Stand: 07.10.2026 • 18:18 Uhr
Kuriose Maßnahme beim Fußball-Zweitligisten VfL Bochum vor dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am Sonntag, 11. Oktober, 13.30 Uhr: Verein und Bochumer Sportstätten Gesellschaft verhängen ein Hüpfverbot für die Ostkurve des Ruhrstadions.
Von Jens Martin Mickler
Im Zuge der laufenden Umbauarbeiten des Stadions habe ein Gutachten ergeben, dass "durch gemeinsames, rhythmisches Hüpfen oder Springen, also synchronisierte Bewegungen vieler Menschen, zum sogenannten Trampolineffekt kommen kann, der einen Unwohlsein-Effekt hervorruft", so der Verein in einer Mitteilung.
Die Bauaufsichtsbehörde habe daher per Ordnungsverfügung ein sogenanntes "Hüpfverbot" festgelegt - auch wenn die Stadt extra nochmal betonte: Einsturzgefährdet sind die Tribünen nicht. Dennoch muss der VfL Bochum das Hüpfverbot umsetzen und kontrollieren. Wird die Anordnung nicht eingehalten, droht im schlimmsten Fall eine komplette Sperrung der Ostkurve für bis zu 10.000 Zuschauer.
Das Verbot zu hüpfen gilt bereits ab der kommenden Heimpartie am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) gegen Arminia Bielefeld. Dieses Verbot, darauf weist der Verein hin, "betrifft explizit nicht den Torjubel, sondern lediglich choreographiertes Springen" in den Blöcken N2, O, P und Q. Generell könne die Ostkurve weiterhin komplett als Stehplatzbereich unter voller Auslastung genutzt werden.
Fraglich ist, ob sich die Bochumer Fans wirklich auch an das "Hüpfverbot" halten. In den genannten Blöcken stehen fast ausschließlich die sogenannten "Hardcore-Fans", die regelmäßig im Stadion sind und von möglichem Unwohlsein eher nicht betroffen sein werden.
Für Eren fällt durch das Verbot ein großer Teil des Stadionerlebnisses weg.
Fest steht schon jetzt: Auf Gegenliebe stößt das "Hüpfverbot nicht. "Dadurch nimmt man einen großen Teil des Stadionerlebnisses weg, weil hüpfen gehört einfach dazu, wenn zum Beispiel ein Tor fällt oder man etwas feiert", sagt VfL-Fan Eren. Für ihn sei das Hüpfen Ausdruck einer Emotion. "Das wegzunehmen ist ja schlimm." Auch viele weitere Fans reagierten mit Unverständnis, sprachen von "Quatsch" oder einem "Witz". Es gab aber auch Fans, die verständnis äußrten. Schließlich gebe es ja einen Grund für die Regel.
Der VfL Bochum selbst teilte mit, mit den Fangruppierungen intensiv im Austausch zu sein. "Bis zum Anpfiff am Sonntag werden wir auf allen Kanälen ausführlich über das weitere Vorgehen, die konkreten Maßnahmen und auch über mögliche Konsequenzen informieren", sagte ein Sprecher des VfL dem WDR.
Sollte dennoch auf der Osttribüne gehüpft werden, greift der Drei-Punkte-Plan der DFL. Das heißt, es gibt eine Stadiondurchsage an die Fans: Hüpfen einstellen. Sollte weitergehüpft werden, gehen die Teams in die Kabine und es folgt eine weitere Aufforderung zur Unterlassung. Bei einem dritten Nicht-Stopp wird das Spiel abgebrochen.
Erst mit Abschluss der Umbauarbeiten am Ruhrstadion im Jahr 2028 soll die Einschränkung wieder aufgehoben werden.
Das Bochumer Hüpfverbot ist kein Einzelfall im deutschen Fußball. Bereits vor zehn Jahren setzte die Stadt Magdeburg ein Hüpfverbot im Stadion für das Drittliga-Spiel 1. FC Magdeburg gegen den Halleschen FC durch.
Hüpfverbot im Magdeburger Stadion 2016
Der Grund dafür: Messungen beim Heimspiel gegen Hansa Rostock drei Wochen zuvor hatten ergeben, dass FCM-Fans Schwingungen auf der Nordtribüne der Arena auslösten. Diese lagen über der sogenannten "Panikgrenze", bei der Menschen das Gefühl haben, angesichts tatsächlicher oder angenommener Gefahr fliehen zu müssen.
Das Magdeburger Stadion wurde schließlich bis 2019 umgebaut, die Konstruktion verstärkt und das Verbot wieder aufgehoben.
Die Bochumer Ingenieure schlossen sich jetzt mit den Magdeburger Kollegen kurz. Erst danach fiel die Entscheidung in Bochum, das Hüpfverbot anzuordnen, teilte ein Vertreter der Stadt Bochum dem WDR mit. Gravierender Unterschied: Das Stadion in Magdeburg war damals neu, das Ruhrstadion ist dies nicht und sanierungsbedürftig.
Vor wenigen Wochen erst hatten Fußball-Fans des 1. FC Kaiserslautern vor dem Pokal-Derby zwischen dem FCK und dem SV Waldhof Mannheim die Konrad-Adenauer-Brücke zwischen Mannheim und Ludwigshafen durch gezieltes Springen und Hüpfen ins Wanken gebracht. Der Vorfall am 16. September verlief glimpflich, hat möglicherweise aber noch ein Nachspiel.
Unsere Quellen:
Sendung: "Hüpfverbot im VfL-Stadion", WDR5 Westblick, 07.10.2026, 17:15 Uhr
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