Marktbericht
Stand: 06.11.2026 • 18:30 Uhr
Sorgen um KI- und Halbleiterwerte lösen weltweit Verkäufe aus - und setzen auch den deutschen Aktienmarkt unter Druck. Die US-Börsen konnten sich inzwischen wieder berappeln.
Der weltweite Ausverkauf bei KI- und Halbleiteraktien hat vor dem Wochenende auch Anleger am deutschen Aktienmarkt verschreckt. Nach Handelsbeginn an der Frankfurter Börse ging es für den DAX knapp zwei Prozent nach unten.
Auslöser war ein massiver Kursrutsch an der Wall Street. Auch an den asiatischen Börsen war die Unruhe zuvor groß. Wegen heftiger Kursverluste musste die Börse in Seoul den Handel sogar kurzzeitig aussetzen, um Panikverkäufe zu verhindern. Hintergrund sind die wachsenden Zweifel, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz auszahlen werden.
Vom erst am Vortag erreichten Rekordhoch bei 26.692 Punkten büßte der DAX zeitweise mehr als 1.000 Punkte ein. Zum Wochenende hin ging der Leitindex schließlich 1,9 Prozent im Minus aus dem Handel bei rund 25.820 Punkten. Damit gab der DAX sein zwischenzeitliches Wochenplus komplett ab.
Auch deutsche KI-Profiteure betroffen
Die Sorgen darüber, dass dem KI-Hype durch strengere Regeln vielleicht der Wind aus den Segeln genommen werden könnte, erfassten auch deutsche Aktien wie Infineon, Siemens Energy und Hochtief - die von der KI-Euphorie eigentlich profitierten. Inzwischen haben sich die Werte wieder erholt.
Erholung an den US-Börsen
Nach dem Ausverkauf an den US-Börsen hat sich der Technologiesektor heute wieder etwas erholt. Der Nasdaq 100 legte zum Handelsstart deutlich zu, vor allem dank gestiegener Halbleiterwerte. Die Erholung konnte die Verluste der vergangenen Tage aber nur teilweise ausgleichen: Seit Ende Oktober hat der Index rund neun Prozent eingebüßt.
Auch der marktbreite S&P 500 machte einen Teil seiner Vortagsverluste wett. Der Dow Jones gab dagegen erneut leicht nach. Auf Wochensicht dürften alle drei Indizes auf ein Minus zusteuern - beim Nasdaq 100 und beim Dow vor allem wegen des kräftigen Kursrutsches am Donnerstag.
Nachdem die Papiere des Chip-Herstellers Nvidia den schlechtesten Handelstag seit Januar 2025 erlebt hatten, stiegen diese wieder deutlich. Auch andere Schwergewichte der Branche wie AMD, Intel und Micron Technology legten wieder zu - ebenso wie die Aktien Tesla und SpaceX.
Starke US-Daten helfen kaum
Damit überschattet der Tech-Ausverkauf allerdings positive Konjunkturdaten aus den USA. Ein überraschend starker Arbeitsmarktbericht und ein gutes Verbrauchervertrauen bewegten die Anleger kaum. Die Daten schürten zwar Erwartungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve im Dezember die Zinsen erhöhen könnte, gaben den Aktienkursen aber keine klaren Impulse.
Politischer Gegenwind für KI-Boom
Hintergrund dieser jüngsten Entwicklungen sind die wachsenden Fragezeichen, wie es mit dem KI-Hype weitergehen könnte. Nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen fragen sich Anleger, ob der politische Kurs gegenüber der Technologiebranche strenger werden könnte. Im Mittelpunkt und in der Kritik stehen die Rechenzentren für den KI-Boom.
Sie verbrauchen viel Strom und Wasser, sorgen für Lärm und könnten Energiepreise weiter treiben. In mehreren US-Bundesstaaten gibt es Widerstand gegen neue Anlagen. Auch höhere Abgaben auf Gewinne der KI-Unternehmen werden diskutiert.
"Klumpenrisiko aus Tech-Schwergewichten rächt sich"
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank weist noch auf einen weiteren Umstand hin. "An der Wall Street ist genau das eingetreten, was Anleger seit Monaten befürchten: Dass sich das Klumpenrisiko aus wenigen Tech-Schwergewichten rächt und die großen Indizes mit in die Tiefe reißt, wenn sie einmal stärker fallen sollten", kommentiert er.
Die Frage ist, wie es jetzt weitergeht. Ist das jetzt wirklich das beginnende Platzen einer Blase oder einfach eine Korrektur? Finanzexpertin Lisa Hassenzahl von Her Family Office rät, Ruhe zu bewahren. Eine platzende Blase sehe sie derzeit nicht. "Aber ja, es ist eine Korrektur und es zeigt, dass eben auch bei Technologiewerten nicht immer alles nur streng nach oben geht", sagt Hassenzahl.
In den kommenden Monaten dürfte es an den Börsen weiter schwankungsreich bleiben. Denn die Zweifel daran, wie schnell sich die hohen Investitionen in Hardware und Rechenzentren auszahlen, bestehen wohl vorerst fort.
Anthropic-Börsengang unter Druck
Auch beim KI-Unternehmen Anthropic könnte nicht alles nach Plan laufen - eigentlich wollte das Unternehmen kommende Woche die Werbetour für den eigenen Börsengang starten. Jetzt aber zweifeln Investoren laut Reuters daran, dass der Gang aufs Parkett im vorgegeben Zeitplan klappt. Einige halten außerdem die Billionen-Bewertung des Unternehmens für zu hoch.
Unternehmens-Bilanzen gab es auch noch
Bei diesen Tech-Sorgen hätte man fast die Quartalszahlen mehrerer DAX-Konzerne übersehen können im Börsengeschehen. Die Aktien von Munich Re und Hannover Rück sind nach Abstufungen durch die US-Bank JPMorgan zeitweise unter Druck geraten. Trotz einer kräftigen Gewinnsteigerung im dritten Quartal konnte Daimler Truck die Börsianer offenbar nicht zufriedenstellen - für die Papiere ging es deutlich nach unten, ebenso wie für Rüstungswerte.
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