Erfolgreich sind bekanntermaßen nicht zwingend die, von denen man es spontan vermuten würde. Die BMW-Modelle X4 und X6 ließen mich bei der Vorstellung rätseln, wo die Bayern im Vorfeld eine Kundschaft entdeckt haben mochten. Doch die Strategen im Münchener Vierzylinder lagen richtig, denn von beiden verkaufte BMW global so reichlich, dass Nachfolger auf den Weg gebracht wurden. Dem iX3, dem ersten Ableger der sogenannten „Neuen Klasse“, stellt die Marke deshalb mit dem iX4 einen batterieelektrischen SUV-Coupé-Setzling an die Seite.
Grazile Eleganz und optische Leichtigkeit waren ganz offenkundig niemals die Erfolgsrezepte von SUV-Coupés. Das galt für die BMW-Sprosse ganz besonders, und der iX4 führt das fort. Wuchtig und voluminös tritt auch der Neue auf. Das dürfte weiterhin heftig polarisieren, ganz im Sinne der Verantwortlichen. Die Rolle eines Autos, das spontan die Masse der Käufer ansprechen soll, überlässt der iX4 anderen. Man habe das Portfolio der Neuen Klasse um ein besonders emotionales Fahrzeug erweitert, heißt es bei BMW. Dem würde ich mich uneingeschränkt anschließen: Die Gestaltung des iX4 dürfte tatsächlich jede Menge Emotionen erzeugen.
Technisch bleiben Überraschungen fast vollständig aus, denn BMW bestückt das 4,78 m lange Auto mit dem, was aus dem iX3 schon bekannt ist. Dort ist seit Kurzem auch eine Ausführung mit Heckantrieb zu haben, mit der der Einstiegspreis auf 63.400 Euro sinkt. Diese Version enthält BMW dem Coupé-Darsteller vor. Im iX4 ist ein Allradantrieb zumindest vorerst Standard. Basismodell wird der iX4 40 xDrive mit 275 kW und einer 83-kWh-Batterie. Inklusive des serienmäßigen Sportpakets kostet diese Variante 70.900 Euro. Zum Vergleich: Ein ähnlich ausgestatteter iX3 kostet 69.700 Euro – eine Differenz, die für Kunden in diesem Segment kaum den Ausschlag geben dürfte. Dank besserer Aerodynamik liegt die Reichweite des iX4 im WLTP ein paar Kilometer höher als beim iX3.
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345 kW und 109 kWh lauten die Eckdaten des iX4 50 xDrive, der ab 75.900 Euro angeboten wird. Die Reichweite im Zyklus steigt gegenüber dem Basismodell um 190 auf 828 km. Geladen werden kann mit bis zu 400 kW, sofern die Infrastruktur das liefern kann. Im 40er ist bei 300 kW Schluss. Aktuell dürfte dieser Unterschied in der Praxis zu vernachlässigen sein, denn 400-kW-Ladepunkte sind noch vergleichsweise rar.
Tatsächlich neu ist der M60 xDrive, der auch in das iX3-Angebot einziehen wird. Die Systemleistung liegt bei 450 kW, und wer sich nun erschrocken gefragt hat, ob das denn perspektivisch wirklich schon die Spitze sein soll, kann sich beruhigt zurücklehnen. Offenbar steuert die M GmbH mittelfristig noch einen Ableger bei, der dann vermutlich souverän die Marke von 500 kW knacken wird. Der M60 erreicht im iX4 eine WLTP-Reichweite von 780 km, im iX3 sind es 30 km weniger.
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Um das einmal zu übersetzen: Im kombinierten WLTP ließen sich mit dem iX4 M60 xDrive mehr als 1200 km erreichen, wenn der Fahrer mit voller Batterie startet, diese bis auf 10 Prozent entleert und dann wieder auf 80 Prozent auflädt. Im Ziel hätte er dann noch eine Reserve von 10 Prozent. Die einzige Pause an der Ladesäule auf dieser Strecke würde 22 Minuten dauern. Zur Wahrheit gehört allerdings unbedingt, dass sich dieser Wert nicht einfach auf das ganze Jahr und die Fahrt auf der Autobahn übersetzen lässt. Doch selbst wer mit 24 kWh/100 km auf der Langstrecke kalkuliert, kommt mit einem Stopp auf eine Reichweite von rund 720 km. Ich denke, die These, dass damit viele Anforderungen abgedeckt sind, ist nicht allzu gewagt.
Der BMW iX4 wird ab 70.900 Euro angeboten. Damit ist der Coupé-Darsteller nicht viel teurer als der iX3.
(Bild: BMW)
Unabhängig von der Motorisierung reicht BMW serienmäßig ein Sportpaket, mindestens 20 Zoll mächtige Felgen, ein Hi-Fi-System mit gerade mal sieben Lautsprechern und das nicht zu öffnende Panoramadach hinzu. Der M60 xDrive wird mit wenigstens 21-Zoll-Felgen bestückt und einem adaptiven Fahrwerk ausgestattet. Die globale Erfolgsgeschichte der BMW-SUV-Coupés dürfte, nun als Elektroauto, mit dem iX4 fortgesetzt werden. Ein Schlüssel dafür liegt auf der Hand: Was einigen in der Zielgruppe gar nicht gefällt, findet bei anderen vielleicht gerade deshalb besonders viel Anklang.
(mfz)
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