Stand: 07.10.2026 • 14:49 Uhr

München bewirbt sich um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Über die Vergabe entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) - und zwar so ...

Das Wort "Dialog" ist dem IOC wichtig. Aktuell befinden sich München und sechs weitere Städte und Regionen im sogenannten kontinuierlichen Dialog (continuous dialogue). Das bedeutet soviel wie: Alle haben offiziell ihren Hut in den Ring geworfen.

Der weitere Zeitplan für die Sommerspiele 2036 sieht so aus:

Schafft es München im März 2027 in den strategischen Dialog, dann heißt das: Spiele in Deutschland passen zur strategischen Ausrichtung des IOC für 2036. Das ist nicht selbstverständlich, denn das IOC könnte sich beispielsweise auch auf Asien als Kontinent festlegen. Dann wäre München chancenlos, würde aussortiert und könnte sich zumindest für 2036 weitere Bemühungen sparen.

Aus dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) heißt es deshalb auch immer: Deutschland muss bereit sein, wenn Europa gefragt ist.

Nachdem das IOC und die Kandidaten gemeinsam weiter an den Konzepten gearbeitet haben, wird im Dezember 2028 wohl erneut ausgesiebt für den nächsten Dialog, den gezielten Dialog. Zuletzt war dieser einem Bewerber vorbehalten, es war also eine Vorentscheidung. Das kann auch weiterhin passieren, muss aber nicht.

Am Ende dieser Phase geben die Bewerber ihre finalen Konzepte ab, wobei das IOC besonders auf die Stabilität und auf finanzielle Garantien achten will. Die finale Wahl treffen am Ende die IOC-Mitglieder Mitte 2029 auf einer Vollversammlung, der IOC Session.

An dieser Stelle müssen wir drei Gremien genauer trennen: die IOC Session, die Future Host Commission und das IOC Executive Board. Die IOC Session ist laut der Olympischen Charta dafür zuständig, den Austragungsort zu wählen. Ob sie 2029 aber wirklich eine Wahl hat, ist unklar. Es wird nicht ausgeschlossen, dass am Ende nur ein einziges Konzept zur Wahl gestellt wird.

Die Entscheidung darüber trifft das Executive Board, also der Vorstand des IOC. Es besteht aus Präsidentin Kirsty Coventry, vier Vizepräsidenten sowie zehn weiteren, von der Session gewählten IOC-Mitgliedern. Dieser Vorstand ist die entscheidende Kraft im Auswahlverfahren. Das Executive Board entscheidet in jeder Stufe, welche Konzepte es in die nächste Dialogphase schaffen.

Die Fleißarbeit verrichtet die Future Host Commission. Sie besucht die Bewerber, macht Verbesserungsvorschläge und arbeitet Berichte und Empfehlungen aus, auf deren Basis das Executive Board seine Entscheidungen treffen soll. Die Kommission besteht aus neun stimmberechtigten Mitgliedern und Christophe Dubi, dem IOC-Direktor für die Olympischen Spiele.

Mitglieder der Future Host Commission des IOC

Die Dialogisierung der Olympiavergabe ist in der Ära Thomas Bach entstanden. Sie war auch eine Reaktion auf zahlreiche Korruptionsskandale und Fehlentwicklungen aus den Zeiten, als die IOC-Mitglieder auf den Sessions die freie Wahl hatten. Vorsichtig ausgedrückt: Viele von ihnen ließen sich gerne großzügig umgarnen von den Bewerbern.

Hinzu kam, dass die Kandidaten versuchten, sich mit Superlativen zu überbieten. Sowohl die Bewerbungen als auch die Spiele selbst wurden deshalb immer teurer. Am Ende fanden sich kaum noch Interessenten aus nicht-totalitären Staaten.

Um dem entgegenzusteuern, reformierte der damalige IOC-Präsident Bach das Vergabeprozedere, hob starre Regeln auf, erfand die Future Host Commission und machte das Executive Board zum entscheidenden Gremium. So kam es 2017 zur Doppelvergabe der Sommerspiele nach Paris (2024) und nach Los Angeles (2028) sowie im Februar 2021 zur frühen Festlegung auf Brisbane (2032).

Aktuell scheint das Interesse an den Sommerspielen tatsächlich wieder gewachsen zu sein. Das IOC nannte neben Deutschland sechs weitere Nationen als Interessenten für die Sommerspiele 2036: Indien, Katar, Südkorea, Türkei, Ungarn und Südafrika.

Einer der Nachteile der Reformen war jedoch, dass die Vergabe im Hinterzimmer passierte, ohne klare Kriterien und transparente Abläufe. Die IOC-Session als zumindest formell demokratische Instanz konnte nur noch abnicken - und daran störten sich viele IOC-Mitglieder. Bachs Nachfolgerin Coventry versprach, den IOC-Mitgliedern wieder mehr Einfluss zu geben.

Dass sie dieses Wahlversprechen zur Zufriedenheit aller eingelöst hat, ist fraglich. Sie führte zwar die neue Zwischenphase "strategischer Dialog" ein und will die IOC-Mitglieder intensiver über den Fortschritt der Gespräche informieren. Aber die IOC-Mitglieder bleiben auch hier nur Beobachter und haben keine Garantie, dass sie am Ende noch die Wahl zwischen zwei oder mehreren Konzepten haben.

Bleibt noch die Frage, was passiert, wenn München die Spiele 2036 nicht erhält. Dann hat die Stadt durch das erfolgreiche Referendum weiterhin das Mandat, sich um die Spiele 2040 und 2044 zu bemühen. Wie genau das Verfahren dann aussieht, ist offen. Gut möglich, dass die Reform der Prozess-Reform bis dahin noch reformiert wird.

Quelle: red

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