Stand: 16.05.2026 • 15:18 Uhr

Die Zahl der Pflege-Azubis steigt. Aber eine andere Zahl bereitet Sorge: Jeder Dritte kündigt schon in der Ausbildung. Doch es gibt Ideen, wie sich gegensteuern lässt.

Jonas, Emily und Lisa haben es fast geschafft: Sie sind im dritten Lehrjahr ihrer Pflegeausbildung im Ausbildungszentrum der Havellandkliniken in Nauen. Doch der Weg bis zu diesem Punkt war schwer. "Ich habe ein Jahr pausiert, weil es mir nicht gut ging", erzählt Emily. Eigentlich wollte sie hinschmeißen, doch die Schule gab ihr die Möglichkeit, zu unterbrechen statt abzubrechen. Jetzt ist sie wieder dabei.

Alle drei erzählen, dass es nicht immer einfach für sie war. Abbrechen komme jetzt aber nicht mehr in Frage. "Das eine Jahr schaffen wir jetzt auch noch. Wir schaffen das zusammen, wir gehen den Weg zusammen" - so motivierten sie sich in der Klasse gegenseitig, sagt Lisa. Die Parole heißt also "Durchhalten". Dabei haben sie sich alle bewusst für den Beruf entschieden.

Die Gründe für ein vorzeitiges Ende sind vielfältig. Das weiß auch ihre Schulleiterin, Anja Rummler. Manchmal fehle es an den Grundlagen. Heißt, die Azubis sind unpünktlich, unzuverlässig, die Noten nicht ausreichend. Oder die Befürchtung, der Job sei dann doch nicht das, was sie sich vorgestellt haben. "Manchmal kommt eine Schwangerschaft dazwischen, manchmal kommen auch Krankheiten dazwischen. Manchmal gibt es eine neue Perspektive. Manchmal ist es auch einfach zu viel", sagt sie. Und bei den ausländischen Schülern kämen auch noch Sprachprobleme mit den Fachbegriffen und Heimweh dazu.

Das Bundesamt für Statistik erhebt seit Beginn der neuen generalisierten Ausbildung zur Pflegefachkraft die Zahlen zu Ausbildung und zum Abbruch. Die gute Nachricht: Mehr Menschen entscheiden sich für den Pflegeberuf. 2023 waren es etwas mehr 54.000, 2025 schon etwa 64.300. Die Abbruchquote allerdings ist konstant hoch, im Bundesschnitt löst jeder Dritte seinen Vertrag auf, in Brandenburg waren es 2024 zwei von fünf Auszubildenden.

Doch das soll sich ändern. Seit Anfang des Jahres dürfen Gesundheits- und Pflegeschulen in Brandenburg sozialpädagogische Fachkräfte einstellen, die hier gezielt eingreifen. Finanziert werden die Stellen aus dem Pflege-Ausgleichsfonds auf Landesebene. Den größten Teil tragen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Auch das Land Brandenburg ist mit rund neun Prozent an den Kosten beteiligt.

Die Pflegeschule in Nauen hat noch keine Sozialarbeiter. Die Bewerbungsgespräche laufen aber bereits. Solange sind die Ausbilderinnen und Ausbilder auch Ansprechpartner für die großen und kleinen Probleme ihrer Auszubildenden. "Die Doppelrolle ist schwierig, weil es Vertrauen braucht und wir auch diejenigen sind, die die Noten geben, die Prüfungen beurteilen", sagt Anja Rummler, die Schulleiterin. Sie hofft, ihre Pflegeklassen mit der Hilfe von Sozialarbeitern besser zusammenhalten zu können.

Dass es funktioniert, weiß man Lübbenau in Südbrandenburg. "Das ist das Beste, was uns passieren konnte, weil unsere Schüler so einen Bedarf haben", sagt der Schulleiter der AWO-Pflegeschule, Frank Kuhlmann. Die Pflegeschule hat seit 2017 eine Sozialpädagogin im Team. In den ersten Jahren mussten sie sich diese mit anderen Schulen teilen, jetzt gehört Melanie Stephan ganz zu ihrer Schule.

Ganz ohne Abbrüche kommt aber auch die Schule in Lübbenau nicht durch. Im vergangenen Schuljahr begannen 72 Schüler die Ausbildung, zehn haben die Probezeit nicht überstanden. "Nur", wie der Schulleiter sagt. "Durch die supertolle Arbeit von Frau Stephan konnte da wirklich Schlimmeres verhindert werden."

Seit sie an der Schule hilft, sei die Abbrecherquote deutlich gesunken, weil sie sich um das kümmere, was gerade junge Menschen aus der Bahn werfen kann. Bei Stress mit der Klasse, Stress mit den Eltern oder mit dem Ausbildungsbetrieb, aber auch bei Prüfungsangst steht ihr Büro offen.

Zur Zeit bezahlt die Schule Melanie Stephan selbst. Denn der Finanzierungsbeschluss ist vom Land Brandenburg bisher nicht unterschrieben worden. Das soll aber zeitnah passieren und die Kosten dann auch rückwirkend erstattet werden.

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