Marktbericht

Stand: 15.06.2026 • 10:33 Uhr

Die Hoffnung auf Frieden in Iran schiebt den DAX kräftig an, die Ölpreise geben deutlich nach. Aber Experten warnen: Es bleiben Unsicherheiten - und noch ist das angekündigte Rahmenabkommen nicht unterzeichnet.

Der DAX springt zum Handelsstart mit einem Plus von 1,7 Prozent über die Marke von 25.000 Punkten. Damit rückt das Rekordhoch bei 25.507 Punkten wieder in den Fokus. Am Freitag war der DAX mit einem Plus von 1,8 Prozent bei 24.635 Zählern ins Wochenende gegangen.

"Marktstimmung bleibt fragil"

Nachdem nun ein Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran angekündigt wurde, kehrt die Risikofreude an die Börsen zurück. "Die Märkte feiern aktuell die Aussicht auf ein Friedensabkommen", stellt Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro, fest. "Eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus würde eine der größten Unsicherheiten für die Weltwirtschaft entschärfen." Trotzdem basiere die Rally nach Einschätzung von Wienke bislang vor allem auf Hoffnung. Bis zur Unterzeichnung des Abkommens am kommenden Freitag bleibe die Marktstimmung fragil.

Auch für Chefmarktanalyst Christian Henke vom Broker IG gibt es "ein großes Aber": "Trotz der erfreulichen Ankündigung schauen die Anleger ein wenig mit Sorgen nach Israel. Ein wichtiger Bestandteil des Abkommens zwischen den USA und dem Iran ist eine Einstellung der Kämpfe an allen Fronten, einschließlich des Libanon. Und diesbezüglich könnte sich Premierminister Benjamin Netanjahu querstellen", so Henke.

Ölpreise sinken

Aber zunächst hoffen die Anleger, dass eine Öffnung der Straße von Hormus die globalen Energiepreise senken werde. Der Ölpreis gibt heute um rund fünf Prozent nach. Doch auch hier gibt es Skeptiker: "Der Mangel an Details, insbesondere zur Freiheit der Schifffahrt, ist zwar besorgniserregend, dürfte die Märkte heute jedoch noch nicht belasten", sagte Sean Callow, Chefanalyst bei ITC Markets.

Eine weitere wichtige Frage ist nun: Wie schnell können die Produzenten im Nahen Osten die Ölförderung nach den Kriegsschäden wieder aufnehmen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel mahnt: "Selbst wenn die Meerenge von Hormus demnächst wieder befahrbar sein sollte, wird es Monate dauern, bis sich das Ölangebot wieder normalisiert". Zumal Produktionsstätten in der Region teilweise beschädigt oder außer Betrieb gesetzt worden seien und Reserven kleiner würden.

Fed-Zinsentscheid im Blick

Die hohen Energiepreise sind der Hauptgrund für die zuletzt weltweit anziehenden Verbraucherpreise. Die Europäische Zentralbank hatte deshalb in der vergangenen Woche erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen erhöht. Mit höheren Zinsen versuchen die Notenbanken den Inflationsdruck zu dämpfen. Sie können aber auch die Konjunktur bremsen.

Am kommenden Mittwoch wird die US-Notenbank Federal Reserve ihren Zinsentscheid verkünden. Aktuell liegt der Zins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Sitzung wird vom neuen Vorsitzenden Kevin Warsh geleitet. Analyst Patrick Franke von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnet nicht damit, dass die Fed eine Zinserhöhung beschließt. Kevin Warsh habe sich wiederholt gegen Vorfestlegungen ausgesprochen. Insofern dürfte er auch kaum auf ein klares Signal für die kommenden Sitzungen hinwirken.

Reise-Titel gefragt, Rüstung verschmäht

Gefragt waren vor allem Titel aus dem Reise- und Luftfahrtsektor: Die Papiere von TUI, Fraport und der Lufthansa kletterten um bis zu sechs Prozent. Sie haben besonders unter den hohen Preisen für Kerosin gelitten. Verkauft wurden dagegen Aktien des Rüstungskonzerns Rheinmetall, die Schlusslicht im DAX waren.

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