Liveblog

Stand: 21.09.2026 • 02:31 Uhr

Die frühere Regierende Bürgermeisterin Giffey wird dem neuen Abgeordnetenhaus nicht mehr angehören. In der aktuellen Hochrechnung fällt das BSW unter die Fünf-Prozent-Hürde - Schwarz-Grün-Rot wäre wieder möglich.

Hiermit beenden wir unseren Liveblog zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin und bedanken uns für Ihr Interesse.

Die Linke hat die Abgeordnetenhauswahl in Berlin mit 25,7 Prozent der Stimmen und großem Vorsprung vor den anderen Parteien gewonnen. Dahinter folgen CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und SPD (12,1 Prozent), wie die Landeswahlleitung nach Auszählung aller Stimmen mitteilte. Die regierende CDU/SPD-Koalition hat damit ihre Mehrheit verloren.

Die Linke hat in Berlin vor allem auf das Thema Wohnen gesetzt - ein wichtiger Baustein für den Wahlsieg. Vor allem bei Jüngeren konnte die Partei punkten.

Der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in Berlin, Christian Gräff, fordert nach den Wahlniederlagen der CDU einen Rücktritt von Kanzler Friedrich Merz. "Merz muss weg. Er kann nicht Exekutive und er kann keine Kommunikation", postete der frühere CDU-Abgeordnete auf X.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa verwies Gräff auf große innenpolitische und außenpolitische Herausforderungen. "Ich glaube, dass die Menschen in Deutschland Reformen wollen. Merz fehlt es an Handwerk und Kommunikation, um diese umzusetzen."

Einen Namen für einen möglichen Nachfolger des Kanzlers nannte Gräff nicht. "Es gibt Ministerpräsidenten und Kabinettsmitglieder, die eine solche Aufgabe übernehmen könnten." Gräff gehörte dem Berliner Abgeordnetenhaus mehr als ein Jahrzehnt an. Vor einem Jahr legte er sein Mandat aus privaten Gründen nieder.

AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker hat erneut ein Direktmandat verpasst. Im Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf 1 bekam die 54-Jährige 9,3 Prozent der Erststimmen und landete nach Angaben der Landeswahlleitung auf Platz fünf. Als Spitzenkandidatin ist Brinker der erneute Einzug ins Abgeordnetenhaus aber sicher.

Die 54-Jährige war bereits bei der Wahl 2023 im Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf 1 als Direktkandidatin angetreten und hatte 5,3 Prozent geholt. In diesem Jahr setzte sich Tonka Wojahn (Grüne, 24,6 Prozent) mit einem knappen Vorsprung von 0,3 Prozentpunkten vor der CDU-Politikerin Claudia Wein durch.

Dass sich der Bundeskanzler schon so kurz nach den ersten Prognosen zum Wahlausgang in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin geäußert hat - ungewöhnlich. Vielleicht ein Schritt, um zu verhindern, dass den restlichen Abend Rücktrittsforderungen lauter werden, schätzt Markus Preiß aus dem ARD-Hauptstadtstudio.

Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp möchte sich in einer möglichen Regierung "den Haushalt genau anschauen und jeden Cent umdrehen". Dabei solle auch die Einnahmenseite gestärkt werden, sagte sie in den tagesthemen. Als Beispiele nannte sie eine Luxusvillen-Steuer sowie eine Steuer auf unbebauten Boden. Außerdem solle der Bund die Vermögensteuer einführen.

Antisemitismus-Vorwürfe gegenüber ihrer Partei wies sie zurück: "Für uns ist ganz klar, dass wir für den Schutz jüdischen Lebens stehen, genauso wie für den Schutz von palästinensischem, von muslimischem, von queerem Leben - für den Schutz aller Berlinerinnen und Berliner." Sie wolle "eine umarmende Politik machen und Brücken bauen".

Berlins wohl prominenteste SPD-Politikerin, die frühere Bundesministerin und Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, wird dem neuen Abgeordnetenhaus nicht mehr angehören. In ihrem Wahlkreis in Rudow im Bezirk Neukölln verpasste die 48-Jährige ein Direktmandat, wie aus der Ergebnispräsentation der Landeswahlleitung hervorgeht.

Bei der Aufstellung der Bezirksliste war die Politikerin von der SPD nicht berücksichtigt worden. Ein Direktmandat im Wahlkreis war daher ihre einzige Chance, wieder ins Landesparlament zu kommen. In ihrem Wahlkampf warb sie unter anderem auf großen Plakaten gezielt um die Erststimme - am Ende vergeblich. Giffey fehlten gut 300 Stimmen.

Ob die Wirtschaftssenatorin künftig in der Politik noch eine Rolle spielt, ist offen. Theoretisch könnte sie auch ohne Parlamentsmandat an Koalitionsverhandlungen teilnehmen oder einer neuen Regierung als Senatorin angehören. Es könnte aber auch das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten.

Die AfD hat in Marzahn-Hellersdorf am besten abgeschnitten. In dem Bezirk holte die Partei nach Auszählung von knapp 90 Prozent der Gebiete laut Wahlleiter mehr als 30 Prozent bei den Erst- und Zweitstimmen. Bei der vorherigen Wahl 2023 lag die CDU vorn.

Die AfD erhielt in dem Bezirk voraussichtlich fünf von sechs Direktmandaten. Ein Direktmandat geht aller Voraussicht nach an die bisherige CDU-Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch. Bei der Wahl 2023 holte die AfD ihre einzigen beiden Berliner Direktmandate in Marzahn-Hellersdorf, vier gingen damals an die CDU.

Die Partei legte aber auch in anderen Bezirken zu. In Treptow-Köpenick holte sie voraussichtlich drei Direktmandate, in Lichtenberg, Reinickendorf, Pankow und Spandau jeweils eines.

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat ein Direktmandat verfehlt. Der 47-jährige SPD-Landeschef kam im Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf 2 nur auf Platz drei hinter Tom Cywinski (CDU) und Daniel Eliasson (Grüne), wie aus der Ergebnispräsentation der Landeswahlleitung hervorgeht. Krach dürfte aber über die Bezirksliste in das Parlament einziehen.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat sein Direktmandat verteidigt. Im Wahlkreis Spandau 5 setzte sich der 54-Jährige deutlich gegen die Mitbewerber durch, wie aus der Ergebnispräsentation der Landeswahlleitung hervorgeht. Nach Auszählung von 47 von 50 Gebieten lag Wegner mit mehr als 32 Prozent deutlich vor der SPD-Kandidatin Susanne Drescher.

Das Berliner Wahlergebnis deutet aus Sicht des Politikwissenschaftlers Thorsten Faas auch auf ein Parteiensystem der Zukunft. "Hier gibt es einfach keine dominanten Parteien mehr, sondern das sind alles so mittelgroße Parteien, die mal ein bisschen besser, mal ein bisschen schlechter abschneiden", sagte Faas der Nachrichtenagentur dpa.

Besonders bemerkenswert ist für Faas, wie stark die Linke abgeschnitten habe. Es sei ein wirklich deutlicher Wahlsieg der Partei, die auch bei der Bundestagswahl schon Platz eins in Berlin eingenommen hatte. Die Themen Mieten und Wohnen hätten von den Berliner Themen die meisten Menschen umgetrieben, erklärte Faas, der an der Freien Universität Berlin lehrt. "Und da hatte die Linke einfach die größte Sichtbarkeit, auch die vielleicht klarste Positionierung. Wie realistisch das umsetzbar ist, ist eine andere Frage. Aber erstmal war das sehr klar und sichtbar."

Die Bundesspitze des BSW sieht in der Berliner Abgeordnetenhauswahl trotz des möglichen verpassten Einzugs ins Parlament einen Erfolg. "Natürlich ist es schmerzhaft, wenn´s dann ganz knapp nicht reichen sollte, das will ich gar nicht wegdiskutieren", sagte der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi der Nachrichtenagentur dpa. "Aber es zeigt: Wir sind wieder ein politischer Faktor, der real auch die Chance hat, die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken."

Die Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali sagte der dpa: "Wir haben uns nach oben gekämpft." Das BSW sei lange in Umfragen bei drei Prozent gewesen. "Es ist trotzdem ein Erfolg für das BSW, egal wie es heute ausgeht."

Der Berliner BSW-Spitzenkandidat Alexander King sagte: "Wir haben es jetzt geschafft, eine neue politische Kraft breit zu etablieren in Berlin und das ist ein großer Fortschritt."

Weder in Schwerin noch Berlin kann die AfD mit einer Regierungsbeteiligung rechnen. Zu stark sind die Ergebnisse der Konkurrenz. Die anderen Parteien schließen eine Zusammenarbeit aus. Bislang hat es der AfD aber nicht geschadet, trotz hoher Ergebnisse nicht koalitionsfähig zu sein.

Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin beschäftigen die Bundespolitik. Kanzler Friedrich Merz will an seinem Kurs festhalten, Vizekanzler Lars Klingbeil räumt Korrekturbedarf ein.

Ein Besuch des berüchtigten Clan-Chefs Isso Rammo auf einer Wahlparty der Linkspartei in Berlin hat für Wirbel gesorgt. "Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt", sagte Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp im ZDF. "Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun, die bekämpfen wir."

Remmo war zuvor bei einer Wahlparty der Linken im Bezirk Neukölln erschienen. Berlins scheidender Regierender Bürgermeister Kai Wegner hatte auf der Plattform X geschrieben, Remmos Auftauchen auf der Wahlparty sei "ein verstörendes Signal". "Gerade eine Partei, die Verantwortung für unsere Stadt übernehmen will, muss unmissverständlich deutlich machen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen geben darf, die zur organisierten Kriminalität gehören."

Mitgliedern des Remmo-Clans werden zahlreiche Straftaten vorgeworfen, einige wurden in spektakulären Fällen verurteilt - darunter war eine Beteiligung am Diebstahl der 100 Kilo schweren Goldmünze Big Maple Leaf aus dem Berliner Bode-Museum 2017 und der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden 2019.

Eine Sprecherin der Neuköllner Linken distanzierte sich von dem Remmo-Besuch auf der Wahlparty. "Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, sie steht nicht auf unserer Anmeldeliste", erklärte die Sprecherin. Es gebe "weder politische noch persönliche Beziehungen" zu Remmo, das Auftauchen auf der Party habe daran "selbstverständlich" nichts geändert. Den Angaben zufolge handelte es sich bei der Wahlparty um eine öffentliche Veranstaltung, zu der auch ungeladene Menschen Zutritt hatten.

Die Grünen werden voraussichtlich ihre Berliner Hochburg Friedrichshain-Kreuzberg an die Linke verlieren. Nach Auszählung von 92 Prozent der Gebiete lag die Linke in dem Bezirk bei den Zweitstimmen mit 44 Prozent deutlich vor den Grünen mit 20,8 Prozent, wie der Wahlleiter mitteilte.

Bei der Wahl 2023 waren die Grünen mit 33,5 Prozent noch klar vor der Linken mit 21,1 Prozent gewesen. Die Grünen werden in Friedrichshain-Kreuzberg wahrscheinlich auch kein Direktmandat gewinnen - die Linke lag in allen fünf Wahlkreisen vorn. Vor drei Jahren errangen die Grünen noch fünf der damals sechs Wahlkreise.

Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp holte im Wahlkreis 1 mit großem Vorsprung das Direktmandat und gewann gegen die Grünen-Kandidatin Kübra Beydaș. Im zweiten Wahlkreis lag die Grünen-Kandidatin Katrin Schmidberger hinter dem Linke-Bewerber Michael Efler.

In den Umfragen lagen in Berlin zuletzt mehrere Parteien dicht beieinander. Nun hat die Linke deutlich gewonnen. Die CDU, die bislang die Berliner Regierung angeführt hat, mit deutlichen Verlusten. Und jetzt nur noch zweitstärkste Kraft.

Auch in der Hochrechnung von 22:13 Uhr bleibt das BSW unter der Fünf-Prozent-Hürde. Derzeit kommt die Partei auf 4,7 Prozent. Damit könnten sowohl die Linke als auch die CDU eine Koalition mit Grünen und SPD bilden.

Elif Eralp macht auch in der Türkei Schlagzeilen - und das nicht nur, weil sie als Spitzenkandidatin der Linken bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus einen großen Erfolg erzielt hat. Auch die türkischen Wurzeln der Politikerin werden im Heimatland ihrer Eltern betont.

"Historisches Ergebnis in Deutschland: In Berlin geht der Sieg an die Partei der türkeistämmigen Bürgermeister-Kandidatin Elif Eralp", titelte der Fernsehsender Halk TV. Die Tageszeitung Sözcü schrieb: "Türkische Kandidatin sprengt die Urnen; die Deutschen sagten 'Elif'!"

Eralp wäre nicht nur erste linke Berliner Regierungschefin, sondern auch die erste mit Migrationshintergrund. Eralps Eltern flohen als Sozialisten und Gewerkschafter nach dem Militärputsch 1980 aus der Türkei, ihre Mutter war damals mit ihr schwanger. Geboren wurde Eralp dann 1981 in München.

Die türkische Medienplattform Serbestiyet schrieb am Abend: "Die Tochter einer Familie, die nach dem Putsch vom 12. September floh, steht in Berlin kurz vor dem Amt der Regierenden."

Der CDU-Spitzenkandidat und Finanzsenator Stefan Evers hat sein Direktmandat verloren. Der 46-Jährige erhielt im Wahlkreis Treptow-Köpenick 4 laut vorläuf…

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