Stand: 06.11.2026 • 15:50 Uhr
Zwei Spiele, drei Punkte Rückstand und Erinnerungen an die "Schande von Gijón" 1982: Dem DFB-Team um Bundestrainer Jürgen Klopp drohen bei den kommenden Länderspielen komplizierte Rechenspiele.
Nach gut einem Monat Pause geht es für das DFB-Team wieder um Punkte in der Nations League. Zum Abschluss der Gruppenphase ist Deutschland am 13. November in Belgrad gegen Serbien gefordert, drei Tage später sind in Berlin die Niederlande zu Gast.
Das Länderspieljahr 2026 mit dem Einzug ins Viertelfinale abzuschließen, würde nicht nur Klopps erstes Zwischenfazit als Bundestrainer aufhübschen. Es wäre auch für die Aufbruchsstimmung von Vorteil.
Doch wie ist der Status quo vor dem Endspurt der Gruppenphase? Das erste Spiel der Klopp-Ära in den Niederlanden endete 1:1, anschließend folgte ein 0:1 gegen Griechenland. Im dritten Spiel gelang beim 2:0 gegen Serbien der bislang einzige Sieg unter Klopp, ehe die XL-Länderspielpause mit einem 0:0 gegen Griechenland endete.
In der Tabelle stehen die Deutschen mit fünf Zählern auf dem dritten Rang. Sowohl die Niederlande als auch die Griechen sind noch ungeschlagen und mit jeweils acht Punkten auf den ersten beiden Plätzen. Diese bedeuten auch den Viertelfinal-Einzug. Serbien steht abgeschlagen mit vier Niederlagen am Tabellenende und hat keine Chance mehr auf die Runde der letzten acht. Für die Serben geht es dennoch um einiges - dazu später mehr.
Die besten Chancen auf das Viertelfinale hat das DFB-Team logischerweise mit sechs Punkten. Gewinnt Deutschland zum Beispiel gegen Serbien, während die Niederlande parallel gegen Griechenland verlieren, gingen die beiden Rivalen je mit acht Punkten ins Gruppenfinale. Dann würde ein zweiter Sieg von Deutschland sicher fürs Viertelfinale reichen.
Doch auch mit sechs Punkten wäre ein Weiterkommen nicht garantiert. Achtung, jetzt wird es kompliziert: Gewinnen die Niederlande zunächst gegen Griechenland und die Griechen danach gegen Serbien, schließen alle drei Konkurrenten die Gruppe mit elf Punkten ab.
In solch einem Fall werden nur die direkten Duelle der Dreier-Spitzengruppe gewertet. Absteigend entscheiden dann zunächst Punkte, Tordifferenz und erzielte Tore in den Partien untereinander über die finalen Platzierungen.
Dergestalt könnte sich eine brisante Konstellation am letzten Spieltag gegen die Niederlande anbahnen. Gewinnt Deutschland in Serbien und schlagen die Niederlande gleichzeitig Griechenland mit zwei Toren Vorsprung, könnten die DFB-Elf und "Oranje" mit einem 1:0-Sieg Deutschlands beide das Viertelfinale erreichen - auf Kosten der Griechen. Dann wäre "Oranje" Gruppensieger, die DFB-Elf Zweiter und Griechenland als Dritter raus.
Im konkreten Rechenbeispiel hätten Deutschland, die Niederlande und Griechenland je elf Punkte und je fünf Zähler aus den direkten Duellen. Die Tordifferenz aus den Spielen untereinander gäbe den Ausschlag für die Niederlande (+1) und Deutschland (0) vor den Griechen (-1), obwohl diese gegen Deutschland eine positive Bilanz (1:0/0:0) aufweisen.
Da werden Erinnerungen wach an die "Schande von Gijón" bei der WM 1982. Im letzten Gruppenspiel reichte Deutschland und Österreich damals ein 1:0 der DFB-Elf zum Weiterkommen. Nach dem frühen Führungstor von Horst Hrubesch stellten beide Teams ihre Angriffsbemühungen ein, Algerien musste tatenlos zusehen.
Letztlich ist bei der Rechnung noch viel Konjunktiv im Spiel, denn es gibt zahlreiche andere Varianten in der Gruppe 2 der A-Liga. Griechenland hat zudem sein sportliches Schicksal selbst in der Hand. Ein Sieg in den Niederlanden und die Griechen wären sicher im Viertelfinale. Deutschland und "Oranje" müssten das zweite Ticket untereinander ausspielen.
Auch vier Punkte könnten Deutschland reichen. Holt das DFB-Team ein Remis in Serbien und schlägt die Niederlande, wäre es bei einem niederländischen Remis oder einer Niederlage gegen Griechenland an "Oranje" vorbei.
Bei einem Sieg in Serbien und einem Remis gegen die Niederlande wäre Deutschland dagegen auf Schützenhilfe angewiesen. Auch bei einem "Oranje"-Sieg gegen Griechenland müsste Serbien Deutschland im Fernduell helfen.
Selbst mit nur einem Sieg ist das Viertelfinale theoretisch noch möglich - allerdings nur in einer sehr speziellen Konstellation. Deutschland müsste in Serbien verlieren und anschließend die Niederlande schlagen.
Gleichzeitig müsste Griechenland in Amsterdam gewinnen. Dann wäre Griechenland enteilt, während Deutschland und die Niederlande bei acht Punkten lägen. Durch den Sieg am 6. Spieltag hätte Deutschland nach dem 1:1 im Hinspiel den direkten Vergleich gewonnen.
Gewinnt Deutschland dagegen nur gegen Serbien und verliert gegen die Niederlande, ist das Viertelfinale nicht mehr erreichbar. Gleiches gilt bei zwei oder weniger Punkten aus den letzten beiden Spielen.
Ein verpasstes Viertelfinale bedeutet nicht automatisch den Abstieg. Die beiden besten Gruppendritten der Liga A bleiben erstklassig, die beiden anderen müssen im März 2027 in die Abstiegs-Playoffs.
Auch als Gruppenletzter wäre der direkte Abstieg nicht sicher: Die zwei besten Vierten erreichen ebenfalls die Playoffs, nur die beiden schlechtesten steigen direkt ab. Genau deshalb sind die restlichen Spiele auch für Serbien noch so wichtig. Sie könnten trotz vier Pleiten zum Auftakt noch den Abstieg verhindern.
Deutschlands Ausgangslage bleibt kompliziert: Sechs Punkte bieten die beste Chance aufs Viertelfinale, unter bestimmten Umständen können auch vier oder sogar drei reichen. Sicher ist: Das DFB-Team muss im Vergleich zu den ersten vier Spielen einen Zahn zulegen.
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