Stand: 09.10.2026 • 15:06 Uhr

Vor wenigen Tagen war Altkanzler Schröder zu Gast beim russischen Präsidenten Putin. Anlass war der Geburtstag des Kremlchefs. Die Reise ruft parteiübergreifend Kritik hervor und empört auch Bundeskanzler Merz.

Am Mittwoch feierte Russlands Präsident Wladimir Putin seinen 74. Geburtstag - und dazu hatte er auch einen "alten Freund" eingeladen, wie der Kreml mitteilte: den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dessen Besuch ruft in Deutschland scharfe Kritik hervor.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz sei "zutiefst empört" über das Treffen, teilte Regierungssprecher Steffen Meyer im Namen des CDU-Chefs mit. Meyer betonte, "Putin allein" sei für den fortwährenden Krieg gegen die Ukraine verantwortlich. Seine Befehle sorgten täglich für "unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete".

Und Russland lasse kein Interesse daran erkennen, diesen "bestialischen Krieg" zu beenden, so Meyer weiter. Vor diesem Hintergrund sei Schröders Reise zu Putin "als geradezu unmoralisch" zu werten. Allein in den vergangenen zwei Tagen kamen nach ukrainischen Angaben fast 80 Menschen durch russische Angriffe ums Leben.

Das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium betonten, dass sie nicht vorab über die Reise des Altkanzlers informiert worden seien und die deutsche Botschaft vor Ort keine Hilfe geleistet habe.

Neben dem Bundeskanzler verurteilte auch CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann beim Kurznachrichtendienst X Schröders Besuch mit den Worten "Schampus, Kaviar und Bomben". Während Schröder mit Putin gefeiert habe, seien in der Ukraine Kinder durch russische Angriffe gestorben, schrieb sie.

Auch aus anderen Parteien kam scharfe Kritik. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann bezeichneten die Reise nach Moskau als "Schande". Das sei auch "ein Verrat an Europa" und ein "Bärendienst für Frieden", schrieb Göring-Eckardt. Strack-Zimmermann beschrieb den früheren Kanzler als "Deutschlands frechsten Rentner". Schröder sei "zu krank" für Untersuchungsausschüsse, aber für "gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty" bei Putin reiche es dann doch.

Die Fraktionschefin der Linkspartei, Heidi Reichinnek, warf Schröder "politische und moralische Rückgratlosigkeit" vor. Gerade als Altkanzler trage dieser eine besondere Verantwortung, sagte sie dem Tagesspiegel.

Auch aus Schröders eigener Partei kam Kritik: Dieser Besuch sei "völlig inakzeptabel", sagte SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil der Süddeutschen Zeitung. "Russland führt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine und hat unermessliches Leid über die Menschen dort gebracht." Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller sagte, mit seiner Reise zeige Schröder, wie weit er sich von den fundamentalen Prinzipien der Sozialdemokratie entfernt habe.

Der SPD-Außenpolitiker und Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner verteidigte Schröders Besuch indes. Schröder sei kein Politiker mehr, er sei als Privatperson nach Russland gereist. "Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist", mahnte Stegner im Gespräch mit dem Nachrichtenportal t-online. Und eventuell könne sein Besuch sogar nützen, um einem Waffenstillstand in der Ukraine näherzukommen. Daran könne er nichts Falsches erkennen.

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Seit Langem pflegt er die Verbindungen zu Putin. Zum Ende seiner Amtszeit vereinbarte der SPD-Politiker mit dem russischen Präsidenten den Bau der Ostseepipeline Nord Stream. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik übernahm Schröder Funktionen bei Nord Stream und dem russischen Energiekonzern Rosneft. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Schröder in Russland zum Mitglied des Aufsichtsrats des dortigen Ablegers der Globus-Gruppe ernannt wurde.

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