Russland stellte am Montag (05.10) klar: Der Tod einer Labormitarbeiterin sei nicht auf einen Pesterreger zurückzuführen. Die 28-Jährige sei an einer "Lungenentzündung unbekannter Herkunft" gestorben, zitiert die russische Nachrichtenagentur Interfax die russische Seuchenbekämpfungsbehörde Rospotrebnadsor.
Demnach seien in Proben der Toten keine Mikroorganismen nachgewiesen worden, "die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen". Damit widerspricht die Behörde bisherigen Informationen.
Lokale Medien hatten zuvor berichtet, dass die Mitarbeiterin eines Instituts zur Bekämpfung von Pesterkrankungen ein Reagenzglas habe fallen lassen. Kurz danach sei sie am vergangenen Freitag im Kreiskrankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk in Sibirien gestorben.
Die US-Nachrichtenseite Axios hatte als einer der ersten über den vermeintlichen Vorfall berichtet. Dort wurde ein Mitarbeiter der Trump-Regierung mit den Worten zitiert, man sei sich der Lage bewusst, "beobachte den Ausbruch und prüfe Optionen". Axios hatte auch berichtet, dass rund 200 Menschen unter Beobachtung gestellt wurden, die mit der Verstorbenen in Kontakt gekommen waren. Auch Donald Trump hat sich mittlerweile zu der Situation geäußert und Russland Hilfe angeboten.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die Pestgefahr in Irkutsk derzeit als moderat bis niedrig ein , fordert aber Aufklärung. Ähnlich sieht es auch das Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC. In einer am 6. Oktober 2026 veröffentlichten Mitteilung erklärte die Organisation jedoch, dass "auf der Grundlage der derzeit nur begrenzt verfügbaren Informationen keine Berichte über Sekundärfälle vorliegen und es keine Hinweise auf eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt."
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Offiziellen russischen Angaben zufolge wurden zwei Krankenhäuser und eine Kinderklinik unter Quarantäne gestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts befanden sich örtlichen Berichten zufolge an ihrem Arbeitsplatz in Quarantäne. Es habe keine weiteren Infektionen gegeben.
Dennoch herrscht weiter Misstrauen, was die russische Informationspolitik angeht. Auf einem russischsprachigen Social-Media-Kanal der DW schreibt eine Nutzerin: "Es würde mich nicht wundern, wenn es dort jetzt zu einer Katastrophe kommt, sowohl was die Ausbreitung als auch die Quarantänemaßnahmen angeht." Wie sich die Situation tatsächlich entwickelt, bleibt abzuwarten.
Die Lungenpest ist eine von drei Pestformen - Beulenpest, Pestseptikämie und Lungenpest -, die alle durch dasselbe Bakterium verursacht werden. Das Bakterium nennt sich Yersinia pestis und kommt üblicherweise in Nagetieren vor. Flöhe dienen als sogenannte Vektoren und können das Bakterium dann auf den Menschen übertragen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt die Lungenpest als die aggressivste Form der Pest. Ihre Inkubationszeit kann bei nur 24 Stunden liegen, und sie ist die einzige Form, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Das geschieht vor alle durch Atemwegspartikel, die beim Husten eines erkrankten Patienten freigesetzt werden. Deshalb könne die Lungenpest schwere Epidemien auslösen.
Die Symptome treten schnell auf: hohes Fieber, Kopfschmerzen und Schwäche, gefolgt von einer sich rasch verschlechternden Lungenentzündung mit Atemnot, Brustschmerzen und einem Husten, der häufig Blut hervorbringt.
Eine Person kann sich mit Lungenpest infizieren, indem sie die Bakterien direkt einatmet, oder die Krankheit entwickelt sich, wenn eine andere Form der Pest, meist die Beulenpest, auf die Lunge übergreift.
Der Unterschied liegt darin, wo sich die Infektion im Körper festsetzt. Das bestimmt, wie sich die Krankheit ausbreitet und wie tödlich sie ist. Die Beulenpest ist die häufigste Form und jene, bei der die meisten Menschen an den Schwarzen Tod des Mittelalters denken, der etwa 25 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.
Sie wird meist durch einen Flohbiss verursacht. Die Bakterien wandern zum nächstgelegenen Lymphknoten, der sich zu einer schmerzhaften Schwellung - einer Beule - entwickelt. Bleibt die Beulenpest unbehandelt, können sich die Bakterien weiter im Körper ausbreiten. Gelangen sie in den Blutkreislauf, entwickelt sich die Pestseptikämie.
Diese kann Blutungen unter der Haut und Organversagen verursachen. Erreichen die Bakterien die Lunge, entsteht die Lungenpest - die Form, die von Mensch zu Mensch über die Luft übertragen werden kann. Die Pestseptikämie und die Lungenpest können sich auch direkt entwickeln, ohne dass zuvor eine Beule auftritt.
Unbehandelt tötet die Beulenpest laut WHO zwischen 30 und 60 Prozent der Patienten. Die Pestseptikämie und die Lungenpest sind ohne Behandlung immer tödlich.
Die Lungenpest ist heilbar - aber nur, wenn die Behandlung schnell beginnt. Die WHO warnt, dass sie ohne Behandlung innerhalb von 18 bis 24 Stunden nach den ersten Symptomen tödlich enden kann. Gängige Antibiotika können die Infektion heilen, und die Heilungsraten sind hoch, wenn Patienten innerhalb von etwa einem Tag nach Erkrankungsbeginn behandelt werden.
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Ärzten wird geraten, nicht auf eine Laborbestätigung zu warten, sondern mit der Antibiotikagabe zu beginnen, sobald der Verdacht auf Pest besteht, so die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Die eingesetzten Medikamente sind handelsübliche, weit verbreitete Antibiotika, und Patienten benötigen in der Regel eine Behandlung von bis zu zwei Wochen. Um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern, werden Patienten isoliert. Laut WHO hilft auch das Tragen von Masken.
Personen, die engen Kontakt zu einem Patienten hatten, werden auch behandelt, selbst wenn sie keine Symptome zeigen. Sowohl die WHO als auch die CDC empfehlen für enge Kontaktpersonen von Lungenpest-Erkrankten eine siebentägige vorbeugende Antibiotikabehandlung.
Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) kommt die Pest noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor. In Deutschland hingegen nicht. Das Risiko der Einreise eines mit dem Pesterreger Infizierten sei gering. Auch gebe es wirksame Maßnahmen, um eine Ausbreitung zu verhindern.
Der Artikel wurde am 07.10 aktualisiert.
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