Stand: 08.10.2026 • 13:49 Uhr
Der Literaturnobelpreis 2026 geht an Anne Carson aus Kanada. Das teilte die Schwedische Akademie in Stockholm mit. Schon in der Vergangenheit galt Carson als Favoritin auf den Preis.
Anne Carson aus Kanada ist mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. Sie wird nach Angaben der Schwedischen Akademie geehrt für ihr "kühnes und einfallsreiches Gesamtwerk" mit verspielten Dialogen in klassischer Tradition. Dadurch seien neue Formen für Gegenwartsliteratur entstanden.
Ingrid Carlberg, permanente Sekretärin der Schwedischen Akademie, sagte, sie habe Carson gerade in Island erreicht. Sie sei dabei gewesen, dem Wind zuzuhören und sei sehr bewegt gewesen. "Sie war sehr überrascht", sagte Carlberg.
Anne Carson ist eine kanadische Autorin, Dichterin, Essayistin und Übersetzerin. Sie wurde 1950 in Toronto geboren. Sie gilt als eine der eigenwilligsten und renommiertesten zeitgenössischen Schriftstellerinnen. Die 76-Jährige ist für die unkonventionelle Verbindung verschiedener literarischer Formen bekannt. In ihren Werken verschränkt sie klassische Philologie, Lyrik, Essay, Übersetzung, Erzählung und dramatische Formen.
Carson verbindet die Stoffe der Antike mit der Moderne, lässt Figuren wie Sokrates oder Antigone zum Beispiel in Filmszenarien auftauchen und untersucht, wie sie sich im Scheinwerferlicht der Jetztzeit verhalten würden. Oder sie bringt Denker wie den antiken Rhetoriker Longinus mit dem Maler Michelangelo und dem Regisseur Michelangelo Antonioni ins Gespräch.
Zu ihren bekanntesten Büchern gehören "Autobiography of Red" (1998), ein Versroman, der den griechischen Mythos von Geryon neu interpretiert, und "Nox" (2010), ein experimentelles Werk über das Leben und den Tod ihres Bruders. Carson ist außerdem Professorin für Klassische Philologie und lehrte an mehreren Universitäten in Kanada und den USA.
Der Literaturnobelpreis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung der Welt. Jedes Jahr gehen dafür etwa 200 Nominierungen ein. Wer für den Preis vorgeschlagen wird, unterliegt wie bei allen Nobelpreisen für 50 Jahre der Geheimhaltung.
In der Regel wird mit dem Literaturnobelpreis das Lebenswerk eines Schriftstellers geehrt. Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld beträgt zwölf Millionen Schwedische Kronen, umgerechnet rund 1,06 Millionen Euro. Der Nobelpreis wird am 10. Dezember in Stockholm überreicht.
Die literarische Auszeichnung wird in der alljährlichen Nobelwoche traditionell als vierter der Nobelpreise bekanntgegeben. Seit Montag waren bereits Preisträger in den wissenschaftlichen Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden.
Unter den drei Medizin-Nobelpreisträgern sind mit Peter Hegemann und Georg Nagel auch zwei deutsche Forscher. Zum Abschluss der Woche wird morgen verkündet, wer den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält.
Mit Informationen von Jan Ehlert, ARD Kultur
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