Stand: 14.05.2026 • 18:30 Uhr

Die iranische Fußball-Nationalmannschaft ist mit kämpferischen und martialischen Botschaften ins WM‑Trainingslager in die Türkei verabschiedet worden.

"Wir wollen, dass ihr mit Einsatz und Entschlossenheit die Würde Irans bei der WM repräsentiert, und dabei habt ihr unsere volle Rückendeckung", sagte Präsident Massud Peseschkian laut Staatssender "Irib" beim Treffen mit Spielern und Trainerstab in Teheran.

Im Anschluss folgte eine große Verabschiedung auf dem Revolutionsplatz im Zentrum der Hauptstadt, die auch im Staatssender live übertragen wurde. Auf sozialen Netzwerken zeigte der Verband ein Video von der Veranstaltung.

Bei der staatlichen Zeremonie mit ausgewählten Fans ging es weniger um Fußball als um den Widerstand gegen den Kriegsgegner USA. Die derzeitige Waffenruhe in dem militärischen Konflikt gilt als fragil.

"Bei der WM werdet ihr den Iran als Teil der Widerstandsfront und als Kriegshelden des Obersten Führers vertreten", erklärte Fußball-Verbandschef Mehdi Tadsch. Präsentiert wurde zudem eine neue Hymne für das Team, die eher an Kriegsrhetorik erinnerte als an Fußball: "Unsere Nationalmannschaft ist die Fußball-Nationalmannschaft in Kriegszeiten."

"Für das Blut der Märtyrer, singt die Nationalhymne mit Entschlossenheit und ohne zu zögern", stand auf einem Plakat. Bei der WM 2022 in Katar hatten mehrere Spieler die Hymne nicht gesungen, sie gerieten unter Druck. Ein ähnlicher Fall beim Frauen-Team löste eine diplomatische Krise aus.

Unklar ist weiterhin, ob alle Spieler, Trainer und vor allem die Verbandsfunktionäre ein US‑Visum erhalten. Mehreren Teammitgliedern wird eine Zusammenarbeit mit den Revolutionsgarden vorgeworfen. Die Revolutionsgarden stehen in den USA auf der Terrorliste - jeder, der mit ihnen in Verbindung gebracht wird, könnte abgewiesen werden. Verbandschef Tadsch war selbst Mitglied der Revolutionsgarden. Dem FIFA-Kongress in Kanada blieb die iranische Delegation fern, nachdem Vertreter des Verbands die Einreise verweigert worden war.

Der Iran kokettierte öffentlich mit einem WM-Boykott. Zuletzt versicherten aber iranische Vertreter genauso wie FIFA-Präsident Gianni Infantino immer wieder, dass das Team mitspielen werde.

Spieler der iranischen Nationalmannschaft bei der Zeremonie in Teheran

Wegen des Krieges und der brüchigen Waffenruhe konnte das Team im Trainingslager in Teheran kein einziges Testspiel bestreiten. Trainer Amir Ghalenoei war gezwungen, die Mannschaft dreimal intern als A- und B-Team gegeneinander spielen zu lassen. Im Trainingslager im türkischen Antalya soll kommende Woche endlich ein Testspiel stattfinden - gegen Gambia, die Nummer 116 der FIFA‑Weltrangliste.

Die WM-Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko beginnt am 11. Juni. Die Iraner treffen in der Vorrunde in den USA auf Neuseeland, Belgien und Ägypten. Die Spiele sollen in Seattle und Los Angeles stattfinden.

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Quelle: dpa/sid/nch

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