Stand: 18.05.2026 • 16:36 Uhr
Der kleine SV Elversberg aus dem Saarland hat am Sonntag die Sensation Bundesliga-Aufstieg perfekt gemacht. Aber erfüllen Stadion und Umfeld überhaupt die Anforderungen für die erste Liga?
Von Tom Manzelmann, SR
"Für uns ist 2. Liga ja schon zu groß", sagte zuletzt der Trainer des frisch gebackenen Bundesligisten SV Elversberg, Vincent Wagner - lachend und zufrieden. Nach dem 3:0-Heimsieg gegen Preußen Münster steht fest: Weltstars wie Harry Kane oder Joshua Kimmich werden in der kommenden Saison auf dem Rasen an der Kaiserlinde im normalen Ligabetrieb Fußball spielen.
Allen Beteiligten ist bereits klar, dass die Bundesliga für die SVE eine riesige Herausforderung ist. Erfolgscoach Wagner bezeichnete den Aufstieg als "Mondlandung", die Mission Klassenerhalt gleiche dann der "Reise zum Mars".
Nicht nur sportlich ist der Bundesliga-Aufstieg eine Mammutaufgabe. In der kleinsten Bundesliga-Gemeinde aller Zeiten, Spiesen-Elversberg, steht nun das Thema Infrastruktur-Ausbau an. Gerade im Stadionumfeld müssten Verein und Landesregierung investieren, fordert Bürgermeister Bernd Huf.
Konkret geht es ihm dabei vor allem um die Verkehrssicherheit auf der Landstraße am Stadion, für die die Gemeinde selbst nicht verantwortlich ist. Dafür sollen zum Beispiel die Wege um das Stadion herum breiter werden. Zudem braucht es ihm zufolge Shuttle-Parkplätze für die Busse, damit Heim- und Gästefans besser zum Stadion kommen.
Dass Shuttles überhaupt an Spieltagen fahren müssen, liegt daran, dass die rund 13.000-einwohnerstarke Gemeinde Spiesen-Elversberg keinen eigenen Bahnhof hat.
Das "Stadion an der Kaiserlinde" gehört ebenfalls hinterfragt - gleicht aktuell eher einer Baustelle als einer Spielstätte für Bundesliga-Fußball. In der Zweitligasaison mussten sich Spieler in provisorischen Containern umziehen, auf der Nordtribüne waren anstelle von Zuschauern Bagger unterwegs. Kann und darf die SVE also überhaupt zum jetzigen Stand Bundesliga?
Das Stadion der Saarländer lizenziert bereits länger eine Ausnahmegenehmigung von der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Denn eigentlich erfüllt das SVE-Stadion eine grundlegende DFL-Anforderung nicht - weder für die erste noch für die zweite Liga.
Demnach müssen mindestens 15.000 Zuschauer einen Platz in Bundesligastadien finden, das Stadion an der Kaiserlinde bietet derzeit nur Platz für rund 10.000. Zudem könnten die Kamerapositionen besser sein und es bräuchte mehr Medienplätze, räumte zuletzt auch SVE-Vizepräsident Swen Hoffmann ein.
Einige Probleme würde die noch nicht existente Nordtribüne lösen. Mit den neuen Rängen soll die Stadion-Kapazität auf 15.500 erhöht werden. Die Ausnahmegenehmigung gibt der SVE die nötige Zeit, um die Baustelle "Stadion an der Kaiserlinde" fertigzustellen. Das soll bis zum Frühjahr 2027 der Fall sein.
Für mögliche Investitionen könnte die SVE mit dem Aufstieg aber das nötige Kleingeld bekommen. Der Hamburger SV war in der abgelaufenen Bundesliga-Saison Schlusslicht, was TV-Einnahmen betrifft. Dennoch kamen bei den Hanseaten insgesamt rund 31 Millionen Euro zusammen.
Elversberg hat in der abgelaufenen Zweitliga-Saison etwa 8,6 Millionen Euro bekommen. Bei einem Aufstieg könnten allein durch die aufgestockten TV-Gelder also um die 20 Millionen Euro mehr in die Vereinskassen gespült werden. Vergleichen mit einem Verein wie den HSV will Wagner die SVE aber nicht.
Die Norddeutschen hatte Spieler wie Luka Vušković oder Fabio Vieira per Leihgeschäft ergattert, einer unter Vertrag beim letztjährigen Europa-League-Sieger Tottenham Hotspurs, der andere beim diesjährigen Champions-League-Finalisten FC Arsenal.
"So Leute kommen ja niemals nach Elversberg. Die gehen halt zu geilen Vereinen - wie Dzeko zu Schalke", konstatiert SVE-Coach Wagner. Der "Dorfverein" hat eben nicht die gleiche Strahlkraft wie andere Bundesligisten. Will die SVE aber in der Bundesliga mithalten, die "Reise zum Mars" also schaffen, braucht es hochkarätige Spieler.
Maßgeblich beteiligt am Aufstieg waren eingeschlagene Leihspieler: etwa Łukasz Poręba, Immanuël Pherai (beide HSV) oder Bambasé Contè (TSG 1899 Hoffenheim). Womöglich könnte das Leih-Modell auch in der Bundesliga das Erfolgsrezept sein.
Es muss also einiges passieren, damit Stadion, Umfeld und Kader endgültig reif für die erste Liga sind. Auf dem Platz hat die SVE aber schon über die ganze Saison hinweg Bundesliga-Qualität gezeigt, wie auch beim entscheidenden Sieg gegen Preußen Münster am letzten Spieltag.
Für alle Beteiligten bei der SV Elversberg steht unmittelbar nach dem Sensations-Aufstieg zunächst das Feiern im Mittelpunkt. Erst nach dem Empfang am Rathaus an diesem Montagabend (ab 18.50 Uhr live im SR-Fernsehen) wird noch ausgiebig andernorts weitergefeiert.
Im Gegensatz zu Schalke 04 sei die Mannschaft aber eher "Team Malle" und nicht "Team Ibiza", verriet SVE-Flügelspieler Tom Zimmerschied nach dem geglückten Aufstieg. "Das ist noch ehrliches Feiern dort."
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