Analyse
Stand: 29.10.2026 • 17:16 Uhr
Vier Niederlagen zum Start, nun fünf Pflichtspiele ohne Niederlage: Unions Fußballerinnen haben den Fehlstart überwunden. Ein Experte sieht drei Hauptgründe für den Aufschwung.
Zwischen dem 0:3 beim 1. FC Köln und dem 4:4-Spektakel zuletzt beim Hamburger SV liegen anderthalb Monate. Gleichzeitig könnte man sagen: Welten trennen das Frauen-Team von Union Berlin von damals vom aktuellen. Als potenzielles Durchstarter-Team wurde die hochveranlagte Auswahl der neuen Trainerin Marie-Louise Eta vor Saisonbeginn gehandelt. Als Ziel wurde eine Platzierung im oberen Tabellendrittel ausgegeben – und selbst das wirkte noch vorsichtig angesichts einer erneuten sommerlichen Transfer-Offensive rund um die Nationalspielerin Lisanne Gräwe (Eintracht Frankfurt).
Nach den ersten drei Saison-Niederlagen machte Trainerin Eta noch das schwere Auftaktprogramm mitverantwortlich (u.a. FC Bayern München) und erinnerte daran, dass "wir eine junge Mannschaft haben, mit der wir jetzt die nächsten Schritte gehen wollen". Dann folgte eben das 0:3 beim 1. FC Köln. Nix war's mit nächsten Schritten. Union kam nicht vom Fleck, wirkte seltsam gehemmt und harrte auf dem vorletzten Tabellenplatz. Alle vier Spiele verloren, nur ein Tor erzielt.
"Vor allen Dingen waren die Stürmerinnen ziemlich isoliert", sagt Union-Kenner Paul Kneffel, der das Online-Magazin "Die Schlosserinnen" [dieschlosserinnen.de] über die Profi-Frauenabteilung des 1. FC Union verantwortet, über die ersten Saisonspiele. "Egal wer in der Sturmspitze gespielt hat, ist abgetaucht, weil das Team keinen Weg gefunden hat, den Angriff ans Spiel zu binden." Es habe viel Kombinationsfußball gegeben, eigentlich habe es ganz nett ausgesehen, "aber der Gegner konnte die Räume gegen Union leicht dicht machen", so Kneffel.
Irgendwas muss dann mit dem Team passiert sein. Jedenfalls siegte sich Union Berlin durch den Pokal und die Liga, gewann vier Pflichtspiele in Folge. Drei konkrete Fortschritte erkennt Kneffel - natürlich als erstes im Angriff: Ganze 18 Unioner Tore gab es in den vergangenen fünf Spielen. "Die Sturmspitzen sind besser im Spiel und dabei nicht nur auf den Abschluss fixiert. Nele Bauereisen hat zum Beispiel im letzten Spiel fünf Torschüsse vorgelegt."
Gerade auch, weil – der zweite Grund – über die Außen von Jill Janssens (kam von Hoffenheim), Judith Pujols (VfL Wolfsburg) und auch Tomke Schneider sowie Naika Raissner eine große Dynamik ausgehe. "Dass die Spielerinnen nun eingespielter sind, macht den Unterschied aus", so Kneffel.
Und dann sei da noch die Defensive, die viel stabiler dasteht. "Natürlich wirkt dieser Punkt etwas merkwürdig, wenn man gerade vier Gegentore gekriegt hat", sagt Kneffel, mit Blick auf das 4:4 beim Hamburger Team von Rodolfo Cardoso. Aber Kneffel verweist bei der Flut an Gegentoren auf die Entstehung, nämlich zwei Strafstöße und ein Freistoß. Man könnte hinzufügen: Das erste Tor war ein abgefälschter Sonntagsschuss. Spielerisch wussten die Hamburgerinnen den Gästen tatsächlich wenig entgegenzusetzen.
Die bislang größte personelle Überraschung erkennt Kneffel in Bauereisen, die nach anderthalb Jahren bei Union und ohne Verletzungen mit ihrer Physis und Geschwindigkeit zu der Spielerin werde, die sie sein könne. Auch Jill Jannsens Geschwindigkeit und Lisanne Gräwes Führungsqualitäten zählt er zu wichtigen Faktoren. Das obere Tabellendrittel sei nach wie vor "absolut realistisch", glaubt Kneffel. Am Samstag ist Union aber zunächst im DFB-Pokal gefordert, erneut heißt der Gegner Hamburger SV. Mit einem Sieg würden die Unionerinnen Vereinsgeschichte schreiben: Es wäre der erste Viertelfinaleinzug für die Frauen.
Sendung: rbb|24, 29.10.2026, 16:02 Uhr Audio: rbb|24, 29.10.2026, Shea Westhoff im Gespräch mit Paul Kneffel
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