Stand: 14.10.2026 • 02:31 Uhr
Google will Milliarden in Finnlands digitale Infrastruktur investieren. Für ein geplantes Rechenzentrum wurden mehr als 300 Hektar Wald gerodet - offenbar ohne die vorgeschriebenen Genehmigungen.
Es sieht aus, als wäre ein besonders heftiger Sturm durch den Wald gezogen. Eine riesige kahle Fläche, größer als 400 Fußballfelder. Wo bis vor Kurzem noch Bäume standen, ist jetzt der Boden freigelegt. Doch eine Naturkatastrophe hat es hier nicht gegeben. Der Kahlschlag ist menschengemacht.
In Muhos im Nordwesten Finnlands wurde auf mehr als 300 Hektar Wald gerodet. Hier soll ein Rechenzentrum des US-Konzerns Google entstehen. Doch die finnischen Behörden haben die Arbeiten vorerst gestoppt. Nach Angaben des finnischen Naturschutzbundes fehlten dafür wichtige Voraussetzungen: eine Umweltverträglichkeitsprüfung, Genehmigungen und ein Bebauungsplan.
Hanna Halmeenpää, Vorsitzende des finnischen Naturschutzbundes, spricht von einem außergewöhnlichen Fall. Die Rodungen seien durchgeführt worden, ohne dass die erforderlichen Prüfungen abgeschlossen gewesen seien. Das zeige entweder grobe Fahrlässigkeit oder große Dreistigkeit – oder beides, sagt sie.
Nicht nur die gefällten Bäume bereiten den Naturschützern Sorgen. Durch die Arbeiten wurde auch der Waldboden freigelegt. Das könnte langfristige Folgen für die Umwelt haben, warnt Halmeenpää.
In der Region gebe es Böden, die Wasser versauern könnten. Wenn Regenwasser durch diese Schichten fließe, könne es Schadstoffe aufnehmen und in Flüsse gelangen.
Google hat sich inzwischen für die Vorgänge entschuldigt. Der finnische Konzernchef Antti Järvinen räumte im Interview mit dem finnischen Sender mtv Fehler ein. Man habe Entscheidungen nach bestem Wissen und auf Grundlage der geltenden Gesetzgebung getroffen. Die Verantwortung für das Geschehene liege beim Unternehmen.
Gemeinsam mit den zuständigen Behörden überprüfe Google die Situation und versuche, mögliche Umweltschäden zu verhindern.
In der Gemeinde Muhos verbindet Bürgermeister Kimmo Hinno große Hoffnungen mit dem geplanten Rechenzentrum. Weniger als 9.000 Menschen leben in dem Ort, die nächste größere Stadt ist rund 40 Minuten mit dem Auto entfernt.
Die Investition könne zahlreiche Arbeitsplätze schaffen, während der Bauphase ebenso wie später im laufenden Betrieb. Hinno erwartet außerdem eine höhere Nachfrage nach Dienstleistungen, etwa in der Gastronomie und im Übernachtungsgewerbe.
Google plant, insgesamt 13 Milliarden Euro in Finnlands digitale und energetische Infrastruktur zu investieren. Das Land ist für den US-Konzern aus mehreren Gründen attraktiv: Wegen der niedrigen Temperaturen lassen sich die Server leichter kühlen. Zudem ist Strom in Finnland vergleichsweise günstig.
Doch der Ausbau der Rechenzentren bringt neue Herausforderungen mit sich. Der Boom der künstlichen Intelligenz lässt den Bedarf an Rechenleistung steigen und damit auch den Bedarf an Strom. Rechenzentren benötigen große Mengen Energie, um Server zu betreiben und zu kühlen.
Das könnte langfristig auch Auswirkungen auf die Strompreise für Haushalte und Unternehmen in der Region haben, fürchten manche. Umweltministerin Sari Multala betont im Sender yle, dass die Politik sicherstellen müsse, dass Verbraucher weiterhin ausreichend Strom zu vernünftigen Preisen bekämen.
Für Finnland geht es damit um mehr als ein einzelnes Bauprojekt. Der Fall Muhos zeigt, wie groß der Flächenbedarf für die Infrastruktur hinter künstlicher Intelligenz sein kann. Unter welchen Bedingungen Googles Projekt in Muhos weitergebaut werden kann, muss nun mit den zuständigen Behörden geklärt werden. Klar ist bereits: Der Ausbau der KI-Infrastruktur bringt wirtschaftliche Chancen, aber auch Konflikte.
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