Stand: 26.10.2026 • 07:13 Uhr

In Ghana wird unter extremen Bedingungen Gold abgebaut - auch Kakaoplantagen müssen dafür weichen. Mit verheerenden Folgen: Zurück bleiben zerstörte Landschaften und verdreckte, belastete Flüsse.

Von Judith Hartmann und Jakob Sax, SWR

Riesige Löcher klaffen im Boden, mitten im Regenwald. Darin stehen Menschen knietief im Schlamm und graben. Unter extremen Bedingungen wird in Ghana Gold abgebaut. Dafür müssen Kakaoplantagen weichen. Tropische Regenwälder und auch geschützte Waldgebiete werden gerodet, wie Recherchen von Y-Kollektiv in Kooperation mit der ARD-Klimaredaktion zeigen.

In Ghana wird Gold sowohl von großen Firmen mit Lizenz als auch illegal abgebaut. Mit der Hoffnung auf schnelles Geld machen sich viele Menschen auf die Suche nach Gold, das Risiko dabei ist enorm hoch.

Viele von ihnen waren zuvor im Kakaoanbau tätig. Für Land und Ackerfläche werden ihnen hohe Summen geboten, um dort nach Gold zu suchen. "Der illegale Goldabbau zerstört den Kakaoanbau, Goldgräber kommen auf unsere Farmen, roden die Kakaobäume, um darunter nach Gold zu suchen", sagt Kakaobauer Edwin Ntaah.

Für die Goldsuche werden in Ghanas Regenwald riesige Löcher in den Boden gegraben.

Wird aus einer Kakaofarm erstmal eine Goldmine, ist das Ökosystem zerstört und die Lebensgrundlage der Farmerinnen und Farmer fehlt. Wichtige CO2-Speicher gehen verloren. Kakaobäume betreiben wie alle Bäume Photosynthese. Sie nehmen also CO2 aus der Atmosphäre auf und speichern den Kohlenstoff in ihrer Biomasse. Den Sauerstoff geben sie wieder an die Atmosphäre ab.

Für den Goldabbau werden viele Kakaoplantagen und sogar tropischer Regenwald gerodet, also wird auch weniger CO2 gebunden. Doch auch dort, wo es noch Plantagen und Äcker gibt, sind die Auswirkungen des illegalen Goldabbaus spürbar.

Die Familie von Edwin Ntaah lebt vom Kakaoanbau. Wie viele Familien. Ghana ist der zweitgrößte Kakaoproduzent der Welt. Ntaah ist 22 Jahre alt. Im Interview mit Y-Kollektiv erzählt er: Auch ihnen wurde viel Geld für ihre Kakaofarm geboten von Menschen, die dort illegal Gold abbauen wollten. Statt Kakaobäumen hätte dann mitten im Regenwald eine große Grube geklafft - eine illegale Goldmine. Doch die Familie von Ntaah hat sich entschieden, ihre Farm zu behalten.

Selbst zu sehen, wie umliegende Farmen gerodet werden, macht dem jungen Kakaobauern Angst. "Ich mache mir Sorgen um Ghanas Zukunft. Wir verlieren immer mehr Land durch den illegalen Goldabbau. Und wir wissen nicht, wann das endlich aufhört", so Ntaah.

Direkt neben der Farm von Ntaahs Familie fließt ein Fluss. Früher haben sie das Wasser genutzt, um die Kakaobäume zu bewässern. Dafür muss die Familie Ntaah nun Wasser zur Farm bringen. Er erzählt: "Es ist sehr aufwändig, aber es ist die einzige Möglichkeit, denn der Fluss ist voller Dreck und Chemikalien."

Der Goldabbau mitten im Regenwald zerstört Ökosysteme und die Lebensgrundlagen vieler Menschen.

Über Schläuche und Rohre wird Wasser aus den Flüssen in die Minen gepumpt. Mit einem starken Wasserstrahl wird die Erde abgetragen. Oftmals stürzen dabei Minen ein, in den ghanaischen Medien wird immer wieder von Todesfällen berichtet.

Der Schlamm wird über eine Art Rutsche geleitet. Die ist mit Matten ausgekleidet, darin bleibt der feinere Teil des Matschs hängen - ein kleiner Bruchteil davon ist Gold. Das Wasser wird danach wieder in den Fluss geleitet, deutlich dreckiger als davor: Es enthält feine Schwebteile und Sediment.

Der ghanaische Wissenschaftler Dr. Evans Manu forscht für die TU Darmstadt an der Wasserversorgung in Ghana. In den letzten zehn Jahren hat er beobachtet, dass immer mehr Flüsse durch den illegalen Goldabbau verschmutzt sind. Im Interview mit der ARD-Klimaredaktion erklärt er: "Ghanas nächste Wasserkrise wird unter der Erde sein: Immer mehr verschmutztes Wasser von der Oberfläche gelangt ins Grundwasser."

Hauptgrund für die starke Verschmutzung: Für den illegalen Goldabbau wird meistens Quecksilber verwendet. Das Schwermetall wirkt wie eine Art Magnet, zieht den Goldstaub an und trennt ihn von Dreck. Im Anschluss werden die Quecksilber-Gold-Klumpen erhitzt. Das reine Gold bleibt übrig, das Quecksilber entweicht ungefiltert in die Umwelt.

Ein zusätzliches Problem für die Flüsse: Durch die globale Erderwärmung steigt die Wassertemperatur, dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt. Langfristig könnte es sogar Probleme bei der Trinkwasserversorgung geben. Der staatliche Wasserversorger Ghanas gibt an, dass das Land in den kommenden Jahren eventuell Trinkwasser importieren muss.

Kakaobauer Ntaah macht der Goldrausch Angst. Er will weiterhin Kakao anbauen und später die Farm seiner Eltern übernehmen. Sie soll nicht zur nächsten Schlammgrube werden, in der nach Gold gesucht wird.

Die Dokumentation "Y-Kollektiv - Tödliches Gold" ist in der ARD-Mediathek verfügbar.

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