Stand: 07.11.2026 • 22:51 Uhr

Bei Schüssen in der polnischen Stadt Krakau sind laut Polizei mindestens sechs Menschen getötet und 16 Personen verletzt worden. Der mutmaßliche Täter konnte demnach gefasst werden. In seinem Wohnhaus wurden weitere Tote entdeckt.

Bei Schüssen auf dem zentralen Hauptmarkt der polnischen Stadt Krakau sind nach Polizeiangaben sechs Menschen getötet und 16 weitere verletzt worden. Unter den Verletzten seien auch zwei Polizisten. Zwölf der Verletzten seien in einem kritischen oder lebensgefährlichen Zustand, teilte die Woiwodschaft Kleinpolen mit.

Zu den Hintergründen ist derzeit nichts bekannt. Gegen 15 Uhr sei ein Mann mit einem Auto auf den Großen Ring, den Hauptplatz Krakaus, gefahren und habe wahllos auf Passanten geschossen, teilten die Behörden mit. Die Behörden appellierten an die Menschen in der näheren Umgebung, sich an einen sicheren Ort zu begeben. Auf Videos in den Sozialen Medien war zu sehen, dass ein Rettungshubschrauber auf dem Platz landete. Augenzeugen berichteten von "großem Chaos" am Tatort.

Unter den Opfern sind nach Angaben des polnischen Innenministers Marcin Kierwinski auch Ausländer. Fünf Nicht-Polen seien verletzt worden, sagte der Minister am Abend bei einem Besuch am Tatort. Die Polizei teilte später mit, eine der getöteten Personen habe die britische Staatsbürgerschaft.

Ministerpräsident Donald Tusk erklärte am Abend in Krakau, im Haus des mutmaßlichen Täters seien zwei Frauen und ein Mann tot aufgefunden worden. Sie seien wahrscheinlich Familienmitglieder des Schützen. Er bezeichnete den Angriff als einen Akt des "Terrorismus". Es sei ein "grauenvolles Attentat auf das Leben der Menschen hier in Krakau", sagte Tusk.

Der Nachrichtensender TVN24 berichtet, dass laut Staatsanwaltschaft ein 24-jähriger polnischer Staatsbürger festgenommen wurde. Die Krakauer Polizeisprecherin Katarzyna Cislo hatte dem Sender mitgeteilt, der Verdächtige habe militärähnliche Kleidung getragen und mit einer Langwaffe geschossen, wie sie das Militär einsetze. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz betonte jedoch auf X, der Mann sei kein Soldat der polnischen Armee.

Der mutmaßliche Schütze soll nach ersten Erkenntnissen "sehr radikale Ansichten" vertreten haben, wie Innenminister Kierwinski auf einer Pressekonferenz erklärte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse.

Die "blitzschnelle Reaktion" der Polizei habe ein noch größeres Massaker verhindert, betonte der Innenminister. Die Beamten hätten innerhalb von drei Minuten nach der ersten Meldung die ersten Schüsse auf den Angreifer abgegeben.

Die Nachrichtenagentur PAP berichtete unter Berufung auf einen Fotoreporter, dass der mutmaßliche Täter auf seiner Flucht an einer Kreuzung mit einem anderen Auto zusammengestoßen sei. Er sei daraufhin aus seinem Fahrzeug gesprungen und habe auf die Einsatzkräfte geschossen. Diese hätten das Feuer erwidert und den Mann letztlich festgenommen und in ein Krankenhaus bringen lassen. In seinem Auto habe die Polizei zahlreiche Teile weiterer Waffen sowie Munition entdeckt.

Polens Regierungschef Tusk sprach direkt nach der Tat auf X den Familien und Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er richtete einen "eindringlichen Appell an Politikerinnen und Politiker aller Lager", diese Tragödie nicht "zu einem Instrument politischer Spielchen" zu machen.

Krakau ist mit mehr als 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens. Sie gilt als beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind neben dem Großen Ring das Schloss auf dem Wawelhügel und die Kathedrale. Die Universitätsstadt zählt zum UNESCO-Welterbe.

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