anspruch auf Schnabels Posten erheben kann, verfügen Deutschland, Frankreich und Italien de facto über einen ständigen Sitz im Direktorium. Würde Deutschland Schnabel jedoch einfach durch einen anderen Kandidaten ersetzen, käme dies dem Verzicht auf eine Kandidatur für den EZB-Vorsitz gleich, sobald Lagardes Posten frei wird.

Aus diesem Grund gehen mit der Angelegenheit vertraute Personen davon aus, dass eine Einigung über Schnabels Sitz voraussichtlich auch die beiden anderen Positionen umfassen wird.

Spanien setzt sich dafür ein, dass Pablo Hernández de Cos, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, EZB-Präsident wird. Die Niederlande bringen ihren früheren Notenbankchef Klaas Knot ins Spiel. Zudem wird auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel als ein Anwärter auf das EZB-Spitzenamt gehandelt. Unterdessen hofft Frankreich, sich den Posten des Chefvolkswirts zu sichern, wie mit der Sache vertraute Personen berichten.

Schnabel ist neben Lagarde die einzige Frau im Führungsgremium der EZB. Das Direktorium der EZB besteht aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und vier weiteren Mitgliedern, die jeweils für eine nicht verlängerbare Amtszeit von acht Jahren ernannt werden.

Schnabels vorzeitiger Rückzug reiht sich ein in eine Abfolge frühzeitiger Abgänge deutscher Vertreter bei der EZB. So stieg EZB-Direktor Jürgen Stark Ende 2011 vorzeitig aus. Ratsmitglied Jörg Asmussen hielt es weniger als zwei Jahre auf seinem Posten. Und die deutsche Direktorin Sabine Lautenschläger räumte Ende Oktober 2019 ihren Stuhl frühzeitig.

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