Stand: 17.10.2026 • 13:13 Uhr

Marokkos Fußballpräsident Fouzi Lekjaa ist nun auch Finanzminister. Der Unterstützer Infantinos gewinnt an Macht, dabei legt die FIFA auf dem Papier Wert auf die Trennung von Sport und Politik.

Flug QE914 landete am Freitagabend (16.10.2026) um 21.51 Uhr in Rabat. Das war etwa 20 Stunden vor den ersten Spielen bei der U17-Weltmeisterschaft der Frauen, die in einem großen Sportkomplex nahe der marokkanischen Hauptstadt ausgetragen wird.

Das ist ein erstes Indiz für zumindest einen Insassen von QE914. Die weiteren zeigen mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino an Bord war. Da ist etwa der Abflugort Zürich, dem Sitz des Fußballweltverbandes, und der Betreiber des Flugzeugs. Das geflogene Modell ist zugelassen auf die Qatar Executive, die Privatsparte von FIFA-Sponsor Qatar Airways, die dem Präsidenten Flugzeuge zur Verfügung stellt, wann immer der mag.

Infantino war auch Anfang August in Rabat, damals hatte er zu einem Krisentreffen geladen, denn er war nach seinem gescheiterten Investorenplan schwer unter Druck geraten.

Unter Druck ist er immer noch, aber es sieht aktuell ganz gut für den 56 Jahre alten Schweizer aus, dass er am 18. März erneut zum Präsidenten gewählt wird - in Rabat.

Prince Moulay Abdellah Stadium in Rabat

Nahe des großen Sportkomplexes, in dem die U17-WM der Frauen bis 2029 jährlich ausgetragen wird, hat der marokkanische Fußballverband seinen Sitz. Dessen Präsident heißt Fouzi Lekjaa. Er gehört, wie auch Bernd Neuendorf, dem FIFA-Council an. Anders als neuerdings der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes hält Lekjaa aber treu zu Infantino.

Zwar befürwortete er auch das Ende der Investorenpläne, ließ aber mitteilen: "Die in den letzten Jahren durch die Entwicklungsprogramme der FIFA, insbesondere in Afrika, erzielten Fortschritte sind ein wertvolles Gut, das im Interesse aller Mitgliedsverbände erhalten werden muss."

Lekjaa ist Vizepräsident des afrikanischen Kontinentalverbandes CAF, und der ließ über seinen Boss Patrice Motsepe bei einem Treffen vor einigen Tagen reichlich Applaus spenden. Zudem sicherte die CAF Infantino geschlossen die Unterstützung zu. Das wären 54 Stimmen, der Schweizer benötigt 106, um erneut gewählt zu werden.

Auf Lekjaa darf Infantino sicher zählen, und damit nicht nur auf den Präsidenten des marokkanischen Fußballverbandes, sondern inzwischen auch Finanzminister des nordafrikanischen Staates. Am Freitag, als Infantino einflog, erhielt er die Ernennungsurkunde.

Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie, Lekjaa gehört der Partei PAM an, die dem Königshaus um den Monarchen Mohammed VI. nahesteht.

In einem Dossier bescheinigt die deutsche Bundesregierung dem Staat zwar einen Reformkurs, sieht aber weiterhin "Defizite in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Transparenz". Nichtregierungsorganisationen würden zudem "Einschränkungen der Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit sowie die strafrechtliche Verfolgung von Journalistinnen und Journalisten sowie von Personen, die sich für die Menschenrechte engagieren", kritisieren.

Marokko hat im Fußball mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Die A-Nationalmannschaft erreichte 2022 das Halbfinale der WM in Katar. Im vergangenen Jahr gewann es den Afrika-Cup im eigenen Land, allerdings unter dubiosen Umständen, wie die ARD-Dokumentation "Spiel ohne Sieger" zeigt. Der CAF mit Vizepräsident Lekjaa erklärte den sportlichen Finalsieg des Senegals Monate später für nichtig und Marokko zum Sieger.

Höhepunkt der sportpolitischen Bemühungen Marokkos war der Zuschlag für die WM 2030. Das afrikanische Land richtet das Turnier zusammen mit Spanien und Portugal aus. Zudem werden nach aktuellem Stand unter Annahme von 48 Teilnehmern je ein Spiel in Argentinien, Uruguay und Paraguay ausgetragen.

Noch offen ist, wer das prestigeträchtige Endspiel bekommt. Es konkurrieren Spanien mit dem Estadio Santiago Bernabéu und Casablanca. In der Stadt südlich von Rabat wird derzeit ein Stadion gebaut, das für 115.000 Zuschauer ausgelegt ist. Es soll angeblich eine halbe Milliarde US-Dollar kosten. Die Investitionen im Zuge der Weltmeisterschaft werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.

Der für die Finanzen zuständige Minister Lekjaa will trotz des naheliegenden Interessenkonfliktes auch künftig Präsident des Fußballverbandes bleiben. Die FIFA fordert auf dem Papier, dass nationale Verbände ihre Angelegenheiten unabhängig und ohne die Einmischung von Dritten regeln. Weil sie bei Nepal Verstöße festgestellt hatten, wurde dessen Verband supendiert, während in den USA Donald Trump sein Handy in die Hand nahm, um bei einer Roten Karte für Folarin Balogun zu intervenieren.

Fouzi Lekjaa war damals noch im Rang eines Staatsseketärs im Finanzministerium.

Extracted and lightly reformatted for readability. · Source: de